Hitzewelle über Hessen: Behörden warnen vor Gesundheitsgefahren

Hitzewelle

Nach einer ungewöhnlich frühen Hitzephase Ende Mai steht Hessen erneut vor mehreren Tagen mit hochsommerlichen Temperaturen. Der Deutsche Wetterdienst erwartet von Donnerstag bis Sonntag eine anhaltende Hitzeperiode, die weite Teile des Landes erfassen wird. In vielen Regionen werden Temperaturen von über 30 Grad erreicht, örtlich sind bis zu 35 Grad möglich. Während sich manche über Badewetter und lange Sommerabende freuen, wächst zugleich die Sorge vor den gesundheitlichen Folgen der außergewöhnlichen Wärme.

Auch im Landkreis Fulda schlägt das Gesundheitsamt Alarm. Dort wird die Hitzewarnstufe 1 erreicht. Hohe Temperaturen stellen grundsätzlich für alle Menschen eine Belastung dar, doch besonders gefährdet sind ältere und pflegebedürftige Menschen, Schwangere, Säuglinge und Kleinkinder, chronisch Kranke sowie Menschen, die sich nur eingeschränkt vor der Hitze schützen können. Die Behörde ruft dazu auf, die bevorstehenden Tage nicht zu unterschätzen und sich frühzeitig auf die Belastung einzustellen.

Die Warnungen kommen nicht ohne Grund. Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts sterben in Deutschland jedes Jahr rund 3.000 Menschen an den Folgen extremer Hitze. In besonders ausgeprägten Hitzejahren wie 2018 und 2019 lag die Zahl sogar bei jeweils mehr als 7.000 Todesfällen. Für Hessen allein wird geschätzt, dass im Jahr 2018 rund 740 Menschen hitzebedingt verstorben sind. Medizinische Folgen reichen von Kreislaufproblemen über Sonnenstiche bis hin zu Hitzekollaps und Hitzschlag.

Das Gesundheitsamt empfiehlt, die Wetterentwicklung aufmerksam zu verfolgen und Hitzewarnungen des Deutschen Wetterdienstes ernst zu nehmen. Wer weiß, wann die Temperaturen besonders stark ansteigen, kann seinen Tagesablauf entsprechend anpassen. Gerade zwischen 11 und 17 Uhr sollte die direkte Hitze möglichst gemieden werden. Anstrengende körperliche Aktivitäten im Freien gelten in diesen Stunden als besonders belastend. Wer sich draußen aufhalten muss, sollte möglichst schattige und kühlere Orte aufsuchen.

Von zentraler Bedeutung bleibt die Flüssigkeitszufuhr. Empfohlen werden etwa zwei bis drei Liter am Tag, vorzugsweise Wasser. Menschen mit Herz- oder Nierenerkrankungen sollten die individuell passende Trinkmenge mit ihrem Arzt besprechen. Auch die Ernährung kann helfen, die Belastung zu verringern. Leichte, frische und möglichst kühle Speisen wie Gemüse, Salate, Obst oder fettarme Milchprodukte gelten als geeignete Begleiter durch heiße Tage, während schwere und fettreiche Mahlzeiten den Organismus zusätzlich beanspruchen.

Ebenso wichtig ist es, den Körper regelmäßig abzukühlen. Bereits einfache Maßnahmen können spürbare Erleichterung bringen. Kühle, feuchte Umschläge an Armen, Beinen, Stirn oder Nacken, Fußbäder oder das Kühlen der Unterarme unter fließendem Wasser helfen dabei, die Körpertemperatur zu senken. Oft genügt es schon, die Haut mit Wasser zu benetzen. Auch kühlende Lotionen oder Sprays können angenehm wirken.

Besondere Aufmerksamkeit gilt den eigenen vier Wänden. Während der heißesten Stunden des Tages sollten Fenster und Türen möglichst geschlossen bleiben. Gelüftet wird idealerweise nachts oder in den frühen Morgenstunden, wenn die Außentemperaturen niedriger liegen als in der Wohnung. Rollos, Fensterläden oder Markisen können zusätzlich verhindern, dass sich Räume aufheizen. Wo Klimaanlagen genutzt werden, empfiehlt das Gesundheitsamt eine maßvolle Einstellung, um starke Temperaturunterschiede und gesundheitliche Beschwerden zu vermeiden.

Die Behörde rät außerdem dazu, Arzneimittel hinsichtlich ihrer Hitzetauglichkeit überprüfen zu lassen. Einige Medikamente können die Fähigkeit des Körpers beeinflussen, mit hohen Temperaturen umzugehen. Hinweise dazu finden sich häufig bereits in den Packungsbeilagen, gegebenenfalls sollte das Thema beim nächsten Arztbesuch angesprochen werden.

Nicht zuletzt richtet sich der Appell an das soziale Umfeld. Gerade während längerer Hitzeperioden wird der Kontakt zu Angehörigen, Freunden und Nachbarn wichtiger. Wer Unterstützung benötigt oder Anzeichen gesundheitlicher Probleme zeigt, sollte nicht allein gelassen werden.

Die Gefahr steigt besonders dann, wenn erste Warnzeichen einer Hitzeerschöpfung übersehen werden. Kalte und feuchte Haut, niedriger Blutdruck bei gleichzeitig erhöhtem Puls, schnelle aber schwache Atmung, Schwindel, Übelkeit, Appetitlosigkeit und starke Erschöpfung gehören zu den typischen Symptomen. In solchen Fällen sollte rasch Flüssigkeit aufgenommen und der Körper gekühlt werden. Verbessert sich der Zustand innerhalb einer Stunde nicht oder steigt die Körpertemperatur auf 38 Grad Celsius, ist ärztliche Hilfe erforderlich.

Noch ernster ist ein Hitzschlag. Gerötete, heiße und trockene Haut, starke Kopfschmerzen, Übelkeit, Bewusstseinsstörungen oder Bewusstlosigkeit gelten als Warnzeichen eines medizinischen Notfalls. In solchen Situationen muss unverzüglich der Rettungsdienst unter der Notrufnummer 112 verständigt werden.

Die aktuelle Hitzewelle verdeutlicht zugleich eine Entwicklung, die Experten seit Jahren beobachten. Durch den menschengemachten Klimawandel nehmen Dauer, Häufigkeit und Intensität von Hitzeperioden zu. Meteorologische Projektionen gehen davon aus, dass Hitzewellen bis zur Mitte des Jahrhunderts noch deutlich ausgeprägter auftreten werden. Besonders Städte geraten dabei zunehmend unter Druck. Versiegelte Flächen, dichte Bebauung und fehlende Grünflächen führen dazu, dass sich Innenstädte stark aufheizen. Gebäude, Straßen und Plätze speichern die Wärme und geben sie in den Nachtstunden wieder ab. Der sogenannte Hitzeinseleffekt kann dazu führen, dass Innenstädte im Sommer bis zu zehn Grad wärmer sind als das umliegende Umland.

Die Auswirkungen reichen weit über das persönliche Wohlbefinden hinaus. Arbeit im Freien wird erschwert, die Belastung für Mensch und Natur steigt, und auch die Leistungsfähigkeit vieler Menschen nimmt bei extremer Wärme spürbar ab. Fachleute sehen deshalb langfristig nur in vorausschauenden Anpassungsmaßnahmen eine wirksame Antwort. Mehr Grünflächen, zusätzliche Stadtbäume, Wasserflächen, Trinkbrunnen und andere Möglichkeiten zur Abkühlung gelten als wichtige Bausteine, um Städte und Gemeinden widerstandsfähiger gegen die zunehmende Hitze zu machen.

Für die kommenden Tage bleibt jedoch zunächst nur der Blick auf das Thermometer. Hessen steht vor einem der bislang heißesten Abschnitte dieses Jahres – und für viele Menschen werden die kommenden Tage weit mehr sein als nur ein Vorgeschmack auf den Sommer. +++ red.

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