Pisa-Ergebnisse auf neuem Tiefstand: Deutschlands Bildungssystem verliert den Anschluss

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Die Leistungen 15-jähriger Schülerinnen und Schüler in Deutschland haben in den drei zentralen Bereichen Naturwissenschaften, Lesen und Mathematik einen historischen Tiefstand erreicht. Das geht aus den Ergebnissen der Pisa-Studie 2025 hervor, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurden. Der Befund ist mehr als eine weitere Momentaufnahme des deutschen Bildungssystems: Deutschland erreicht inzwischen nur noch das Durchschnittsniveau der OECD-Staaten.

Besonders alarmierend ist dabei die Breite des Problems. Rund ein Fünftel der Schülerinnen und Schüler verfügt in keinem der drei untersuchten Bereiche über ausreichende Basiskompetenzen. Damit geht es längst nicht mehr nur um die Frage, wie gut Schülerinnen und Schüler im internationalen Vergleich abschneiden. Es geht um grundlegende Fähigkeiten, die darüber entscheiden, ob junge Menschen den Anforderungen von Ausbildung, Studium und Berufsleben gewachsen sind.

Gleichzeitig zeigt die Studie eine Entwicklung, die für das deutsche Bildungssystem von besonderer Bedeutung ist: Der Zusammenhang zwischen den naturwissenschaftlichen Kompetenzen und dem sozioökonomischen Status der Familie ist so stark wie nie zuvor. In Deutschland hat dieser Zusammenhang den höchsten Wert seit Beginn der Pisa-Studien erreicht. Bildungserfolg hängt damit weiterhin in erheblichem Maße davon ab, aus welchem Elternhaus ein Kind kommt.

Die Unterschiede sind deutlich. Nur zwei Prozent der Schülerinnen und Schüler aus sozioökonomisch benachteiligten Familien erreichen hohe Kompetenzen. Bei Schülerinnen und Schülern aus privilegierten Familien liegt dieser Anteil dagegen bei rund 25 Prozent. Die Bildungschancen sind damit keineswegs gleich verteilt. Wer mit schlechteren Voraussetzungen ins Bildungssystem startet, hat deutlich geringere Chancen, später zu den Leistungsstarken zu gehören.

Der Pisa-Befund legt damit ein grundlegendes Problem offen: Das deutsche Bildungssystem schafft es nicht ausreichend, soziale Unterschiede durch Bildung auszugleichen. Schule soll Chancen eröffnen und Aufstieg ermöglichen. Die aktuellen Ergebnisse zeigen jedoch, dass die Herkunft eines Kindes für seine Bildungschancen weiterhin eine erhebliche Rolle spielt – und dass sich diese Verbindung sogar verstärkt hat.

Die Forscher empfehlen deshalb, Unterstützungsbedarf möglichst früh zu erkennen und Kleinkinder gezielt zu fördern. Zugleich sollten Schulen entsprechend ihrem jeweiligen Unterstützungsbedarf stärker unterstützt werden. Der Ansatz setzt damit nicht erst bei Jugendlichen an, deren Bildungsbiografie bereits von Schwierigkeiten geprägt sein kann, sondern deutlich früher. Entscheidend ist die Frage, ob Probleme erkannt und aufgefangen werden, bevor sie sich über Jahre hinweg verfestigen.

Samuel Greiff, Bildungsforscher an der Technischen Universität München und Leiter des deutschen Teils der Pisa-Studie, bezeichnete die Ergebnisse als Anlass zur Sorge, betonte zugleich aber, dass sie „kein Schicksal“ seien. Bildungssysteme könnten verändert werden. Deutschland selbst habe dies nach dem Pisa-Schock vor 25 Jahren bewiesen.

Gerade dieser Hinweis ist angesichts der aktuellen Ergebnisse von Bedeutung. Die Pisa-Studien haben Deutschland bereits vor einem Vierteljahrhundert vor Augen geführt, wie groß die Defizite im Bildungssystem waren. Damals folgten Reformen und eine intensive Debatte über frühkindliche Förderung, Schulen, Unterrichtsqualität und Bildungschancen. Dass Deutschland nun erneut auf einem historischen Tiefstand steht, wirft deshalb zwangsläufig die Frage auf, was aus den damaligen Erkenntnissen geworden ist.

Die aktuelle Studie liefert darauf keine einfache Antwort, wohl aber einen deutlichen Hinweis: Die Probleme liegen nicht allein bei einzelnen Schülerinnen und Schülern. Sie betreffen die Leistungsfähigkeit des gesamten Bildungssystems und zugleich dessen Fähigkeit, soziale Unterschiede auszugleichen. Wenn rund ein Fünftel der Jugendlichen in keinem der drei Bereiche über ausreichende Basiskompetenzen verfügt und zugleich nur zwei Prozent der sozioökonomisch benachteiligten Schülerinnen und Schüler hohe Kompetenzen erreichen, kann dies kaum als Randproblem betrachtet werden.

Der neue Pisa-Tiefstand ist deshalb vor allem ein Auftrag, genauer hinzusehen. Frühere Förderung, eine gezieltere Unterstützung von Schulen und eine stärkere Orientierung am tatsächlichen Unterstützungsbedarf könnten Ansatzpunkte sein. Entscheidend wird jedoch sein, ob aus den Erkenntnissen auch langfristige Veränderungen entstehen. Dass Bildungssysteme veränderbar sind, hat Deutschland bereits einmal gezeigt. Die Pisa-Ergebnisse von 2025 machen deutlich, dass diese Fähigkeit erneut gefragt ist. +++

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