Simson-Erbe kritisiert AfD scharf: „Missbrauch unseres Namens“

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Der Sprecher und Erbe der Unternehmerfamilie Simson, Dennis Baum, geht öffentlich gegen die Nutzung der traditionsreichen Marke Simson durch die AfD vor. Der Nachfahre der einstigen Eigentümer der Simson-Werke wirft der Partei vor, den Familiennamen für politische Zwecke zu instrumentalisieren und sieht darin eine Verfälschung der Geschichte.

„Wir empfinden jede Verbindung mit der AfD als abstoßend und als eine Beleidigung unseres Familiennamens“, sagte Baum im Podcast „Im Osten“ des „Tagesspiegels“. Sein Ziel sei es, dass die AfD sämtliche Plakate, T-Shirts und Werbemittel mit dem Namen Simson vernichten müsse. Nach eigenen Angaben steht er dazu bereits im Austausch mit der Gesa, der Nachfolgeorganisation der Treuhandanstalt, die nach der deutschen Wiedervereinigung die Simson-Werke in Suhl abgewickelt hatte und bis heute die Namensrechte an der Marke hält.

Baum betont, dass sich seine Kritik nicht gegen die Nutzung der Marke Simson oder des Mopeds Schwalbe richtet. Beide seien ein fester Bestandteil der DDR-Geschichte und bis heute Kultobjekte, insbesondere in Ostdeutschland. Problematisch werde es jedoch, wenn die Marke mit einer Politik der Ausgrenzung verknüpft werde. „Das verhöhnt unsere Familiengeschichte“, sagte Baum.

Die Geschichte der Familie Simson ist eng mit der deutschen Vergangenheit verbunden. Das Unternehmen produzierte in Suhl zunächst Waffen und Automobile, bevor die jüdische Unternehmerfamilie während der Zeit des Nationalsozialismus in einem Schauprozess enteignet und aus Deutschland vertrieben wurde. In der DDR entstanden auf dem Werksgelände später die bekannten Simson-Mopeds, darunter die Schwalbe, die bis heute eine große Fangemeinde besitzt. Die AfD greift dieses Symbol zunehmend auf, um eine ostdeutsche Identität zu betonen – eine Entwicklung, der Baum entschieden widerspricht.

Besonders deutlich äußert sich der Simson-Erbe über die Partei und ihren Thüringer Landesvorsitzenden Björn Höcke. Baum bezeichnet die AfD als antisemitisch und wirft Höcke vor, die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus verächtlich zu machen. Zudem kritisiert er die Diskriminierung von Menschen mit Migrationsgeschichte sowie aufgrund ihrer sexuellen Orientierung. Auch Höckes Haltung zu autoritär regierten Staaten bewertet Baum scharf.

Vor diesem Hintergrund will Baum in den kommenden Tagen nach Deutschland reisen. Rund um den AfD-Bundesparteitag in Erfurt möchte er auf einem Demokratiefestival sprechen und anschließend die ehemaligen Produktionsstätten der Simson-Werke in Suhl besuchen. Sein Anliegen sei es, insbesondere junge Menschen über die Geschichte seiner Familie aufzuklären. „Ich möchte, dass Menschen verstehen, was unserer Familie passiert ist, damit wir nicht wieder in eine solche Lage geraten. Der Antisemitismus wächst, die AfD ist gefährlich“, sagte Baum. Die rechtsextreme Agenda und die Rhetorik des Hasses dürften nicht toleriert werden.

Baum blickt auch kritisch auf die Zeit nach der deutschen Wiedervereinigung zurück. Nach seinen Angaben versuchte die Familie nach dem Mauerfall, die Jagd- und Sportwaffenfabrik in Suhl zu übernehmen. Die Treuhand habe dies jedoch abgelehnt und stattdessen einem anderen Bieter den Zuschlag erteilt. Später sei bekannt geworden, dass dieser den vereinbarten Kaufpreis nicht gezahlt habe. Die Fabrik ging schließlich in die Insolvenz und wurde geschlossen.

Jahre später habe Baum ehemalige Vertreter der Treuhand auf diese Entscheidung angesprochen. Diese hätten den enormen Zeitdruck bei der Privatisierung des volkseigenen Vermögens als Grund genannt. Für umfassende Prüfungen habe damals kaum Zeit bestanden. Die Folgen seien bis heute sichtbar: Die ehemaligen Simson-Werke in Suhl stehen leer. Für Baum ist das nicht nur ein Symbol wirtschaftlichen Niedergangs, sondern auch persönlicher Verlust. „Die Werke geben ein trauriges Bild ab“, sagte er. „Ich fühle Trauer für all die Menschen, die ihren Job verloren haben.“ +++ red.

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