Hitzewelle ohne Hysterie: Warum weniger Alarmismus oft die bessere Information ist

Hitzewelle

Kaum steigen die Temperaturen über die Marke von 30 Grad, beginnt vielerorts ein vertrautes Ritual. Nachrichtenseiten füllen ihre Startseiten mit Hitzetickern, Sonderrubriken und immer neuen Ratgebern. "Tipps für heiße Tage", "So halten Sie die Hitze besser aus" oder ähnliche Überschriften gehören inzwischen fast schon zum festen Sommerprogramm. Der Eindruck entsteht, als müsse jeder warme Tag mit einem möglichst umfangreichen Informationspaket begleitet werden.

Dabei stellt sich die Frage, ob dieses Maß an Berichterstattung tatsächlich dem Informationsbedürfnis der Leser entspricht oder ob es vor allem darum geht, Aufmerksamkeit zu erzeugen. Das Schlagwort "Hitze" entwickelt sich in den Sommermonaten regelmäßig zu einem starken Klickmagneten. Viele Medien reagieren darauf mit eigens eingerichteten Themenseiten, täglichen Warnmeldungen und Empfehlungen, die sich oft von Jahr zu Jahr kaum unterscheiden.

Natürlich sind hohe Temperaturen für bestimmte Bevölkerungsgruppen ein ernst zu nehmendes Gesundheitsrisiko. Ältere Menschen, chronisch Kranke oder Obdachlose benötigen besonderen Schutz und Aufmerksamkeit. Darüber zu berichten, Missstände aufzuzeigen und politische Forderungen einzuordnen, gehört zu den Aufgaben des Journalismus. Das gilt auch für Debatten über Trinkbrunnen, gekühlte Aufenthaltsräume oder den Schutz besonders gefährdeter Menschen.

Etwas anderes ist jedoch die Flut an immer neuen Ratgeberbeiträgen, die häufig bekannte Hinweise wiederholen und den Eindruck vermitteln, als seien Leser grundsätzlich schlecht informiert. Viele Menschen wissen längst, dass sie an heißen Tagen ausreichend trinken, direkte Sonne möglichst meiden oder körperliche Anstrengungen in die kühleren Morgen- und Abendstunden verlegen sollten. Das sind keine neuen Erkenntnisse, sondern Empfehlungen, die seit Jahren bekannt sind.

Journalismus lebt davon, Entwicklungen einzuordnen und Relevanz von bloßer Aufmerksamkeit zu unterscheiden. Wenn nahezu jede Wetterlage zum Anlass für eine Vielzahl ähnlich formulierter Beiträge wird, verschwimmt diese Grenze. Aus Information wird schnell Routine, aus berechtigter Warnung eine Dauerschleife, die eher Ermüdung als Erkenntnis erzeugt.

Wer Leser ernst nimmt, muss ihnen nicht jeden Sommer aufs Neue erklären, wie sie mit warmen Tagen umgehen können. Wichtiger ist es, dort genauer hinzusehen, wo Hitze tatsächlich zum gesellschaftlichen Problem wird – etwa bei Menschen ohne Wohnung, in Pflegeeinrichtungen oder in dicht bebauten Städten. Dort entstehen Geschichten mit Substanz. Für alles andere gilt manchmal ein einfacher journalistischer Grundsatz: Weniger kann mehr sein. +++ me

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