Die langanhaltende Hitze hat der deutschen Landwirtschaft in diesem Sommer spürbare Schäden zugefügt. Nach Einschätzung des Deutschen Raiffeisenverbands (DRV) sind seit Mitte Juni rund drei Millionen Tonnen Getreide und Raps verloren gegangen. Für die landwirtschaftlichen Betriebe bedeutet das erhebliche Einbußen. Der Verband beziffert die daraus resultierenden Einnahmeverluste auf mehr als 600 Millionen Euro.
Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung bei der Getreideernte. Der DRV rechnet für 2026 mit einer Erntemenge von 40,6 Millionen Tonnen. Damit dürfte das Ergebnis mehr als zehn Prozent unter dem Vorjahreswert liegen, als in Deutschland noch rund 45 Millionen Tonnen Getreide geerntet wurden. Auch beim Raps zeichnet sich ein Rückgang ab. Erwartet werden 3,7 Millionen Tonnen, nachdem im vergangenen Jahr noch rund vier Millionen Tonnen eingefahren worden waren.
Auf den Feldern hat sich damit in den vergangenen Wochen eine Entwicklung fortgesetzt, die sich bereits während der Wachstumsphase abgezeichnet hatte. Die anhaltende Hitze setzte den Beständen zu und führte zu Ertragseinbußen, die sich nun in den Erntemengen niederschlagen. Für die Landwirtschaft geht es dabei nicht allein um abstrakte Zahlen. Jede Tonne, die auf den Feldern fehlt, bedeutet für die Betriebe weniger Einnahmen und verschärft zugleich die wirtschaftlichen Herausforderungen, mit denen viele Unternehmen ohnehin konfrontiert sind.
Eine unmittelbare Gefahr für die Versorgung der Bevölkerung mit Getreide sieht der Raiffeisenverband dennoch nicht. Der jährliche Getreideverbrauch in Deutschland liegt bei rund 40 Millionen Tonnen und wird nach Einschätzung des Verbands auch durch die diesjährige Ernte gedeckt. Trotz der unterdurchschnittlichen Erntemenge bestehe deshalb derzeit kein Anlass zur Sorge hinsichtlich der Inlandsversorgung.
Auch Verbraucher müssen nach Einschätzung des DRV nicht mit deutlich steigenden Preisen für Backwaren infolge der schwächeren Getreideernte rechnen. Der Anteil des Getreides am Endpreis eines Brotes oder anderer Backwaren liege lediglich im niedrigen Cent-Bereich. Entscheidend für die Preisentwicklung seien vielmehr andere Kostenfaktoren. Dazu zählten insbesondere höhere Energie- und Lohnkosten sowie die Belastungen durch Bürokratie.
Während die Versorgungslage in Deutschland damit zunächst als gesichert gilt, fällt der Blick zugleich auf die internationale Entwicklung. Nicht nur hierzulande, sondern auch in Europa und weltweit fallen die Getreideernten geringer aus. Die globalen Versorgungsbilanzen sind angesichts dieser Entwicklung ohnehin knapp. Hinzu kommen geopolitische Spannungen, allen voran der Krieg in der Ukraine, die den internationalen Handel und die Versorgung mit Agrarrohstoffen beeinflussen.
Damit gewinnt neben der Menge der verfügbaren Ware auch deren Transport an Bedeutung. Der DRV sieht die Logistik in den kommenden Monaten als einen entscheidenden Faktor für die Versorgungssicherheit. Geopolitische Krisen können etablierte Transportwege beeinträchtigen, gleichzeitig erschweren niedrige Wasserstände auf den Wasserstraßen den Güterverkehr. Gerade für Massengüter wie Getreide sind funktionierende Transportketten von erheblicher Bedeutung.
Der Verband appelliert deshalb an die Politik, die Infrastruktur auszubauen und die Voraussetzungen für zuverlässige Transportwege zu verbessern. Die Versorgungssicherheit hänge nicht allein davon ab, wie viel Getreide auf den Feldern geerntet werden könne. Entscheidend sei auch, ob die Ware anschließend zuverlässig dorthin gelangt, wo sie benötigt wird.
Auf die laufende Ernte hatten die weltweit stark gestiegenen Düngemittelpreise nach Angaben des DRV dagegen keinen begrenzenden Einfluss. Die Preise für Düngemittel waren 2026 deutlich gestiegen. Die Landwirte hatten ihre benötigten Düngemittel jedoch bereits zu Beginn des Irankriegs im Lager oder zu diesem Zeitpunkt schon auf den Feldern ausgebracht. Die höheren Preise konnten sich deshalb auf die aktuelle Ernte nicht mehr in gleichem Maße auswirken.
Umso größer ist der Blick des Verbands auf die kommende Erntesaison. Für 2027 könnte die Entwicklung bei den Düngemittelpreisen zu einer zusätzlichen Belastung werden. Viele Landwirte halten sich angesichts der stark gestiegenen Preise derzeit mit dem Kauf von Stickstoffdüngern zurück. Sie hoffen darauf, dass die Preise wieder sinken.
Damit zeichnet sich bereits vor der nächsten Aussaat ein neues Spannungsfeld ab. Die Ernte 2026 wird durch die Hitze belastet, während zugleich die Kosten für wichtige Betriebsmittel hoch bleiben. Noch ist die Versorgung mit Getreide in Deutschland gesichert. Doch die Kombination aus klimabedingten Ertragseinbußen, angespannten internationalen Märkten, geopolitischen Krisen und Problemen bei den Transportwegen zeigt, wie eng die einzelnen Faktoren inzwischen miteinander verbunden sind. +++ red.












