Manche Bauwerke erfüllen weit mehr als ihren eigentlichen Zweck. Sie prägen das Bild einer Stadt, dienen als Orientierungspunkt und werden über Jahrzehnte zu selbstverständlichen Bestandteilen des Alltags. Der JUMO-Turm in Fulda gehört zu diesen seltenen Landmarken. Sein Rückbau Ende April markierte deshalb nicht nur das Ende einer technischen Anlage, sondern den Abschied von einem vertrauten Element des Stadtbildes. Mit der Installation des neuen Werbeturms kehrt dieses Wahrzeichen nun zurück – größer in seinen Möglichkeiten, digitaler in seiner Funktion und zugleich fest verwurzelt in seiner historischen Bedeutung.
Der Neubau steht für einen Wandel, der weit über eine bauliche Erneuerung hinausgeht. JUMO verbindet mit dem Projekt bewusst die eigene Geschichte mit dem Anspruch, technologische Entwicklung sichtbar zu machen. Wo über Jahrzehnte hinweg ein markanter Orientierungspunkt stand, erhebt sich nun ein mehr als zwölf Meter hoher Werbeturm, der auf einem fünfgeschossigen Industriegebäude installiert wurde und die Verbindung von klassischer Außenwerbung, digitaler Information und moderner Lichttechnik verkörpert.
Bemerkenswert sind dabei nicht nur die technischen Dimensionen, sondern auch die Bedingungen, unter denen das Projekt realisiert wurde. Zwischen dem Projektauftrag und Briefing am 29. Januar sowie der geplanten Inbetriebnahme am 12. Juni 2026, dem Eröffnungstag des 63. Hessentags in Fulda, lagen lediglich 89 Arbeitstage. In dieser Zeit mussten geeignete Projektpartner recherchiert, Ausschreibungen durchgeführt, Angebote bewertet, Aufträge vergeben sowie sämtliche Planungs-, Prüfungs-, Demontage- und Montagearbeiten abgeschlossen werden. Angesichts der besonderen Anforderungen des Standorts mit seiner eingeschränkten Erreichbarkeit erforderte dies ein präzise abgestimmtes Zusammenspiel unterschiedlichster Gewerke und Spezialisten.
Standardlösungen kamen dabei nicht in Betracht. Die Konstruktion verlangte Expertise aus Bereichen wie Turmwerbeanlagen, Lichtwerbung, LED-Großdisplaytechnik, Baustatik, Stahl- und Metallbau sowie komplexer Montagelogistik für Außeninstallationen. Die technische Herausforderung bestand nicht allein in der Errichtung des Turms, sondern ebenso darin, ein System zu schaffen, das dauerhaft sichtbar, funktional und den örtlichen Anforderungen angepasst ist.
Das Ergebnis präsentiert sich im aktuellen Corporate Design des Unternehmens und setzt auf energieeffiziente LED-Technik. Besonders auffällig ist das zentrale Element der Anlage: ein doppelseitig ausgeführtes, 360 Grad drehbares JUMO-Logo mit einer Gesamtfläche von 34 Quadratmetern. Die Konstruktion besteht aus zwei jeweils 17 Quadratmeter großen Markenzeichen, die als Spanntuchanlage ausgeführt und nachts mit leistungsstarker, zugleich stromsparender LED-Technik beleuchtet werden. Die Ausführung orientiert sich an den Lichtrichtlinien der Sternenstadt Fulda und verbindet gestalterischen Anspruch mit technischen Anforderungen.
Das rotierende Logo verleiht der Anlage eine Dynamik, die insbesondere aus größerer Entfernung sowie entlang stark frequentierter Verkehrswege wahrnehmbar wird. Gleichzeitig knüpft der Turm an eine Funktion an, die viele Fuldaer seit Jahrzehnten mit ihm verbinden: die Anzeige von Uhrzeit und Außentemperatur. Damit bleibt die Anlage nicht nur Werbeträger, sondern erfüllt weiterhin eine Rolle als alltäglicher Informationspunkt für Anwohner, Pendler und Passanten.
Neu hinzu kommen vier LED-Displays mit jeweils sechs Quadratmetern Fläche, die rundum sichtbar angebracht sind. Sie ermöglichen den Wechsel von statischen Botschaften hin zu bewegten und situativ anpassbaren Inhalten. Temperaturänderungen können ebenso in Echtzeit dargestellt werden wie Grüße zu Feiertagen oder Informationen zu besonderen internen und externen Veranstaltungen. Der Turm wird damit zu einem Kommunikationsmedium, das über klassische Außenwerbung hinausgeht und seine Inhalte flexibel an aktuelle Anlässe anpassen kann.
Aus Sicht des Unternehmens liegt darin ein wesentlicher Mehrwert. Das Zusammenspiel aus rotierendem Markenzeichen, digitaler Anzeigetechnik und Informationsfunktion erzeugt nachweislich eine höhere visuelle Aufmerksamkeit und stärkere Markenpräsenz als herkömmliche Print-Werbetafeln. Gleichzeitig entsteht eine weithin sichtbare Landmarke, die Orientierung bietet und den Standort auch künftig prägen dürfte.
Für JUMO besitzt das Projekt darüber hinaus eine symbolische Dimension. Stephan Möller aus dem Facility- und Projektmanagement spricht von der besonderen Verantwortung, einen tief in Fulda verwurzelten Orientierungspunkt technisch neu aufzubauen. Das historische Erbe sei bewahrt worden, während das Innenleben vollständig in das digitale Zeitalter überführt wurde. Sein Dank gilt insbesondere den beteiligten Unternehmen Metallwerkstatt Torschl, Feuerstein Baustatik und Dachdecker Müller+Bug aus der Region sowie Laumen Lichtwerbung aus Bielefeld, deren Zusammenarbeit die Umsetzung in außergewöhnlich kurzer Zeit ermöglicht habe.
Auch Projektleiter Helge E. Jost verweist auf die hohe Dynamik des Vorhabens. Das Projekt „Werbeanlage 2.0“ sei von Beginn an durch einen festen Endtermin geprägt gewesen und habe allen Beteiligten ein Höchstmaß an Leistungsfähigkeit und Einsatzbereitschaft abverlangt. Das Ergebnis versteht er als sichtbares Zeichen für Innovationskraft und Zukunftsorientierung des Unternehmens. Das drehbare JUMO-Markenzeichen solle dabei nicht nur technische Modernität ausdrücken, sondern auch Werte wie Dynamik, Weitblick und Entwicklungsbereitschaft symbolisieren.
Mit dem neuen Turm schließt sich damit ein Kreis. Der Rückbau des alten Bauwerks stand für das Ende eines vertrauten Kapitels, der Neubau für die Fortsetzung einer Geschichte unter veränderten Vorzeichen. Dass ein Werbeturm zu einem identitätsstiftenden Bestandteil einer Stadt werden kann, ist keineswegs selbstverständlich. In Fulda jedoch scheint genau dies gelungen zu sein. Der neue JUMO-Turm knüpft an diese Tradition an – und macht zugleich sichtbar, wie eng Erinnerung und Zukunft manchmal miteinander verbunden sind. +++













