Es war ein Abend, an dem die Hitze selbst im Gemeindezentrum Neuhof noch spürbar war. Dennoch fanden sich am letzten Dienstag knapp 90 Bürgerinnen und Bürger zur Bürgerversammlung ein. Zweieinhalb Stunden lang ging es um Fragen, die im Alltag der Gemeinde oft wenig sichtbar sind, im Krisenfall aber entscheidend werden können: um Katastrophen- und Zivilschutz, die Wasserversorgung, den Umgang mit Halden- und Sickerwässern und um eine Vielzahl von Bau- und Infrastrukturprojekten. Bürgermeister Heiko Stolz wertete die trotz der hohen Temperaturen gute Beteiligung als Zeichen für das Interesse an der Entwicklung der Gemeinde. Eingeladen hatte Jürgen Jordan, Vorsitzender der Gemeindevertretung, moderiert wurde der Abend von Nico Bensing.
Gleich zu Beginn rückte ein Thema in den Mittelpunkt, das vielen Menschen erst dann bewusst wird, wenn die gewohnte Versorgung plötzlich nicht mehr funktioniert. Frau Heurich und Frau Ditzel vom Fachdienst Gefahrenabwehr des Landkreises Fulda erläuterten, wie die Bevölkerung im Krisenfall gewarnt wird und welche persönliche Vorsorge sinnvoll ist. „Stellen Sie sich vor, Sie kommen nach Hause und der Strom ist weg“, sagte Frau Ditzel und beschrieb damit ein Szenario, das zunächst unspektakulär klingt, bei einem länger andauernden Ausfall aber schnell weitreichende Folgen haben kann. Anhand aktueller Beispiele wurde erläutert, auf welchen Wegen Informationen die Bevölkerung erreichen und welche Vorbereitungen in den einzelnen Haushalten getroffen werden sollten.
Wie sich die Gemeinde Neuhof selbst auf mögliche Krisensituationen vorbereitet, erläuterte anschließend Florian Langner, Leiter der Hauptabteilung. Die Gemeinde hat einen Verwaltungsstab eingerichtet und zunächst eine umfassende Bestandsaufnahme vorgenommen. Hinzu kommen konkrete Vorkehrungen für die Versorgung und Betreuung der Bevölkerung. So wurde ein Lager mit Notstromaggregaten für die Wasserversorgung eingerichtet. Außerdem stehen 60 Feldbetten zur Verfügung. Damit sind die Voraussetzungen geschaffen, um einen Betreuungsplatz für bis zu 50 Personen einzurichten. Dass es dabei nicht allein bei theoretischen Planungen bleiben soll, zeigte ein bereits durchgeführter Musteraufbau, bei dem der Betreuungsplatz praktisch erprobt wurde.
Neuhof gehört dabei zu zwei Pilotkommunen im Landkreis. Die bisherigen Erfahrungen sollen in die nächsten Schritte einfließen. Geplant sind weitere Beschaffungen, praktische Übungen und eine fortlaufende Dokumentation. Aus dem Publikum kam auch die Frage nach der Notstromversorgung der Dorfgemeinschaftshäuser. Langner erklärte, dass entsprechende Notstromanschlüsse grundsätzlich ebenfalls geplant seien. Für die Gemeinde geht es damit nicht nur um Material und technische Ausstattung, sondern auch um die Frage, wie im Ernstfall die unterschiedlichen Kräfte zusammenarbeiten. „Wir sehen Tag für Tag, wie wichtig es ist, die Kräfte der verschiedenen Hilfsorganisationen zu bündeln. Informationen und Kommunikation sind dabei am Ende des Tages die Schlüssel zum Erfolg“, sagte Langner.
Deutlich grundsätzlicher ist die Frage, wie sich der Bergbaustandort in Neuhof langfristig sichern lässt. Bürgermeister Heiko Stolz und Jonas Ritzel aus der Bauabteilung berichteten über den aktuellen Stand des Projekts zur Vermeidung und Reduzierung von Haldenwässern. Ziel bleibt, den Bergbaustandort über das Jahr 2035 hinaus zu erhalten und gleichzeitig tragfähige Lösungen für den Umgang mit Halden- und Sickerwässern zu finden. Der im September 2023 gegründete Runde Tisch mit 44 Mitgliedern ruht derzeit. Hinter den Kulissen allerdings ist das Thema keineswegs zum Stillstand gekommen. Gespräche und Verhandlungen mit den beteiligten Vertragspartnern werden weiterhin geführt.
Stolz machte deutlich, dass die Gemeinde auf eine Lösung hinarbeitet, die von den beteiligten Seiten getragen werden kann. „Wir arbeiten mit Hochdruck an dem Thema und sind zuversichtlich, dass wir ein Maßnahmenpaket erstellen können, mit dem alle Parteien gut leben können“, sagte der Bürgermeister. Für Neuhof ist die Frage von besonderer Bedeutung, weil es dabei um die Zukunft des Bergbaustandorts ebenso geht wie um den Umgang mit den daraus entstehenden Wässern.
Nach den großen Fragen des Katastrophenschutzes und des Bergbaus richtete sich der Blick wieder stärker auf das unmittelbare Erscheinungsbild der Gemeinde. Joachim Bug, Leiter der Bauabteilung, gab einen Überblick über laufende Baumaßnahmen und anstehende Aufgaben. Dabei wurde deutlich, dass die Gemeinde angesichts der Vielzahl von Vorhaben stärker denn je entscheiden muss, welche Projekte wann umgesetzt werden können. Ein wachsender Schwerpunkt liegt auf der Sanierung der gemeindlichen Infrastruktur. Zu den aktuellen Arbeiten gehören unter anderem Maßnahmen am Dach des Backhauses in Hauswurz sowie Arbeiten in den gemeindlichen Kindertagesstätten.
Gleichzeitig werden bereits angestoßene Projekte weitergeführt und neue Vorhaben vorbereitet. Dazu gehört der Neubau eines Multifunktionsraums für die Kita St. Barbara. Auch beim Feuerwehrhaus in Rommerz ist der nächste Schritt vorbereitet. Gemeinsam mit Beteiligten aus Verwaltung und Feuerwehr wurde eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die den weiteren Prozess begleiten soll.
Daneben reicht die Liste der kommunalen Aufgaben von der Wärmeversorgung bis zur Digitalisierung und vom Straßenlicht bis zum Radverkehr. Bug informierte über die kommunale Wärmeplanung, die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED und Smart Lighting, den Glasfaserausbau und die neue Priorisierung des Radwegekonzepts. Im kommenden Jahr ist unter anderem ein Radweg vorgesehen, der im Bereich zwischen der Asphalt-Pumptrackanlage und dem Fachmarktzentrum in das Grüne Dreieck führt. Während die Erschließung des Neubaugebiets Mühlberg in Giesel inzwischen abgeschlossen ist, sind für das geplante Neubaugebiet Gelber Küppel in Neuhof noch weitere Bodenuntersuchungen erforderlich.
Eine Frage, die in Zeiten anhaltender Trockenheit unmittelbar jeden Haushalt betrifft, ist die Wasserversorgung. Die Gemeinde hat bereits vor zwei Jahren ein Konzept für das kommunale Wasserressourcenmanagement erstellen lassen. Trotz der anhaltenden Trockenheit liefern die gemeindlichen Wassergewinnungsanlagen derzeit ausreichend Wasser. Dennoch appellierte die Gemeinde an alle Bürgerinnen und Bürger, verantwortungsvoll mit dem Trinkwasser umzugehen. Die vorhandenen Kapazitäten sind damit zwar gesichert, ein sorgloser Umgang mit der Ressource soll daraus aber nicht abgeleitet werden.
Zum Ende der Bürgerversammlung wurde es digital. Marcel Witzel aus dem Projektmanagement stellte das derzeit noch in Entwicklung befindliche Smart-Region-Dashboard vor. Die Gemeinden Neuhof, Flieden und Kalbach wollen mit der gemeinsamen Plattform Informationen und digitale Angebote an einem zentralen Ort bündeln. Vorgesehen sind unter anderem Informationen über Bau- und Verkehrsprojekte, Schwimmbad und Wertstoffhof, Bereitschafts- und Notdienste sowie Messwerte und Hinweise zu Starkregen.
Wie praktisch das Interesse an einer solchen Plattform ist, zeigte sich unmittelbar an den Fragen aus dem Publikum. Dabei ging es unter anderem um die Buchung des Bürgerbusses und um die mögliche Einbindung eines Mängelmelders. Das Dashboard soll damit nicht nur Informationen bereitstellen, sondern perspektivisch auch den direkten Zugang zu kommunalen Angeboten erleichtern.
Als der zweieinhalbstündige Abend seinem Ende entgegenging, war deutlich geworden, wie breit das Aufgabenspektrum einer Kommune inzwischen ist. Katastrophenschutz und Wasserversorgung stehen neben Kita-Bauten, Feuerwehrhäusern, Radwegen, Wärmeplanung und Digitalisierung. Bürgermeister Heiko Stolz räumte ein, dass es kaum möglich sei, alle Entwicklungen einer Gemeinde in zweieinhalb Stunden vollständig darzustellen. Gleichwohl seien solche Veranstaltungen wichtig, damit sich die Bürgerinnen und Bürger über die laufenden Themen informieren und ihre Fragen einbringen könnten. Er dankte den Referentinnen und Referenten sowie den Gästen für ihre Teilnahme. Jürgen Jordan schloss sich dem Dank an und lud die Anwesenden zum weiteren Austausch bei einem kühlen Getränk ein. +++














