Es leuchtet zitronengelb, wirkt auf den ersten Blick harmlos und wird nicht selten mit blühendem Raps verwechselt. Doch das Orientalische Zackenschötchen breitet sich inzwischen auch im Landkreis Fulda zunehmend aus. Die Pflanze ist ungiftig, stellt für Menschen keine direkte Gefahr dar und fällt derzeit vielerorts durch ihre auffälligen Blütenbestände ins Auge. Dennoch empfiehlt der Fachdienst Natur und Landschaft des Landkreises Fulda, ihre weitere Ausbreitung gezielt einzudämmen. Hintergrund ist ihre Eigenschaft als potenziell gebietsfremde Art, die heimische Pflanzenbestände verdrängen kann.
Die zwei- bis mehrjährige Staude erreicht eine Höhe von bis zu zwei Metern. Im oberen Bereich verzweigt sie sich stark und bildet eine bis zu 1,50 Meter tief reichende Pfahlwurzel aus. Ihre Hauptblütezeit liegt in den Monaten Mai und Juni. Die Samen entwickeln sich von Juli bis September und besitzen eine besondere Widerstandsfähigkeit: Selbst wenn die Pflanze im halbreifen Zustand geschnitten wird, können die Samen noch vollständig ausreifen.
Das Orientalische Zackenschötchen breitet sich an Straßen- und Feldrändern ebenso aus wie an Bahndämmen und in Wohngebieten. Auch landwirtschaftlich genutzte Flächen sowie naturschutzfachlich wertvolle Bereiche bleiben davon nicht verschont. Dort verdrängt die Pflanze vielerorts heimische Arten und verändert die bestehende Vegetation. Für die Landwirtschaft kann dies zusätzliche Probleme mit sich bringen. Auf Grünland trocknen die kräftigen Stängel des Zackenschötchens deutlich langsamer als die Futtergräser. Dadurch steigt bei der Heugewinnung das Risiko, dass sich Schimmel im Erntegut bildet.
Die Samen reifen in höckerigen und runzeligen Früchten heran, die nach der Blüte vom langen Stängel abstehen. Eine einzelne Pflanze produziert jedes Jahr zwischen 2.000 und 5.000 Samen und kann diese mehrere Meter weit verstreuen. Über Heu gelangen die Samen leicht auf weitere Flächen. Auch Erdtransporte tragen wesentlich dazu bei, sowohl Samen als auch regenerationsfähige Wurzelteile zu verschleppen. Offene Bodenstellen bieten besonders günstige Bedingungen für die Keimung und können innerhalb kurzer Zeit zur Entstehung dichter Bestände führen.
Bei einem geringen Vorkommen gilt das vollständige Ausgraben oder Ausstechen der Pflanzen als wirksamste Bekämpfungsmethode. Dabei sollten möglichst alle Wurzeln entfernt werden. Eine intensive Nachbetreuung bleibt notwendig, da die Pflanze erneut austreiben kann. Bewährt haben sich langstielige Unkrautstecher, mit denen die Hauptwurzel tief durchtrennt wird. Meist sind pro Pflanze ein bis drei Arbeitsgänge erforderlich. Die ausgestochenen Pflanzen sollten anschließend von der Fläche entfernt werden.
Wo sich das Orientalische Zackenschötchen bereits stärker ausgebreitet hat, empfiehlt der Fachdienst eine regelmäßige Mahd. Zwischen Anfang Juni und September sollte mindestens dreimal jeweils vor der Samenbildung gemäht werden. Ein selektives Ausmähen verschafft heimischen Pflanzenarten einen Konkurrenzvorteil. Das anfallende Schnittgut sollte direkt aufgefangen und abtransportiert werden. Sichtbare Erfolge lassen sich allerdings nur erzielen, wenn die Maßnahmen über Jahre hinweg konsequent umgesetzt werden.
Auf größeren, mäßig stark betroffenen Flächen kann auch eine Beweidung sinnvoll sein. Esel, Rinder, Ziegen oder Schafe fressen insbesondere die jungen Triebe der Pflanze. Empfohlen wird eine Besatzstärke von 0,2 bis 0,5 Großvieheinheiten pro Hektar. Aufgrund der ausgeprägten Regenerationsfähigkeit der Staude bleibt jedoch auch in diesen Fällen eine anschließende Kontrolle der Flächen ratsam.
Bei der Entsorgung kommt es auf den Entwicklungsstand der Pflanzen an. Blattrosetten und blühende Exemplare können ohne Schwierigkeiten kompostiert werden. Sind jedoch unreife Früchte, keimfähige Samen oder Wurzelteile vorhanden, sollte eine thermische Entsorgung über den Restmüll oder eine Müllverbrennungsanlage erfolgen. Dies gilt insbesondere für Wurzelstücke, da sie im Kompost erneut austreiben können.
Der Landkreis Fulda setzt bei der Eindämmung des Orientalischen Zackenschötchens auf die Mithilfe vieler Beteiligter. Menschen aus der Bevölkerung, Kommunen, Unternehmen, landwirtschaftliche Betriebe und Akteure des Naturschutzes können durch gezielte Maßnahmen auf ihren jeweiligen Flächen dazu beitragen, die weitere Ausbreitung der auffälligen, aber problematischen Pflanze zu begrenzen. +++













