Die Rhönkampfbahn in Hünfeld hat sich längst zu einem jener Orte entwickelt, an denen sportliche Ambitionen, organisatorischer Kraftakt und regionale Begeisterung ineinandergreifen. Wer am Wochenende den 2. Sparkassen-Grand-Prix des Jahres 2026 verfolgte, bekam erneut einen Eindruck davon, wie sehr sich die Anlage zur festen Adresse der Leichtathletik in Osthessen entwickelt hat. Fußball in der Hessenliga, Nachwuchsarbeit mit landesweiter Ausstrahlung, dazu Veranstaltungen im Wochentakt — das alles verdichtet sich inzwischen zu einer bemerkenswerten Kontinuität.
Erst vor anderthalb Wochen hatte die Rhönkampfbahn den Regionalvorkampf für die Hessischen Mannschaftsmeisterschaften der Kinderleichtathletik U12 sowie einen landesoffenen Qualifikationswettkampf der U14 ausgerichtet. Einen Tag zuvor fand bereits ein Regionalentscheid im Wettbewerb „Jugend trainiert für Olympia“ statt. Nun also der Sparkassen-Grand-Prix inklusive Kreismeisterschaften der Kinderleichtathletik und weiterer Titelkämpfe der klassischen Leichtathletik. Und selbst damit endet die Saison in Hünfeld noch nicht. Nach den Sommerferien folgen am 29. August die Hessischen Mannschaftsmeisterschaften der Kinderleichtathletik U12.
Dass ein solcher Veranstaltungsrhythmus überhaupt möglich ist, liegt nicht zuletzt an der großen Zahl an Helfern. 113 Unterstützer waren diesmal im Einsatz, sorgten für Abläufe, Wertungen, Organisation und Betreuung. Ohne diese Struktur wäre ein Sportfest dieser Größenordnung kaum denkbar. Dazu kam ein Wetter, das den Tag beinahe zu perfekt erscheinen ließ. Statt Regenschirmen dominierten Sonnenhüte und improvisierte Schattenspender das Bild auf den Tribünen.
Die Veranstaltung selbst hat sich längst in Dimensionen bewegt, die in Osthessen ihresgleichen suchen. Vor vier Jahren war noch vom „Wahnsinn auf der Rhönkampfbahn“ die Rede gewesen, als 469 Teilnehmer die Organisatoren an ihre Grenzen brachten. Danach kamen 530 Athleten, später 486 und 494. In diesem Jahr waren es 493 Teilnehmer. Die Zahlen zeigen weniger einen kurzfristigen Boom als vielmehr eine stabile Entwicklung auf hohem Niveau. Selbst zeitliche Verzögerungen im Bereich der U12-Kinderleichtathletik änderten nichts daran, dass das eingespielte Kampfgericht routiniert reagierte.
Mit 118 Teilnehmern stellte der Hünfelder SV erneut das größte Kontingent des Tages. Bereits ab 9.30 Uhr begann die Kinderleichtathletik mit den Altersklassen U12 und U8. Insgesamt gingen 36 Mannschaften an den Start, genauso viele wie im Vorjahr. Die Wettbewerbe wechselten sich beinahe ohne Unterbrechung ab, parallel liefen Disziplinen der klassischen Leichtathletik — Sprint, Hürden, Kugelstoßen, Speerwurf, Mittelstrecke oder Weitsprung. Mehr als 1.500 Starts wurden absolviert, rund 1.500 Teilnehmer und Besucher befanden sich gleichzeitig auf dem Gelände. Die Rhönkampfbahn wirkte an diesem Tag weniger wie eine Sportanlage als wie ein eigener kleiner Kosmos.
Dabei spannte sich das Teilnehmerfeld von fünf bis 90 Jahren. Breitensport und Spitzenleistungen existierten unmittelbar nebeneinander. Für viele der jüngeren Athleten dürfte gerade dieser direkte Blick auf ältere und leistungsstärkere Sportler ein zusätzlicher Anreiz gewesen sein.
Auch sportlich hinterließ die Veranstaltung deutliche Spuren. In der Kinderleichtathletik sammelte der Hünfelder SV zahlreiche starke Platzierungen. In der U12 wurde die erste Mannschaft Vierter, die zweite Sechster. In der Einzelwertung der U11 belegten Ella Weber und Lia Heyer gemeinsam Rang zwei. Oskar Rys wurde in der männlichen U10 Dritter. Die erste Mannschaft der U10 erreichte Platz zwei, Team zwei Rang neun. Max Lambrecht schaffte es in der M9 auf Platz zwei. Auch die U8 ließ aufhorchen: Sara Adamczyk gewann die Einzelwertung, Maria Hillenbrand wurde Dritte, Mats Armbüster belegte Rang zwei in der M8. In der Mannschaftswertung erreichte die erste HSV-Vertretung Platz drei.
Doch selbst in einem langen Tag voller Leistungen ragte ein Name besonders heraus: Felix Veith. Der junge Athlet absolvierte in der Altersklasse M15 zunächst den Block Lauf mit 80-Meter-Hürden, 100 Metern, 2.000 Metern, Weitsprung und Ballwurf. Die benötigte Nebennorm für die Deutschen Meisterschaften der U16 erfüllte er mit 2.154 Punkten. Damit war der Tag für ihn allerdings noch nicht beendet. Am Ende des Wettkampfes lief Veith die 2.000 Meter in 6:00,67 Minuten und schob sich damit auf Platz zwei der aktuellen Deutschen Bestenliste seiner Altersklasse. Bereits über 3.000 Meter liegt er ebenfalls auf Rang zwei, über fünf Kilometer auf der Straße führt er die Bestenliste sogar an. Es waren jene Minuten, in denen die Aufmerksamkeit der gesamten Anlage auf einen einzelnen Läufer gerichtet war.
Auch Emma Röhrdanz überzeugte. In der weiblichen U18 gewann sie die 200 Meter in 25,33 Sekunden und erfüllte damit die Norm für die Deutschen U18-Meisterschaften. Lotte Schwarz blieb erstmals unter 13 Sekunden über 100 Meter und bestätigte mit einer weiteren Bestleistung über 200 Meter ihre starke Form. Lena Dehler qualifizierte sich im Block Wurf mit 2.397 Punkten für die Deutschen Meisterschaften, Linda Schmitt blieb über 800 Meter erstmals unter 2:25 Minuten und erfüllte damit die Norm für die Süddeutschen Meisterschaften.
Hinzu kamen starke Leistungen von Lilli Roth, die im Weitsprung mit 5,21 Metern gewann und im Speerwurf mit 34,93 Metern überzeugte. Marie Weber erreichte im Speerwurf 35,10 Meter und damit ebenfalls eine Platzierung unter den besten Zehn Hessens. Max Beckmann setzte mit 59,50 Metern im Ballwurf und 10,80 Metern im Kugelstoßen weitere Akzente.
Nicht alle bekannten Namen des Hünfelder SV waren diesmal am Start. Einige Athleten bereiten sich bereits gezielt auf Hessische, Süddeutsche und Deutsche Meisterschaften vor. Andere unterstützten die Veranstaltung als Helfer oder absolvierten einzelne Wettbewerbe ohne große Ergebnisorientierung. Gerade dieser Wechsel zwischen Leistungssport und Gemeinschaft scheint ein Teil dessen zu sein, was die Atmosphäre in Hünfeld ausmacht.
Am Ende blieb der Eindruck eines Sportfestes, das längst mehr geworden ist als ein regionaler Wettkampfkalenderpunkt. Die Rhönkampfbahn zieht nicht nur Athleten an, sondern auch Zuschauer, Helfer und Familien. Und vielleicht liegt genau darin ihre eigentliche Stärke: Dass Spitzenleistungen hier nicht distanziert wirken, sondern unmittelbar erlebbar bleiben. Mehr Fotos auf der Homepage +++ rl














