Stadt und Hochschule Fulda starten große Studie zur Facharztversorgung

Obwohl die offizielle Bedarfsplanung der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen für die Region Fulda rechnerisch eine Überversorgung im Bereich der Fachärzte ausweist, entspricht dies nicht immer der gelebten Realität. Viele Bürgerinnen und Bürger berichten von Schwierigkeiten bei der Terminfindung, und zunehmend Praxen müssen die Aufnahme neuer Patienten stoppen. Um diese Lücke zwischen statistischen Daten und der tatsächlichen Versorgungslage zu schließen, hat die Stadt Fulda die wissenschaftliche Studie „FAVOR“ in Auftrag gegeben, die vom Fachbereich Gesundheitswissenschaften der Hochschule Fulda durchgeführt wird. Ziel ist es, durch die Erfassung konkreter Erfahrungen von Ärzten und Patienten mögliche Engpässe frühzeitig zu identifizieren und die medizinische Versorgung in der Region aktiv weiterzuentwickeln.

Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld betont, dass sich die Stadt trotz der formalen Zuständigkeit der Kassenärztlichen Vereinigung nicht zurücklehnen werde. Entscheidend sei nicht allein die rechnerische Versorgungsdichte, sondern der tatsächliche Zugang der Menschen zu fachärztlicher Behandlung. Bürgermeister Dag Wehner ergänzt, dass insbesondere die Rückmeldungen der niedergelassenen Ärzte wertvoll seien, da sie die Herausforderungen des Praxisalltags aus erster Hand kennen. Unter der Leitung von Prof. Dr. Stefan Greß befragen Studierende der Hochschule Fulda noch bis zum 30. November 2026 Fachärzte in Stadt und Landkreis. Im Fokus stehen Disziplinen wie Augenheilkunde, Chirurgie, Orthopädie, Dermatologie, Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie, Gynäkologie, Urologie sowie Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Erfasst werden dabei neben der aktuellen Versorgungssituation und der Terminvergabe auch Themen wie Personalengpässe, bürokratische Hürden und potenzielle Lösungsansätze.

Neben der breiten Online-Befragung führt das Projektteam vertiefende Interviews mit ausgewählten Fachärzten durch, die etwa 45 bis 60 Minuten dauern und persönlich oder per Videokonferenz stattfinden können. Für diese freiwillige Teilnahme wird eine kleine Aufwandsentschädigung gezahlt, wobei alle Daten streng pseudonymisiert ausgewertet werden, um Rückschlüsse auf einzelne Personen auszuschließen. Parallel dazu fließen auch die Erfahrungen von Patientinnen und Patienten in die Studie ein, die insbesondere über Hürden bei der Terminvereinbarung oder der Praxissuche berichten können. Eine möglichst breite Beteiligung aller Akteure ist laut den Initiatoren essenziell, um aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen und fundierte Handlungsempfehlungen für die Zukunft der Gesundheitsversorgung in Fulda abzuleiten. Interessierte Ärzte können sich bis zum Stichtag direkt bei Prof. Dr. Stefan Greß melden. +++

fuldainfo.de

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