SMA Solar schreibt wieder schwarze Zahlen und hebt Jahresprognose an

Solartechnik

Der Photovoltaik-Spezialist SMA Solar Technology ist nach einem schwierigen Vorjahr im ersten Halbjahr 2026 wieder deutlich in die Gewinnzone zurückgekehrt. Der Konzern aus Nordhessen steigerte sein Ergebnis erheblich und profitierte dabei unter anderem von Kostensenkungen, der Verwertung zuvor wertberichtigter Vorräte sowie Rückerstattungen von US-Zöllen. Gleichzeitig erreichte der Auftragseingang im zweiten Quartal in der Division Large Scale & Project Solutions einen Rekordwert. Der Auftragsbestand des Unternehmens wuchs bis Ende Juni auf 1,754 Milliarden Euro.

Der Umsatz der SMA Solar Technology AG lag im ersten Halbjahr bei 686,6 Millionen Euro und damit nahezu auf dem Niveau des Vorjahres. In den ersten sechs Monaten 2025 hatte SMA 684,9 Millionen Euro umgesetzt. Darin enthalten sind allerdings US-Zollrückerstattungen in Höhe von 22,3 Millionen Euro, die den ausgewiesenen Umsatz reduzieren. Ohne diesen Effekt hätte der Umsatz bei 708,9 Millionen Euro gelegen.

Die Entwicklung verlief in den beiden Geschäftsbereichen unterschiedlich. In der Division Large Scale & Project Solutions sank der Umsatz um 4,7 Prozent auf 542,1 Millionen Euro nach 568,8 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Maßgeblich dafür waren die US-Zollrückerstattungen, die als Umsatzminderung verbucht werden, weil zuvor an Kunden weiterbelastete Zölle erstattet wurden. Für die zweite Jahreshälfte erwartet SMA insbesondere in der Region EMEA eine höhere Projektrealisierung, da die Projektpipeline dort stärker gefüllt ist.

Deutlich dynamischer entwickelte sich dagegen die Division Home & Business Solutions. Dort erhöhte sich der Umsatz um 24,5 Prozent auf 144,5 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2025 waren es 116,1 Millionen Euro gewesen. SMA führt die Entwicklung vor allem auf eine gestiegene Nachfrage zurück.

Auch beim operativen Ergebnis zeigt sich der deutliche Wandel gegenüber dem Vorjahr. Das EBITDA lag zunächst vor der Berücksichtigung bestimmter positiver und negativer Effekte bei 65,9 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2025 hatte SMA an dieser Stelle 50,3 Millionen Euro erreicht. Besonders ins Gewicht fiel die Verwertung zuvor wertberichtigter Vorräte. Daraus ergab sich ein positiver Ergebniseffekt von 22,4 Millionen Euro. SMA hatte ursprünglich erwartet, diese Bestände nicht mehr oder nur schwer verkaufen zu können. Im Rahmen einer gezielten Verkaufsmaßnahme konnten jedoch verschiedene Abnehmer gefunden werden, darunter Käufer auf dem Zweitmarkt.

Weitere 3,1 Millionen Euro wirkten sich aus der Auflösung von Personalrückstellungen im Zusammenhang mit dem Restrukturierungsprogramm positiv auf das Ergebnis aus. In gleicher Höhe belasteten allerdings externe Verkaufsprovisionen, die im Zusammenhang mit der erfolgreichen Verwertung der Bestände anfielen.

Zusätzlich wirkten sich die erfolgswirksamen US-Zollrückerstattungen in Höhe von 18,6 Millionen Euro positiv aus. Unter Einbeziehung dieser Effekte erreichte das EBITDA 88,3 Millionen Euro. Die EBITDA-Marge lag damit bei 12,9 Prozent. Im Vorjahreszeitraum hatte SMA lediglich ein EBITDA von 9,1 Millionen Euro beziehungsweise eine Marge von 1,3 Prozent ausgewiesen.

Noch deutlicher fällt der Unterschied beim Ergebnis vor Zinsen und Ertragsteuern aus. Das EBIT stieg auf 62,4 Millionen Euro, nachdem im ersten Halbjahr 2025 noch ein Verlust von 19 Millionen Euro angefallen war. Die EBIT-Marge verbesserte sich damit von minus 2,8 Prozent auf 9,1 Prozent.

Das Vorjahresergebnis war allerdings von mehreren Sonderfaktoren geprägt. Positiv wirkten sich damals eine Schadensausgleichszahlung in Höhe eines hohen einstelligen Millionenbetrags sowie die Auflösung von Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit der Abwicklung eines O&M-Vertrags in Nordamerika aus. Dem standen erhebliche Belastungen gegenüber. Dazu gehörten Wertminderungen auf Vorräte von 46,8 Millionen Euro, Rückstellungen für Abnahmeverpflichtungen von 3,5 Millionen Euro sowie eine Wertberichtigung auf Forderungen in den USA von 7,5 Millionen Euro, nachdem ein Kunde einen Insolvenzantrag gestellt hatte.

In der Division Large Scale & Project Solutions verringerte sich das EBIT auf 78,3 Millionen Euro nach 113,4 Millionen Euro im Vorjahr. Höhere planmäßige Abschreibungen auf aktivierte Entwicklungsprojekte und gestiegene Aufwendungen für Verschrottungen belasteten das Ergebnis. Gleichzeitig wirkten sich die US-Zollrückerstattungen positiv aus. Die EBIT-Marge lag bei 14,4 Prozent nach 19,9 Prozent im ersten Halbjahr 2025.

Bei Home & Business Solutions fällt die Verbesserung gegenüber dem Vorjahr besonders stark aus. Das EBIT lag bei minus 21,5 Millionen Euro, nachdem im Vorjahreszeitraum noch ein Verlust von 129,2 Millionen Euro angefallen war. Das Vorjahresergebnis war unter anderem durch Wertminderungen auf Vorräte von 45,7 Millionen Euro und Rückstellungen für Abnahmeverpflichtungen von 3,5 Millionen Euro belastet worden.

Operativ, also ohne die beschriebenen Sonder- und Einmaleffekte, verbesserte sich das EBIT der Division Home & Business Solutions dagegen von 22,2 Millionen Euro auf 40 Millionen Euro. Dazu trugen der höhere Umsatz und die Kostensenkungen im Rahmen des Restrukturierungs- und Transformationsprogramms bei.

SMA-Vorstandsvorsitzender Jürgen Reinert sieht das Unternehmen trotz des weiterhin schwierigen Marktumfelds auf einem guten Weg. Der Wettbewerb sei intensiv, zugleich prägten geopolitische Unsicherheiten das Geschäft. SMA habe sich mit einem Umsatz von rund 709 Millionen Euro vor Zollrückerstattungen und einem Auftragsbestand von 1,75 Milliarden Euro in diesem Umfeld gut behauptet. Zugleich verändere der wachsende Anteil erneuerbarer Energien die Anforderungen an die Stromversorgung. Flexibilität und Netzstabilität würden wichtiger, während die Verbindung von Photovoltaik und Batteriespeichern zunehmend zum Standard werde.

Zusätzliche Nachfrage erwartet SMA durch den weltweit steigenden Strombedarf. Rechenzentren und KI-Anwendungen benötigen große Mengen elektrischer Energie und verstärken damit nach Einschätzung des Unternehmens den Bedarf an verlässlicher und nachhaltiger Stromversorgung. Als System- und Lösungsanbieter wolle SMA von dieser Entwicklung profitieren.

Finanzvorstand Kaveh Rouhi verwies zugleich auf die Wirkung der eingeleiteten Kostensenkungen. Einige der zu Jahresbeginn bestehenden wesentlichen Risiken hätten sich im Verlauf des ersten Halbjahres deutlich reduziert. Dazu gehörten insbesondere die frühzeitige Rückerstattung der als rechtswidrig eingestuften IEEPA-Zölle im zweiten Quartal sowie die inzwischen bessere Entwicklung des US-Dollarkurses.

Für die Division Large Scale & Project Solutions erwartet SMA in der zweiten Jahreshälfte eine stärkere operative Entwicklung. Auch bei Home & Business Solutions soll sich das Geschäft verbessern. Hintergrund ist unter anderem der höhere Auftragseingang im zweiten Quartal 2026. Zusätzlich sollen weitere geplante Auflösungen von Wertberichtigungen auf Vorräte infolge gezielter Verkaufsmaßnahmen das Konzernergebnis positiv beeinflussen.

Unter dem Strich erzielte SMA im ersten Halbjahr einen Konzerngewinn von 72,8 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor hatte noch ein Verlust von 42,4 Millionen Euro zu Buche gestanden. Das Ergebnis je Aktie stieg entsprechend von minus 1,22 Euro auf 2,10 Euro.

Auch die Finanzlage hat sich verbessert. Die Net-Working-Capital-Quote lag Ende Juni bei 11,7 Prozent und damit unter dem Wert von 14 Prozent zum Jahresende 2025. Der vom Management angestrebte Korridor liegt zwischen 13 und 16 Prozent. Der Free Cashflow erhöhte sich im ersten Halbjahr auf 71,8 Millionen Euro nach 65,5 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Wesentliche Faktoren waren das verbesserte Konzernergebnis, das unter anderem von den Zollrückerstattungen profitierte, sowie weitere Verbesserungen beim Net Working Capital.

Die Nettoliquidität belief sich zum 30. Juni auf 244,6 Millionen Euro. Ende 2025 waren es noch 176,4 Millionen Euro gewesen. Gleichzeitig erhöhte sich die Eigenkapitalquote von 28 Prozent auf 31,7 Prozent.

Besonders aufmerksam dürfte der Blick der Anleger auf den Auftragsbestand gerichtet sein. Im zweiten Quartal verzeichnete SMA in der Division Large Scale & Project Solutions einen Rekordauftragseingang. Der Auftragsbestand stieg dadurch bis zum 30. Juni auf 1.754,4 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor hatte er bei 1.161,4 Millionen Euro gelegen. Der überwiegende Teil entfällt auf die Division Large Scale & Project Solutions einschließlich der zeitraumbezogenen Umsatzrealisierungen aus Batteriespeicherprojekten der Altenso GmbH. Mit 1.429,4 Millionen Euro entfallen rund drei Viertel des Auftragsbestands auf das Produktgeschäft. Im Vorjahr waren es dort 848,3 Millionen Euro gewesen.

SMA hat unterdessen bereits im Juli die Prognose für das Gesamtjahr 2026 angehoben. Der Vorstand erwartet nun einen Umsatz zwischen 1,625 und 1,725 Milliarden Euro. Im Geschäftsjahr 2025 hatte SMA 1,516 Milliarden Euro umgesetzt. Beim EBITDA wird inzwischen ein Wert zwischen 180 und 230 Millionen Euro erwartet. Im vergangenen Jahr hatte noch ein negatives EBITDA von 65,4 Millionen Euro zu Buche gestanden.

Die angehobene Prognose berücksichtigt nach Angaben des Unternehmens sowohl den Rückgang wesentlicher Risiken als auch die verbesserten Rahmenbedingungen in beiden Divisionen. Gleichzeitig bleibt SMA vorsichtig mit Blick auf die internationalen Rahmenbedingungen. Veränderungen bei Handelsbeschränkungen und geopolitischen Spannungen könnten die Erwartungen erneut beeinflussen. Als mögliche Risiken nennt das Unternehmen insbesondere eine Verschärfung der geopolitischen Lage, etwa durch den Iran-Konflikt, sowie Veränderungen bei Zöllen und Währungseffekten.

Nach einem verlustreichen Vorjahr steht SMA damit wieder deutlich besser da. Der Konzern hat nicht nur die Rückkehr in die Gewinnzone geschafft, sondern verfügt zugleich über einen deutlich höheren Auftragsbestand, eine verbesserte Liquidität und eine angehobene Jahresprognose. Entscheidend wird nun sein, ob sich die operative Verbesserung im zweiten Halbjahr bestätigt und aus dem kräftigen Auftragspolster tatsächlich dauerhaft höhere Umsätze und Ergebnisse entstehen. +++ red.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Banner 1 336 m

Werbung quali2

Ohr5euro