Bei den Selbständigen und Kleinstunternehmen in Deutschland zeichnet sich eine vorsichtige Stimmungswende ab. Das Geschäftsklima hat sich im August bereits zum vierten Mal in Folge verbessert. Der „Jimdo-Ifo-Geschäftsklimaindex“ stieg von -22,6 Punkten im Juli auf -19,7 Punkte. Das ist noch kein Wert, der Anlass für wirtschaftliche Entwarnung gäbe. Aber er zeigt, dass sich die Stimmung in einem Teil der Wirtschaft allmählich aus ihrer besonders pessimistischen Lage herausarbeitet.
Bemerkenswert ist dabei, dass sich die Verbesserung nicht mehr allein auf einen etwas weniger düsteren Blick in die Zukunft stützt. Nach Angaben des Ifo-Instituts bewerteten die Selbständigen im August auch ihre laufenden Geschäfte seltener negativ. „Gestützt wurde der Indikator zuletzt vor allem durch die weniger pessimistischen Erwartungen. Diesmal bewerteten die Selbständigen jedoch auch ihre laufenden Geschäfte seltener negativ“, sagte Ifo-Expertin Katrin Demmelhuber. Zugleich warnt sie vor vorschnellem Optimismus: „Trotz der positiven Signale bleibt die Situation herausfordernd.“
Gerade für Selbständige ist dieser Vorbehalt entscheidend. Sie verfügen häufig über weniger finanzielle Puffer als größere Unternehmen und reagieren deshalb besonders empfindlich auf Unsicherheit. Ein Auftrag, der ausbleibt, steigende Kosten oder eine unklare wirtschaftliche Perspektive können unmittelbar auf die eigene Existenz durchschlagen. Anders als in großen Unternehmen lassen sich Schwankungen dort nicht ohne weiteres durch andere Geschäftsbereiche, umfangreiche Rücklagen oder eine größere Personaldecke auffangen.
Dass die Verunsicherung dennoch zurückgeht, lässt sich an den Erwartungen der Befragten ablesen. Im August gaben 32,2 Prozent der Selbständigen an, Schwierigkeiten damit zu haben, ihre künftige Geschäftsentwicklung einzuschätzen. Während der Verschärfung der Krise im Nahen Osten im April hatte dieser Anteil noch bei 38,8 Prozent gelegen. Die Entwicklung deutet darauf hin, dass sich die unmittelbare Krisenunsicherheit zumindest teilweise abgeschwächt hat.
Für Demmelhuber ist das kein Zufall. „Wenn sich Krisen zuspitzen, wächst bei Selbständigen die Verunsicherung über die eigene Zukunft“, sagte sie. Gerade deshalb seien „stabile Rahmenbedingungen und Planungssicherheit“ notwendig. Das ist mehr als eine konjunkturelle Randbemerkung. Für einen erheblichen Teil der kleinsten Unternehmen entscheidet nicht allein die Höhe der Nachfrage darüber, ob Investitionen getätigt, Mitarbeiter beschäftigt oder neue Geschäftsmodelle entwickelt werden. Entscheidend ist auch die Frage, ob die wirtschaftlichen Bedingungen verlässlich genug erscheinen, um Risiken einzugehen.
Besonders deutlich wird die leichte Erholung bei den Dienstleistern. Dort hat sich die Stimmung verbessert, weil Selbständige und Kleinstunternehmen ihre aktuelle Lage deutlich seltener als unbefriedigend bewerteten. Gleichzeitig korrigierten sie sowohl ihre Geschäfts- als auch ihre Umsatzerwartungen nach oben. Das spricht dafür, dass die bessere Stimmung nicht ausschließlich auf eine abstrakte Hoffnung auf bessere Zeiten zurückzuführen ist, sondern auch mit einer etwas positiveren Einschätzung des laufenden Geschäfts zusammenhängt.
Allerdings verläuft diese Entwicklung nicht über alle Branchen hinweg gleich. IT-Dienstleister und Unternehmensberatungen blicken im Vergleich zu den vergangenen Monaten zuversichtlicher auf ihre wirtschaftliche Entwicklung. In diesen Bereichen scheint sich die Stimmung damit stärker aufzuhellen. Im Gastgewerbe und bei den Kreativen dagegen bleibt die Lage schwierig. Die Erholung der Gesamtstimmung darf deshalb nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich hinter dem Index sehr unterschiedliche wirtschaftliche Realitäten verbergen.
Auch im Einzelhandel hat der Geschäftsklimaindex zugelegt. Doch auch dort ist die Erholung mit Vorsicht zu betrachten. Der Anstieg ist auf besser laufende Geschäfte zurückzuführen, während die Skepsis gegenüber der weiteren Entwicklung anhält. Die Gegenwart wird also etwas weniger negativ bewertet, die Zukunft bleibt unsicher.
Genau darin liegt die eigentliche Aussage der August-Zahlen. Die Selbständigen sind noch längst nicht wieder optimistisch. Aber sie sind weniger pessimistisch als noch vor einigen Monaten. Das ist ein Unterschied, der in einer wirtschaftlich angespannten Lage nicht unterschätzt werden sollte. Konjunkturelle Erholung beginnt schließlich nicht zwangsläufig mit Euphorie. Sie kann auch damit anfangen, dass Unternehmen aufhören, mit dem Schlimmsten zu rechnen.
Für die Wirtschaftspolitik ergibt sich daraus ein klarer Auftrag. Wer Selbständige und Kleinstunternehmen stärken will, muss nicht nur auf Förderprogramme oder kurzfristige Entlastungen setzen. Entscheidend ist ein Umfeld, in dem unternehmerische Entscheidungen wieder kalkulierbarer werden. Planungssicherheit ist für einen kleinen Betrieb kein abstrakter politischer Begriff, sondern eine Voraussetzung dafür, dass investiert, eingestellt und expandiert werden kann.
Die August-Zahlen liefern dafür ein vorsichtig positives Signal. Der vierte Anstieg des Geschäftsklimas in Folge zeigt, dass sich die Stimmung Schritt für Schritt stabilisiert. Ob daraus eine nachhaltige Trendwende wird, hängt allerdings davon ab, ob sich die verbesserten Erwartungen auch im tatsächlichen Geschäft niederschlagen. Noch ist der Weg dorthin nicht zurückgelegt. Aber zumindest scheint sich bei den Selbständigen der Blick wieder etwas stärker nach vorn zu richten. +++













