Ältester katholischer Priester der Welt mit 110 Jahren gestorben

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Pfarrer i. R. Bruno Kant bei seinem 110. Geburtstag am 26. Februar 2026 in Eichenzell-Löschenrod. Der Geistliche Rat ist am Freitagabend, 29. Mai 2026, im Alter von 110 Jahren gestorben. Nach Angaben aus dem Vatikan war er der älteste katholische Priester weltweit. Foto: Burkhard Beintken

Mit dem Tod von Bruno Kant endet ein außergewöhnliches Priesterleben, das sich über mehr als ein Jahrhundert deutscher und kirchlicher Geschichte erstreckte. Der Geistliche Rat und Pfarrer im Ruhestand starb am Freitagabend, 29. Mai 2026, im Alter von 110 Jahren in Eichenzell-Löschenrod. Erst Ende Februar hatte er seinen 110. Geburtstag gefeiert. Nach Angaben des Vatikans galt Kant als ältester katholischer Priester weltweit und zählte zugleich zu den ältesten lebenden Deutschen.

Die Nachricht von seinem Tod hat im Bistum Fulda große Betroffenheit ausgelöst. Bischof Michael Gerber erinnerte an die persönliche Begegnung mit dem Jubilar vor wenigen Monaten, als er ihm die Glück- und Segenswünsche von Papst Leo XIV. überbrachte. Die Begegnung habe ihn tief beeindruckt, erklärte der Bischof. Bis ins hohe Alter habe Bruno Kant jene Bescheidenheit, Menschenfreundlichkeit und geistliche Tiefe ausgestrahlt, die sein gesamtes priesterliches Wirken geprägt hätten. Das Bistum blicke mit großer Dankbarkeit auf seinen Dienst zurück.

Zu seinem 110. Geburtstag am 26. Februar hatte Kant ein persönliches Gratulationsschreiben von Papst Leo XIV. erhalten. Darin dankte ihm das Kirchenoberhaupt für seinen langjährigen und treuen priesterlichen Dienst und spendete ihm sowie den Menschen in seinem Umfeld den Apostolischen Segen. Bischof Gerber war an diesem Tag gemeinsam mit Weihbischof Karlheinz Diez und dem Personalreferenten des Bistums Fulda, Cornelius Roth, nach Eichenzell-Löschenrod gekommen. Zahlreiche Gläubige, Kommunionkinder, Messdienerinnen und Messdiener sowie weitere Gratulanten hatten sich versammelt, um dem außergewöhnlichen Jubilar ihre Verbundenheit zu zeigen.

Auch in seiner Heimatgemeinde hinterlässt Bruno Kant eine spürbare Lücke. Der Eichenzeller Ortspfarrer Guido Pasenow würdigte ihn als einen Menschen, der über viele Jahre hinweg das Herz der Pfarrgemeinde gewesen sei. Selbst nach seinem Rückzug aus dem aktiven Dienst habe er für viele Gläubige als Gesprächspartner, Seelsorger und geistlicher Begleiter eine wichtige Rolle gespielt.

Bruno Kant wurde am 26. Februar 1916 in Werblin in Westpreußen geboren. Nach dem Abitur am Städtischen Gymnasium in Danzig begann er seine philosophisch-theologischen Studien an der Staatlichen Akademie Braunsberg sowie an der Universität Freiburg im Breisgau. Sein Lebensweg wurde wie der vieler Angehöriger seiner Generation durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen. 1943 wurde er zum Militärdienst eingezogen. Erst nach seiner Rückkehr aus russischer Kriegsgefangenschaft im Jahr 1948 konnte er sein Studium in Fulda fortsetzen.

Am 19. März 1950 empfing er im Fuldaer Dom durch Bischof Johannes Baptist Dietz die Priesterweihe. Nach ersten Jahren als Kaplan in Blankenau und Schwarzbach sowie ab 1955 in der Kasseler Pfarrei St. Joseph übernahm er am 20. Juni 1960 die Pfarrei St. Ägidius in Petersberg-Marbach. Dort wirkte er mehr als drei Jahrzehnte lang als Pfarrer und prägte zugleich die Filialgemeinden Bernhards, Dammersbach und Rückers.

Seine Amtszeit war von zahlreichen Bau- und Renovierungsprojekten geprägt. Dabei galt Kant als Seelsorger, der Menschen zusammenführen und für gemeinsame Aufgaben gewinnen konnte. Sein Engagement beschränkte sich nicht auf das kirchliche Leben. Auch für die Anliegen der politischen Gemeinden blieb er ein geschätzter Ansprechpartner.

Über die Pfarrgemeinde hinaus übernahm er Verantwortung im damaligen Dekanat Hünfeld. Von 1971 an war er zehn Jahre lang stellvertretender Dechant. Im Dezember 1980 wurde er zum Geistlichen Rat ernannt. Ende 1981 übernahm er das Amt des Dechanten, das er bis 1986 ausübte. Darüber hinaus engagierte er sich ab 1974 über viele Jahre als Dekanatspräses des Cäcilienverbandes.

Mit seinem Eintritt in den Ruhestand im Jahr 1991 zog Bruno Kant nach Eichenzell-Löschenrod. Dort wohnte er direkt neben der Kirche und blieb eng mit dem Gemeindeleben verbunden. Auch als Ruhestandspriester setzte er seine seelsorgliche Arbeit fort. Noch bis zu seinem 102. Lebensjahr übernahm er regelmäßig kirchliche Dienste.

Die Wertschätzung, die ihm entgegengebracht wurde, zeigt sich bis heute an mehreren Orten. In Petersberg-Marbach wurde eine Straße nach ihm benannt. In Eichenzell-Löschenrod trägt der Platz an der Kirche seinen Namen und erinnert dauerhaft an einen Priester, dessen Wirken Generationen von Menschen begleitet hat.

Mit Bruno Kant verliert das Bistum Fulda einen Geistlichen, dessen Lebensweg die Umbrüche des 20. Jahrhunderts ebenso umfasste wie die Entwicklungen der Kirche bis weit ins 21. Jahrhundert hinein. Sein Name bleibt mit vielen Gemeinden verbunden, sein Wirken mit unzähligen Begegnungen. Für viele Menschen endet mit seinem Tod nicht nur ein außergewöhnlich langes Leben, sondern auch ein Stück gelebter Kirchengeschichte. +++ red.

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