Im Tarifkonflikt des hessischen Groß- und Einzelhandels verschärft sich die Auseinandersetzung zwischen Gewerkschaft und Arbeitgebern. Ver.di ruft für Freitag, den 22. Mai 2026, erneut zu umfangreichen Arbeitsniederlegungen auf. Hintergrund ist das Angebot der Arbeitgeberseite in der zweiten Verhandlungsrunde vom 18. Mai, das die Gewerkschaft als „nicht verhandlungsfähig“ bezeichnet. Bereits in Rheinland-Pfalz und im Saarland hatten ähnliche Proteste stattgefunden.
Vor allem das vorgesehene Aussetzen einer Entgelterhöhung für die ersten sechs Monate sorgt bei vielen Beschäftigten für Empörung. Danach sollen die Löhne um zwei Prozent steigen. Nach Berechnungen der Gewerkschaft komme damit im ersten Jahr faktisch nur etwa ein Prozent mehr Einkommen bei den Beschäftigten an. Marcel Schäuble, Verhandlungsführer von ver.di für den Handel in Hessen, spricht von einem Angebot, das „jedes Augenmaß vermissen“ lasse. Besonders Teilzeitbeschäftigte seien betroffen. Bei einer langjährig beschäftigten Verkäuferin mit 28 Wochenstunden blieben laut Schäuble monatlich lediglich rund zwölf Euro zusätzlich im Geldbeutel.
Die Gewerkschaft verweist zugleich auf die weiterhin steigenden Lebenshaltungskosten und kritisiert, dass das Angebot angesichts einer prognostizierten Inflationsrate von durchschnittlich 2,8 Prozent zu einem Reallohnverlust führe. Auch die im zweiten Jahr vorgesehene Entgeltsteigerung von 1,5 Prozent nach weiteren drei Nullmonaten bedeute aus Sicht von ver.di keine echte Verbesserung. Im hessischen Großhandel liege bislang überhaupt kein Angebot der Arbeitgeber vor.
Dabei sieht die Gewerkschaft die wirtschaftliche Lage der Branche deutlich robuster, als es von Arbeitgeberseite dargestellt werde. Nach Angaben von ver.di habe der Einzelhandel in Hessen im Jahr 2025 ein Umsatzplus von fünf Prozent erzielt, der Großhandel sogar von 6,4 Prozent. Von einer Krise könne entlang der Branchendaten keine Rede sein. Auch die Gewinne seien in den vergangenen Jahren gestiegen. Den Beschäftigten nun eine Verschlechterung ihrer Einkommenssituation zuzumuten, statt sie am wirtschaftlichen Erfolg zu beteiligen, bezeichnet Schäuble als „skandalös“.
Im Zentrum der Proteste steht am Freitag eine gemeinsame Großkundgebung mit Beschäftigten aus Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland in der Mainzer Innenstadt. Rund 700 Streikende aus Hessen werden dort erwartet. Parallel dazu findet in Kassel eine weitere Streikversammlung statt, an der sich nordhessische Betriebe mit etwa 100 Beschäftigten beteiligen sollen.
Zu den Arbeitsniederlegungen aufgerufen sind Beschäftigte unter anderem von Rewe, Penny, Kaufland, Hit, Ikea, Douglas, Primark, H&M, Zara sowie Metro und der Rewe-Logistik.
Ver.di fordert für die Beschäftigten im Groß- und Einzelhandel in Hessen monatlich 250 Euro mehr in allen Entgeltgruppen sowie 150 Euro mehr Ausbildungsvergütung pro Ausbildungsjahr. Der neue Tarifvertrag soll eine Laufzeit von zwölf Monaten haben.
Der Demonstrationszug in Mainz beginnt am Freitag um 11 Uhr am Ernst-Ludwig-Platz und führt bis 12.30 Uhr durch die Innenstadt. Die anschließende Kundgebung ist dort bis etwa 14.30 Uhr geplant. In Nordhessen startet die Streikversammlung vor dem Ikea-Markt in Kassel in der Heinrich-Hertz-Straße um 10 Uhr. +++











