Aaron Frey: Stets bei sich - auch und vor allem, wenn er jetzt in seine Rolle als Kapitän schlüpft

Aaron Frey. Bild: Tomafocus

Angenommen, Sie bekommen ein Paket. Nichts steht darauf, nur der Name Aaron Frey. Sie öffnen es - und erhalten das, was da steht: Aaron Frey. Stets ist der 28-jährige Innenverteidiger der SG Barockstadt Fulda-Lehnerz bei sich. Stets liefert er Zuverlässiges. Stets macht er seine Arbeit. Seinen Job. Nicht umsonst schlüpft er fortan in die Rolle des Kapitäns des Fußball-Regionalligisten. Lesen Sie die spannende Geschichte des 28-Jährigen, der einst vier Jahre in den USA spielte und den Bachelor als „Business Administrator“ machte. Die Stationen der Reise führen über Hanau-Rodenbach, Bruchköbel, Eintracht Frankfurt, Rosenhöhe Offenbach, Bayern Alzenau und noch einmal „die Eintracht“ - bis hin zu San Diego, den 1. FC Erlensee und schließlich zur SG Barockstadt, bei der er in seine fünfte Saison geht.

In Hanau wurde Aaron Frey einst geboren, im nahen Rodenbach wuchs er auf. Alleine die Schritte seiner fußballerischen Entwicklung im Schüler- und Jugendbereich ist interessant. In Rodenbach fing er an zu kicken, recht schnell zog es ihn aber nach Bruchköbel, der stärksten Mannschaft im Kreis Hanau. Genauer gesagt, schon ab der E-Jugend ging er dorthin. Vier Jahre kickte er dort - und sammelte bereits in diesem zarten Alter Erfahrungswerte gegen die „Teams großen Namens“ wie die SGE, die Kickers aus Offenbach, den FSV Frankfurt oder Wehen Wiesbaden. Eintracht Frankfurt wurde schnell auf ihn aufmerksam, Trainer damals: Karl Rotter. Frey wechselte und spielte zwei Jahre für die „Adlerträger“, in der U13 und U14.

Komischerweise - denkt man an Freys aktuelle Körpergröße von 1,93 Metern -, begegnete man ihm in der U15 mit den Worten, er sei zu klein und würde in zukünftigen Planungen keine Rolle spielen. Die Konsequenz: Aaron schloss sich Rosenhöhe Offenbach an. Drei Jahre dauerte seine Reise. Mit Beginn der U19 wechselte er für ein Jahr zu Bayern Alzenau in die Hessenliga. Bis Eintracht Frankfurt ihn doch wieder ansprach. „Ich durfte einmal bei den Profis mittrainieren“, erinnert sich Frey. Wie man zwischen den Zeilen lesen kann, machte ihn das aber nicht eben glücklich. Er ging er zu Kickers Offenbach. „Dort habe ich als 18-Jähriger meinen ersten Profivertrag unterschrieben“, blickt er mit Stolz zurück. Sieben Einsätze im ersten Jahr blieben zurück; „ich wollte natürlich mehr Spiele“.

Da kam Aaron Frey ein Angebot gerade recht. Eine Agentur hatte sich gegründet, die jungen Spielern eine Chance geben wollte - auch im Ausland. „Die habe ich ergriffen“, klingt Freys Stimme vollumfänglich so, als habe er die „absolut richtige“ Entscheidung getroffen. Es zog ihn in die USA. Vier Jahre San Diego. Frey spielte College-Fußball und absolvierte ein Studium in „Business Administration“ - dies kommt BWL nahe. „Das war schon sehr toll dort“, sagte er leise, aber bestimmt. So, wie man ihn kennt. Ein Lachen umspült seine Lippen. „Jeden Tag die Sonne genießen. Das Meer ist um die Ecke. Da, wo andere Urlaub machen.“ Art und Umgebung inspirierten ihn offensichtlich so, dass er den Bachelor machte.

Bis wieder Deutschland in seinem Herzen anklopfte. Aaron Frey schloss sich dem seinerzeit sehr spielstarken 1. FC Erlensee in der Hessenliga an - just in dem Jahr, als die SG Barockstadt Meister der Hessenliga wurde und in die Regionalliga aufstieg. 2022 also. Frey wechselte in der folgenden Saison ins höherklassige Team nach Fulda. Längst ist er aus der Mannschaft der SGB nicht mehr wegzudenken. Und eine feste Größe. Und dass er bereits vier Jahre in der Barockstadt hinter sich hat, das zeigt, dass die SGB zumindest fußballerisch eine, wenn nicht die, entscheidende Etappe seines Lebens geworden ist.

Einige Mitspieler hatte Frey, der im Oktober 29 Jahre jung wird, an seiner Seite in der Innenverteidigung, seitdem er zur SGB kam. Marius Grösch im ersten Jahr, kurz auch Robin Fabinski, länger dann Eric Ganime, auch den mittlerweile gewechselten Pietro Besso - bis hin zum aktuellen „Wegbegleiter“ Milian Habermehl. Frey spart, wenn die Rede auf seinen Part in der Innenverteidigung kommt, nicht mit Lob. „Milian hat sich extrem gut entwickelt. Keiner hatte ihm das so recht zugetraut.“ Milian habe sich sehr gut eingefügt und sei selbstbewusster geworden.

Endlich, so möchte man meinen, kommen wir auf Aaron Freys neue Rolle zu sprechen. Vor ein paar Wochen bestimmte ihn Trainer Daniyel Cimen zum Kapitän. Dass jemand die Binde am Arm trägt, wird gerade in Deutschlands öffentlicher Wahrnehmung überbewertet. Wichtig für das Team ist diese Rolle. Wichtig intern. „Kapitän sollte jemand sein“, ordnet Frey richtig ein, „der Verantwortung übernimmt. Auch sportlich“. Einer, „der auch Leistung bringt. Einer, auf den sich die Mannschaft verlassen kann. Ich versuche, beides zu geben.“ Aaron Frey ist kein Lautsprecher. „Jetzt kommt das Ganze neben dem Platz dazu. Das ist okay.“ Eine Rolle, an die, deren Abläufe und Prozesse, man sich gewöhne. „Für mich ist es der richtige Schritt.“ Wieder spricht er leise. Aber voller Tatendrang. Und bestimmt.

Die persönliche Entwicklung? Auch die muss an dieser Stelle eine Rolle spielen. „Ich denke schon, dass ich mich weiterentwickelt habe“, bekennt Aaron Frey selbstbewusst. „Ich hab‘ im ersten Jahr eine richtig starke Saison gespielt. Wie das so ist im Fußball, wurde dann viel von mir erwartet. Nach der zweiten Saison hieß es dann für ihn: Bleibe ich? Sein Vertag lief aus. Und der heute 28-Jährige entschied sich dafür, Mannschaft und Barockstadt erhalten zu bleiben und die Treue zu halten. „Ich fühle mich sehr wohl in Fulda.“ Frey verlängerte für drei Jahre. Er bekennt auch, dass er in der vergangenen Saison „zunächst einen richtigen Hänger“ gehabt habe, daraus aber die richtigen Schlüsse gezogen habe - und in der Rückserie wieder bedeutend stärker geworden sei. Recht hat er mit seiner Einschätzung. Das spricht für Selbsterkenntnis und Selbstkritik. Das können nicht Viele im heutigen Fußball.

Ein Ausblick auf die bevorstehende Saison, die am Samstag mit der Aufgabe bei Eintracht Trier beginnt, darf in dieser Betrachtung nicht fehlen. Er denke schon, „dass wir einen guten Kader haben. Im Endeffekt haben wir niemand von den Leistungsträgern verloren. Wir können schon ganz gut mithalten, wenn jeder seine Leistung bringt.“ Gut, eine erste Einschätzung. „Wir haben uns punktuell verstärkt. Ich blicke dem Ganzen positiv entgegen.“ Aaron Frey wäre nicht er selbst, wenn er nicht noch eine Schippe drauflegen könnte. „Wir sind ein Team, das im Kern sehr gut funktioniert. Wir wissen aber auch, dass die Liga stärker geworden ist. Es wird keine einfache Saison. Wir haben aber das Potenzial, um auch in der neuen Saison bestehen zu können.“

Apropos stärker geworden. Mit der Anfangsaufgabe in Trier, der Heimspiel-Premiere gegen den von vielen als so etwas wie der „Top-Favorit“ angesehen SV Sandhausen, der Prüfung beim Absteiger aus der Dritten Liga, dem SSV Ulm, und dem zweiten Heimspiel gegen den FSV Frankfurt hat die SG Barockstadt ein Startprogramm voller Herausforderungen erwischt. Die Fußballfans in Osthessen, die es mit der SG Barockstadt halten, dürfen sich auf einen Kessel spannender Vergleiche freuen.

Bleiben Attribute, die an einen Innenverteidiger gestellt werden und die er mit sich trägt. Aaron Frey soll kurz und schlagfertig antworten - und er tut dies. Beidfüßigkeit? „Der Linke ist auf jeden Fall der Starke. Den rechten hab‘ ich auch, aber er funktioniert nicht so.“ Antizipation: gut. Zweikampf: gut. Spiel-Eröffnung: „Ja, auch gut. Das wird jetzt immer etwas mehr. Patrick Schaaf hat, als er noch spielte, immer viel abgeholt.“ Etwas überraschend fällt die Antwort beim Thema „Kopfball“ aus. „Ja, das ist ein Thema. Es müsste bei meiner Körpergröße besser sein. Im offensiven Kopfball muss ich mich verbessern. Der defensive Kopfball ist in Ordnung.“ Eines vergisst er nicht. „Auch das Andribbeln ist ja auch Teil des Spielaufbaus.“ Auch damit liegt er richtig. Aaron Frey ist halt bei sich. Viel spricht dafür, dass er es auch bleibt. +++ rl

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