Die Grünen im Landkreis Fulda richten ihren Blick auf die kommenden politischen Herausforderungen und setzen dabei auf eine stärkere Einbindung ihrer Mitglieder sowie auf eine bessere Vertretung ländlicher Regionen innerhalb der Partei. Das wurde bei der Kreismitgliederversammlung von Bündnis 90/Die Grünen deutlich, die Anfang Juni im Gasthof Schmitt in Neuhof stattfand. Rund 30 Mitglieder nahmen an der Versammlung teil, darunter Vertreter aller Ortsverbände, zahlreiche Fraktionsvorsitzende sowie das Sprecherteam des Kreisverbands.
Im Mittelpunkt der Zusammenkunft standen personelle Würdigungen, innerparteiliche Reformen und Berichte aus den Kommunen. Besondere Aufmerksamkeit erhielten zwei langjährige Mitglieder, die die Entwicklung der Grünen im Landkreis über Jahrzehnte geprägt haben. Alja Epp-Naliwaiko und Bernd Eckart sollen künftig die Ehrenmitgliedschaft erhalten. Beide gelten innerhalb des Kreisverbands als prägende Persönlichkeiten der Aufbaujahre grüner Politik in der Region.
Epp-Naliwaiko war über viele Jahre als Kreisgeschäftsführerin sowie als Stadträtin in Fulda aktiv. In den Wortbeiträgen wurde daran erinnert, dass grüne Politik in der Region lange Zeit mit erheblichen Widerständen konfrontiert war. Bernd Eckart wiederum spielte eine zentrale Rolle beim Aufbau der Parteistrukturen in Künzell. Aus den Reihen der Mitglieder wurde hervorgehoben, dass die Gründung des dortigen Ortsverbands maßgeblich auf sein Engagement zurückgeht. Wann die geplante Ehrung stattfinden wird, steht bislang noch nicht fest.
Ein weiterer Schwerpunkt der Versammlung war die Diskussion über ein neues Delegiertenmodell für den hessischen Landesparteitag. Nach Auffassung des Kreisverbands eröffnet die Reform kleineren und ländlich geprägten Kreisverbänden bessere Möglichkeiten, ihre Interessen einzubringen. Hintergrund ist die bisherige Praxis, bei der mitgliederstarke Kreisverbände insbesondere in Großstädten bei Abstimmungen und Wahlen überproportionalen Einfluss ausüben konnten. Aus Sicht der Fuldaer Grünen sorgt das neue Modell für eine ausgewogenere Repräsentation innerhalb der Partei. Die langjährige Kommunalpolitikerin Waltraud Seeberger verwies darauf, dass vergleichbare Modelle in anderen Landesverbänden bereits erfolgreich angewendet würden. Kreisverbandssprecherin Marie-Louise Puls warb zugleich für eine Beteiligung an der ersten hessischen Urabstimmung, die im Oktober digital stattfinden soll.
Die Berichte aus den Ortsverbänden zeigten zudem, dass die Grünen ihre kommunalpolitische Präsenz im Landkreis weiter ausbauen konnten. In Hünfeld gehört mit Karlheinz Fenske erstmals ein grünes Mitglied dem Magistrat an. In Petersberg stellen die Grünen mit Nils Thormann erstmals einen Ortsvorsteher, während Katrin Wczasek den Vorsitz des Ausschusses für Umwelt, Klimaschutz und Landwirtschaft übernommen hat. Auch in Flieden konnten die Grünen ihre Position stärken, nachdem zwei Ausschusssitze per Losentscheid an Mitglieder der Fraktion vergeben wurden.
In Fulda selbst setzen die Grünen auf Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinweg. Durch eine Kooperation mit den Fraktionen von CDU und 3FFF wurde es möglich, dass Ernst Sporer erstmals zum stellvertretenden Stadtverordnetenvorsteher gewählt wurde. Zudem übernahm Jutta Hamberger den Vorsitz des Ausschusses für Kultur, Tourismus und Partnerschaften. Im Stadtteil Sickels wurde Knut Heiland mit einem besonders starken Ergebnis als Ortsvorsteher bestätigt.
Über die aktuelle Kommunalpolitik hinaus richtete sich der Blick auch auf die regionale Erinnerungskultur. Thiemo Schmitt, Eigentümer des Gehringshofs, informierte die Mitglieder über die Zukunft des historischen Anwesens. Nachdem die Genehmigung des Regierungspräsidiums Kassel vorliegt, soll dort eine Lern- und Erinnerungsstätte entstehen. Geplant ist außerdem ein Studentenaustauschprogramm. Der Gehringshof besitzt eine besondere historische Bedeutung: Zwischen 1929 und 1941 diente er als Hachschara-Stätte, an der jüdische Frauen und Männer auf ihre Auswanderung nach Palästina vorbereitet wurden und eine landwirtschaftliche sowie hauswirtschaftliche Ausbildung erhielten.
Die Versammlung endete mit einem optimistischen Ausblick. Der Kreisverband will den direkten Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern weiter ausbauen und verstärkt Informationsveranstaltungen zu aktuellen Themen anbieten. Geplant sind unter anderem Veranstaltungen zu Wärmepumpen in Eiterfeld sowie zu erneuerbaren Energien in Hünfeld. Die Grünen verbinden damit die Hoffnung, politische Debatten stärker vor Ort zu führen und den Dialog mit den Menschen in der Region zu intensivieren. In einer Zeit wachsender gesellschaftlicher Herausforderungen setzt der Kreisverband damit auf Gesprächsbereitschaft, kommunale Verankerung und die Stärkung ländlicher Perspektiven innerhalb der Partei. +++ red.













