Trotz zahlreicher Reformen und wiederkehrender Debatten über die Zukunft des Lernens kommt das deutsche Bildungssystem kaum voran. Zu diesem Ergebnis gelangt der nationale Bildungsbericht „Bildung in Deutschland 2026“, der am Montag in Berlin vorgestellt wurde. Die Bestandsaufnahme zeichnet das Bild eines Systems, das an vielen Stellen unter Druck steht und auf neue Herausforderungen nur begrenzt Antworten findet.
Immer mehr Schülerinnen und Schüler erreichen grundlegende Kompetenzstandards nicht mehr. Gleichzeitig bleiben soziale Ungleichheiten über den gesamten Bildungsweg hinweg bestehen. Hinzu kommen zusätzliche Belastungen durch Zuwanderung, Inklusion, Digitalisierung und den gesellschaftlichen Wandel. Diese Entwicklungen wirken nicht isoliert, sondern überlagern und verstärken sich in nahezu allen Bildungsbereichen.
Besonders alarmierend sind die Entwicklungen im Fach Mathematik. Der Bericht zeigt, dass die Leistungen von Grundschülern zwar insgesamt stabil geblieben sind, im Sekundarbereich I jedoch Rückgänge zu verzeichnen sind. Bereits 2024 verfehlte knapp ein Viertel der Schülerinnen und Schüler, die mindestens einen mittleren Schulabschluss anstrebten, den Mindeststandard in Mathematik.
Nach Informationen der "Bild", die sich auf eine neue Studie des Leibniz-Instituts für Bildungsforschung und Bildungsinformation für das Bundesbildungsministerium beruft, hat sich diese Entwicklung über Jahre verschärft. Demnach verfügen inzwischen 24 Prozent der Schülerinnen und Schüler nicht über die mathematischen Mindestkompetenzen. Im Jahr 2012 lag dieser Anteil noch bei 16 Prozent. Damit scheitert heute etwa jeder vierte Schüler an den grundlegenden Anforderungen des Fachs.
Auch im Bereich der digitalen Fähigkeiten offenbaren die Daten deutliche Defizite. Die durchschnittlichen computer- und informationsbezogenen Kompetenzen sinken. Mehr als 40 Prozent der Achtklässler gelten inzwischen als kompetenzschwach. Die Kompetenzrückgänge betreffen dabei nicht nur leistungsschwächere Schulformen, sondern ziehen sich durch alle Leistungsniveaus bis hinein in die Gymnasien.
Zugleich steigt die Zahl der Jugendlichen, die das Bildungssystem ohne Abschluss verlassen. Nach Angaben des Bildungsberichts liegt ihr Anteil inzwischen bei rund acht Prozent. Auch hier zeigt sich eine negative Entwicklung: In einer Studie aus dem Jahr 2024 hatte der Anteil noch bei 6,9 Prozent gelegen, zwei Jahre zuvor bei 6,2 Prozent. Gemessen an der gleichaltrigen Bevölkerung verlassen damit immer mehr junge Menschen die Schule ohne formalen Abschluss.
Parallel dazu verschärft sich der Fachkräftemangel im Bildungswesen. Zwar arbeiteten 2024 mit rund 2,9 Millionen Menschen etwa 21 Prozent mehr Beschäftigte im formalen Bildungssystem als noch 2014. Dennoch bestehen in mehreren Bereichen erhebliche Engpässe. Besonders deutlich wird dies an den Schulen. Dort hat sich der Anteil der Lehrkräfte ohne anerkannte Lehramtsqualifikation nahezu verdoppelt.
„Der Fachkräftemangel ist nicht nur ein Mengenproblem“, sagte Kai Maaz, Sprecher der Autoren des nationalen Bildungsberichts. „Entscheidend ist ebenso die Qualifizierung, langfristige Bindung und der wirksame Einsatz vorhandener Fachkräfte.“
Der nationale Bildungsbericht erscheint im zweijährigen Turnus und stützt sich auf amtliche Statistiken sowie sozialwissenschaftliche Daten und Studien. Als umfassende Bestandsaufnahme des Bildungswesens soll er langfristige Entwicklungen sichtbar machen und auf Herausforderungen hinweisen. Der aktuelle Bericht zeigt vor allem eines: Die Probleme sind seit Jahren bekannt, doch die Gegenmaßnahmen haben den Abwärtstrend bislang nicht stoppen können. +++ red.













