Queerfeindliche Straftaten in Hessen auf Rekordhoch: Zahl der Angriffe hat sich seit 2021 vervierfacht

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Am 17. Mai, dem Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit, fällt der Blick in Hessen auf Zahlen, die selbst erfahrene Ermittler alarmieren. 141 queerfeindlich motivierte Straftaten wurden im Jahr 2025 registriert – mehr als jemals zuvor. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Zahl erneut an, von 135 auf nun 141 Fälle. Besonders deutlich wird die Entwicklung jedoch im Rückblick: 2021 waren noch 34 Fälle erfasst worden, 2022 dann 50, 2023 bereits 83. Innerhalb von nur vier Jahren hat sich die Zahl damit mehr als vervierfacht.

Für Innenminister Roman Poseck ist diese Entwicklung weit mehr als eine statistische Auffälligkeit. Die Zahlen seien ein Weckruf für Politik und Gesellschaft zugleich. Hinter jeder einzelnen Tat stehe ein Mensch, der beleidigt, bedroht, angegriffen oder verletzt werde. Queerfeindlichkeit, so beschreibt es der Minister, treffe nicht nur Einzelne, sondern auch die Grundwerte einer offenen Gesellschaft.

Zwar ging die Zahl der registrierten Gewaltdelikte im Jahr 2025 auf 13 Fälle zurück, doch Entwarnung will in Hessen niemand geben. Denn jede Körperverletzung, jede Bedrohung und jede Demütigung hinterlasse Spuren. Wie nah die Gewalt inzwischen am Alltag vieler Menschen angekommen ist, zeigte ein Vorfall in Kassel Anfang des Jahres. In einer Straßenbahn wurde ein Männerpaar homophob beleidigt, bedroht und bespuckt. Solche Angriffe ereignen sich nicht im Verborgenen, sondern mitten im öffentlichen Leben.

Besonders beunruhigend ist aus Sicht des Innenministeriums das große Dunkelfeld. Viele Betroffene verzichten weiterhin auf eine Anzeige – aus Angst vor erneuter Diskriminierung, aus Scham oder aus mangelndem Vertrauen in Behörden. Die offiziell registrierten Fälle seien deshalb vermutlich nur ein Teil der tatsächlichen Realität. Gerade deshalb müsse der Staat deutlich machen, dass queerfeindliche Straftaten konsequent verfolgt werden.

Scharfe Worte findet Poseck auch mit Blick auf den politischen Umgangston und den Einfluss extremistischer Kräfte. Nach seiner Einschätzung tragen vor allem rechtsextreme Milieus Mitverantwortung für die zunehmende Aggressivität gegenüber queeren Menschen. Vielfalt werde dort nicht als gesellschaftliche Stärke verstanden, sondern als Bedrohung. Besonders sichtbar werde das bei Angriffen und Einschüchterungen rund um Christopher-Street-Day-Veranstaltungen, die inzwischen auch in Hessen häufiger Ziel rechter Störungen und Übergriffe seien. Die Atmosphäre aus Hass und Einschüchterung stehe im offenen Widerspruch zu den Grundwerten des Landes.

Die Polizei versucht seit Jahren, darauf zu reagieren. Bereits seit 2010 gibt es in allen hessischen Polizeipräsidien spezielle Ansprechpartner für LSBTIQ*-Bürgerinnen und Bürger sowie für Beschäftigte innerhalb der Polizei. Derzeit übernehmen 24 Beamtinnen und Beamte diese Aufgabe. Sie begleiten Betroffene, nehmen Anzeigen auf und sind bei Veranstaltungen wie dem Christopher Street Day präsent. Unterstützt wird das durch Fortbildungen an der Hessischen Hochschule für öffentliches Management und Sicherheit. In Wiesbaden soll zudem mit der neuen Sprechstunde „Gemeinsam Sicher Queer“ ein weiteres niedrigschwelliges Angebot entstehen, das Vertrauen schaffen und Betroffenen den Zugang zur Polizei erleichtern soll.

Für Poseck bleibt dennoch klar, dass staatliche Stellen allein die Entwicklung nicht aufhalten können. Entscheidend sei auch die Haltung der Gesellschaft. Wer Zeuge queerfeindlicher Übergriffe werde, dürfe nicht schweigen oder wegsehen. Menschen müssten sicher und frei leben können – unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität. Für den Innenminister ist das keine Frage gesellschaftlicher Debattenkultur, sondern eine Frage der Grundrechte selbst. +++ red.

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