Green Tower soll Bahnhofstraße klimaresistenter machen

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Mitten in der Fuldaer Bahnhofstraße wächst plötzlich etwas in die Höhe, das in Innenstädten selten geworden ist: Grün. Sechs Meter ragt der sogenannte Green Tower auf, bepflanzt, technisch durchdacht und bewusst dort platziert, wo sonst Beton, Pflaster und versiegelte Flächen dominieren. Das Projekt versteht sich als Antwort auf Probleme, die längst auch mittelgroße Städte erreicht haben: steigende Temperaturen, Feinstaubbelastung und öffentliche Räume, die funktional sind, aber selten Aufenthaltsqualität bieten.

Der Green Tower ist als freistehende Vertikalbegrünung konzipiert und benötigt weniger als zwei Quadratmeter Grundfläche. Auf dieser kleinen Fläche entstehen rund 20 Quadratmeter Pflanzenfläche. Anders als klassische Fassadenbegrünung funktioniert das System unabhängig von Gebäudewänden und kann deshalb auch dort eingesetzt werden, wo herkömmliche Begrünung an baulichen Grenzen scheitert. Entwickelt wurde die Konstruktion als Pilotprojekt für klimaorientierte Stadtentwicklung im Rahmen des Fuldaer Business Improvement Districts Bahnhofstraße.

Zwischen Passanten, Geschäften und Streetfood-Angeboten soll das Projekt nicht nur optisch wirken. Liegestühle in einem kleinen Mulch-Garten laden dazu ein, mitten in der Fußgängerzone kurz stehenzubleiben. Der sonst eher nüchterne Toilettenwagen an der Kreuzung zur Heinrichstraße wurde mit Blumenranken und Begrünung versehen und wirkt nun eher wie Teil einer temporären Installation als wie ein Zweckbau. Reginald Buckel, Vorsitzender des Business Improvement Districts, beschreibt die Bahnhofstraße als weit mehr als eine Fußgängerzone. Sie verbinde den Bahnhof mit der Innenstadt und dem Uniplatz und sei damit einer der zentralen Wege durch die Stadt.

Die technische Idee hinter dem Green Tower ist dabei vergleichsweise einfach: möglichst viel Pflanzenfläche auf möglichst wenig Raum schaffen. Das System soll das Mikroklima verbessern, Feinstaub binden und Lebensräume für Insekten schaffen. Gleichzeitig richtet sich das Konzept ausdrücklich an verdichtete Stadträume, in denen klassische Grünflächen kaum noch realisierbar sind. Die Konstruktion ist flexibel einsetzbar und speziell für vollversiegelte Flächen gedacht.

Hinter dem Projekt steht ein Netzwerk aus Unternehmen, Wissenschaft und regionaler Wirtschaftsförderung. Die Architektin Pia Groß brachte die Idee auf den Weg und koordinierte die Umsetzung. In ihrer Funktion für das Fulda BID Bahnhofstraße sowie im Projektmanagement der Region Fulda Wirtschaftsförderung begleitete sie das Vorhaben von der ersten Skizze bis zur Realisierung.

Die technische Entwicklung übernahm ALPAKA Innovation. Das Unternehmen setzte die ursprünglichen Entwürfe konstruktiv um und verantwortete Fertigung, Herstellung und Installation. Torben Radtke, Prokurist und Leiter für Entwicklung und Automatisierung, beschreibt den Green Tower als Projekt mit Leuchtturmcharakter, das nur durch technische Kompetenz, Eigeninitiative und erhebliche Ressourcen habe umgesetzt werden können.

Für die Begrünung war die GEFÄSSERIE – Die Wandbegrüner verantwortlich. Geschäftsführer Achim Eilingsfeld brachte die Fachkompetenz für Vertikalbegrünung in das Projekt ein. Das Unternehmen aus Fuchsstadt beschäftigt sich seit Jahren mit Fassaden- und Innenraumbegrünung und wurde 2024 vom Bundesverband Gebäude Grün für die beste Fassaden- und Innenraumbegrünung ausgezeichnet. Der eigene Firmensitz gilt dabei selbst als Beispiel für biophiles Design.

Auch die Hochschule Fulda ist beteiligt. Das Mechatroniklabor begleitet das Projekt wissenschaftlich und untersucht unter anderem die Auswirkungen auf das Mikroklima. Professor Tobias Müller sieht darin ein Beispiel dafür, wie Hochschulwissen in konkrete regionale Modellprojekte übertragen werden kann. Rechenmodelle sollen künftig belastbare Daten zur tatsächlichen Wirkung der Begrünung liefern und gleichzeitig die Grundlage für eine mögliche Serienproduktion schaffen.

Für Christoph Burkard, Geschäftsführer der Region Fulda Wirtschaftsförderungs GmbH, zeigt das Projekt vor allem die Bedeutung regionaler Wertschöpfungsketten. Entwicklung, Konstruktion, Forschung und Umsetzung stammen nahezu vollständig aus der Region. Der Green Tower werde dadurch nicht nur zu einem städtebaulichen Experiment, sondern auch zu einem Beispiel dafür, wie wirtschaftliche Transformation im ländlichen Raum praktisch umgesetzt werden könne.

Noch ist der Green Tower ein Pilotprojekt. In der Bahnhofstraße wirkt er allerdings bereits jetzt wie ein Hinweis darauf, wie Städte künftig aussehen könnten, wenn Grünflächen nicht mehr in die Breite wachsen können — sondern in die Höhe. +++

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