In der Gemeinde Großenlüder steht am 15. November 2026 die Wahl der Bürgermeisterin oder des Bürgermeisters an. Die Bürgerinnen und Bürger haben dabei die Wahl zwischen zwei Personen: Amtsinhaber Florian Fritzsch, der sich um eine zweite Amtszeit bewirbt, und Viktoria Bullegato, die von der Ortsvereinigung Freie Wähler Großenlüder nominiert worden ist. Beide Wahlvorschläge wurden durch die amtliche Bekanntmachung zugelassen. Sollte im ersten Wahlgang keine absolute Mehrheit erreicht werden, ist eine Stichwahl für den 29. November 2026 terminiert. Die Vorstellungen beider Bewerber richten sich auf die künftige Ausrichtung der sieben Ortsteile, setzen bei Themen wie Wirtschaft, Finanzen, Mobilität und medizinischer Versorgung jedoch unterschiedliche Schwerpunkte, heißt es auf fuldainfo.de.
Viktoria Bullegato hat ihren Wohnsitz nach eigenen Angaben seit dem Jahr 2013 im Ortsteil Müs. Die Unternehmerin verfügt über 22 Jahre Management- und Leitungserfahrung, ein in den USA abgeschlossenes Studium der Finanzwirtschaft und leitet seit 2015 ein eigenes Unternehmen. Ihr Ziel beschreibt sie darin, Verantwortung zu übernehmen und praktische Lösungsansätze umzusetzen. Auf ihrer Internetseite benennt sie drei zentrale Anfangsvorhaben: eine Verbesserung der Mobilität, die Entwicklung des Bahnhofs sowie sichere Wege für Kinder.
Im Bereich des Verkehrs zielt Bullegato auf eine verbesserte Anbindung nach Fulda sowie zwischen den sieben Ortsteilen ab. In einem ersten Schritt plant sie, bestehende Buslinien, Fahrplantaktungen und den konkreten Bedarf vor Ort zu erfassen, um anschließend Gespräche mit dem Landkreis, dem regionalen Verkehrsverbund und den zuständigen Trägern zu führen. Wo der reguläre Linienverkehr nicht ausreicht, sollen alternative und ergänzende Modelle geprüft werden. Beim Bahnhof Großenlüder setzt sie auf Transparenz hinsichtlich Eigentumsverhältnissen, Zuständigkeiten und bestehender Pläne, um die Deutsche Bahn, Investoren, Fördergeber, die Kommune und Bürger an einen Tisch zu bringen. Angestrebt werden ein sauberer und sicherer Bahnhofsvorplatz sowie die Prüfung einer Wiederöffnung der Bahnhofshalle beziehungsweise eines dauerhaft zugänglichen, wettergeschützten Wartebereichs. Zur Erhöhung der Sicherheit von Kindergarten- und Schulwegen will sie Gefahrenstellen gemeinsam mit Eltern und Behörden ermitteln und Maßnahmen wie Verkehrsberuhigungen, abgesicherte Überquerungen und den Einsatz von Schullotsen vorantreiben.
Im Gesundheitssektor definiert Bullegato die Gründung eines Medizinischen Versorgungszentrums in Großenlüder als erklärtes Ziel. Neben hausärztlicher Betreuung soll nach Bedarf auch eine fachärztliche Versorgung in Bereichen wie Kinder- und Frauenheilkunde ermöglicht werden. Dafür sollen frühzeitig Gespräche mit Ärzten, Trägerorganisationen und der Kassenärztlichen Vereinigung geführt sowie Fördergelder und Standortfragen geprüft werden. Eine feste Haltung vertritt sie in der Energiepolitik, in der sie sich explizit gegen die Nutzung von Windkraft im Gemeindegebiet ausspricht und dies mit dem Schutz von Natur, Wäldern und Lebensqualität begründet. Das Vorhaben einer Stromtrasse möchte sie im Hinblick auf Verlauf, Technologie und Belastungen für Landwirtschaft, Anwohner und Umwelt intensiv begleiten.
Zu ihren wirtschaftspolitischen Plänen zählen die Erschließung neuer Gewerbeflächen, die Weiterführung bestehender Entwicklungsplanungen sowie die Stärkung von Handwerk, Mittelstand und Landwirtschaft. Ebenso führt sie den Ausbau von Radwegen, Pflanzungen für Schatten und Stadtgrün, den Einsatz einer Gemeindeschwester sowie regelmäßige Bürgersprechstunden in allen Ortsteilen an. Für die Anfangsphase kündigt Bullegato einen 100-Tage-Plan an, der eine Bestandsaufnahme von Finanzen, Verträgen, Fördermitteln, offenen Verfahren und laufenden Projekten vorsieht, bevor Prioritäten und Zeitpläne festgelegt werden. Zudem geht sie auf ihrer Webseite offen auf eine Unternehmensinsolvenz aus dem Jahr 2024 ein, deren Betrieb nach einer Übernahme weitergeführt worden sei. Für den Fall ihres Wahlsiegs kündigt sie an, sich bis zum Beginn der Amtszeit im April 2027 vollständig aus der operativen Geschäftsführung zurückzuziehen.
Amtsinhaber Florian Fritzsch stellt sich für eine zweite Periode von 2027 bis 2033 zur Wahl. Der parteilose Diplom-Verwaltungswirt leitet die Gemeindeverwaltung seit dem 5. April 2021. Vor seinem Amtsantritt war er unter anderem bei der Stadtverwaltung Frankfurt tätig, saß in der Gemeindevertretung sowie im Ortsbeirat von Großenlüder und führte zeitweise den Vorsitz der SPD-Fraktion, ehe er aus der Partei austrat. Sein Wahlprogramm umfasst die Themenfelder Gemeinschaft, Ehrenamt, Bürgerbeteiligung, Finanzen, Wirtschaft, Familien, Mobilität, Digitalisierung, Umwelt und Kultur.
Ein tragendes Element in Fritzschs Vorhaben ist die Unterstützung des Ehrenamts. Neben finanzieller Förderung will er Vereinen mit festen Ansprechpartnern, Weiterbildungsangeboten und enger Vernetzung zur Seite stehen. Eine Ehrenamtsbörse soll Engagierte und Hilfe Suchende zusammenbringen. Zudem beabsichtigt er zu prüfen, ob Ortsbeiräte eigene Verfügungsbudgets für eigenständig umsetzbare Projekte erhalten können. Beteiligungsformate für Bürger sollen ausgebaut werden, darunter dauerhafte Angebote für Jugendliche, ein digitaler Meinungsmonitor, das Zukunftsprojekt „Großenlüder 2030+“ sowie die Stärkung des Seniorenbeirats.
Finanzpolitisch betont Fritzsch die Notwendigkeit einer dauerhaften Haushaltskonsolidierung und gezielten Ausgabenpriorisierung. Kommunale Beiträge und Gebühren, beispielsweise für Bürgerhäuser und Betreuungseinrichtungen, sollen auf den Prüfstand gestellt werden. Anpassungen bei den Hebesätzen der Grund- und Gewerbesteuer schließt er im Bedarfsfall nicht kategorisch aus, knüpft diese jedoch an zwingende Erfordernisse. Auf wirtschaftlicher Ebene strebt er neue Gewerbeflächen für einen zukunftsfähigen Standort an, der Produktion, Forschung und Nachhaltigkeit vereint, sowie einen institutionalisierten Dialog über ein jährliches Unternehmerforum. Für den Ortsteil Bimbach formuliert er ausdrücklich die Neuansiedlung eines Discounters zur Nahversorgung. Im Bereich Wohnen setzt er auf Innenentwicklung, Leerstandsaktivierung, die Ausweisung behutsam gewählter Bauflächen sowie ein inklusives Wohnprojekt in Kooperation mit einem örtlichen Verein.
In der Klima- und Umweltpolitik setzt Fritzsch auf die Fortführung des kommunalen Klimaschutzkonzepts, erneuerbare Energien, Entsiegelungen, Grünflächenpflege und die Einrichtung einer Klimaschutzstelle, gegebenenfalls im interkommunalen Verbund. Eine ausdrückliche Festlegung zur Windkraft ist in seinen Zielen nicht enthalten. Für die Verwaltung kündigt er den Ausbau digitaler Dienstleistungen, interne Prozessoptimierungen und eine erweiterte Notfallvorsorge an, zu der Katastrophenschutz-Leuchttürme in allen Ortsteilen und eine intensivierte Zusammenarbeit mit Feuerwehr und Hilfsorganisationen gehören. Im Verkehrsnetz stehen der Ausbau des Bus- und Bahnangebots, Mobilitätsstationen mit Leihsystemen, die Aufwertung des Bahnhofsumfelds sowie die Neuplanung der Landstraßen im Kernort Richtung Eichenau und durch Kleinlüder gemeinsam mit dem Land Hessen auf dem Plan. Das Kulturleben soll unter anderem durch das Sodegarten-Open-Air und den Lüdertalmarkt gestärkt werden, verbunden mit einem klaren Bekenntnis zu Toleranz, Offenheit und dem Einsatz gegen Ausgrenzung und Rassismus.
Als amtierender Bürgermeister bilanziert Fritzsch auf seiner Internetseite zudem die Ergebnisse seiner bisherigen Amtszeit. Dazu zählt er die Eröffnung einer MVZ-Zweigstelle inklusive psychotherapeutischem Angebot, geförderte Radwegebauprojekte, die abgeschlossene LED-Umstellung der Straßenbeleuchtung sowie ein Straßensanierungsprogramm. Weiterhin führt er die Sanierung von Schänke und Toilettenanlagen im Bürgerhaus Müs, eine Einkaufsgelegenheit in Kleinlüder, die energetische Sanierung des dortigen Bürgerhauses, die Einführung digitaler Wasserzähler mit akustischer Leckageortung, Fortschritte in der Jugendbeteiligung, den SILEK-Prozess und die Moderation eines Runden Tisches zum Kalksteinabbau als eigene Erfolge auf.
Im direkten Vergleich zeigen sich in vielen Aufgabenbereichen unterschiedliche Wege. Während Bullegato im Verkehrsbereich eine direkte Anpassung von Busverbindungen und Taktungen in den Ortsteilen forciert, setzt Fritzsch auf ein Zusammenspiel aus ÖPNV, Mobilitätsstationen und Landstraßenkonzepten. Am Bahnhof richtet Bullegato das Augenmerk primär auf die Belebung und den Schutz von Halle und Vorplatz, während Fritzsch das Umfeld als übergeordnete Mobilitätsdrehscheibe begreift. In der Medizin favorisiert Bullegato die Neugründung eines MVZ, Fritzsch dagegen den Ausbau der bestehenden Zweigstelle. Wirtschaftlich betont Bullegato Mittelstand, Handwerk und Flächenerschließung, Fritzsch verknüpft Gewerbegebiete mit Forschung und schließt Steuerkorrekturen nicht aus. In den Finanzen stellt Bullegato eine 100-Tage-Bestandsaufnahme an den Anfang, während Fritzsch die fortlaufende Haushaltskonsolidierung herausstellt. Deutlich unterscheiden sich die Positionen bei der Windkraft durch Bullegatos klare Ablehnung gegenüber Fritzschs Nachhaltigkeitskonzept ohne Festlegung. Beim bürgerschaftlichen Engagement stehen sich Bullegatos Fokus auf Bürgersprechstunden vor Ort und Fritzschs Ehrenamtsbörse mit Ortsbeiratsbudgets gegenüber. Ähnlich gelagert sind die Akzente in der Verwaltung mit Bullegatos offenen Bürgerkontakten und Fritzschs Digitalisierungsvorhaben sowie im Umweltbereich zwischen Bullegatos Schutz von Bäumen und Wäldern und Fritzschs umfassenderem Klimaschutzansatz.
Gemeinsam ist beiden Kandidaturen das Ziel, Großenlüder und die sieben Ortsteile zukunftsfähig aufzustellen und die handlungsleitenden Fragen der Daseinsvorsorge anzugehen. Für die Wählerschaft wird neben den programmatischen Inhalten maßgeblich sein, welche Vorhaben im Rahmen der gesetzlichen Zuständigkeiten, Genehmigungsprozesse und der finanziellen Leistungsfähigkeit der Kommune in den kommenden Jahren umsetzbar sind. Die Wahlberechtigten entscheiden am 15. November 2026, eine eventuelle Stichwahl folgt am 29. November. Ausführliche Informationen bieten die Internetseiten der beiden Kandidierenden sowie das Informationsportal der Gemeinde Großenlüder. Grundlage dieser Darstellung sind die jeweiligen Programme und Selbstdarstellungen der Bewerber sowie amtliche Mitteilungen; eine unabhängige Prüfung auf Vollständigkeit und Machbarkeit erfolgte im Rahmen dieser Zusammenstellung nicht. +++


