Hessen bekommt die Folgen der anhaltenden Trockenheit zunehmend beim Grundwasser zu spüren. Die Speicher unter dem Boden, die sich über Monate und Jahre hinweg füllen und eine zentrale Grundlage der Wasserversorgung bilden, geraten weiter unter Druck. An rund der Hälfte der Grundwassermessstellen im Land wurden im Juli niedrige oder sehr niedrige Werte festgestellt. Das teilte das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) am Freitag mit. Verantwortlich für die Entwicklung ist vor allem der seit längerer Zeit ausbleibende Niederschlag.
Besonders deutlich wird die Entwicklung beim Blick auf die Messstellen, an denen neue Monatsniedrigstwerte registriert wurden. Das war im Juli an rund 20 Prozent der Messstellen der Fall. Damit setzt sich eine Entwicklung fort, die sich bereits in den vergangenen Monaten abgezeichnet hatte. Die Böden bekommen vielerorts zu wenig Wasser, Niederschläge reichen nicht aus, um die natürlichen Speicher wieder aufzufüllen, und zugleich bleibt der Wasserbedarf in den trockenen und heißen Sommermonaten hoch.
In weiten Teilen Hessens lag das Grundwasserniveau im Juli zudem unter dem Stand des Vorjahres. Die Entwicklung betrifft damit nicht nur einzelne Regionen oder wenige Messstellen, sondern zeigt sich in einem größeren Teil des Landes. Das Grundwasser reagiert dabei langsamer auf trockene Wetterperioden als etwa Bäche, Flüsse oder oberflächennahe Gewässer. Gerade deshalb macht sich eine länger anhaltende Niederschlagsarmut häufig erst mit zeitlicher Verzögerung bemerkbar. Wenn über längere Zeit Wasser fehlt, wird jedoch auch der unterirdische Vorrat zunehmend kleiner.
Die Messwerte des HLNUG zeigen, wie stark die außergewöhnliche Trockenheit inzwischen in den Wasserhaushalt hineinwirkt. Niedrige Grundwasserstände sind dabei das Ergebnis einer längerfristigen Entwicklung. Entscheidend ist nicht allein, wie viel Regen innerhalb weniger Tage fällt, sondern ob über längere Zeiträume genügend Niederschlag in den Boden gelangt und dort bis in tiefere Schichten versickern kann. Gerade während trockener und heißer Sommermonate verdunstet ein erheblicher Teil des Wassers bereits an der Oberfläche oder wird von Pflanzen aufgenommen.
Die Hoffnung auf eine schnelle Entspannung ist entsprechend gering. Nach Einschätzung des HLNUG könnten sich die Grundwasserspeicher erst im kommenden Winterhalbjahr wieder nachhaltig auffüllen. Dafür wären über längere Zeit ausreichende Niederschläge notwendig. Einzelne kräftige Regenfälle würden die entstandenen Defizite dagegen nicht ohne Weiteres ausgleichen. Das Wasser muss zunächst in den Boden gelangen und anschließend die tieferen Schichten erreichen.
Die Entwicklung des Grundwassers ist deshalb auch ein Blick auf die vergangenen Monate. Was sich an den Messstellen im Juli zeigt, ist nicht allein eine Momentaufnahme des Sommers, sondern das Ergebnis einer längeren Phase mit zu wenig Niederschlag. Während an der Oberfläche die Folgen trockener Wetterlagen unmittelbar sichtbar werden, vollzieht sich der Rückgang des Grundwassers langsamer und weitgehend unsichtbar. Erst die Messstellen machen sichtbar, wie weit sich die Trockenheit inzwischen in den Wasserhaushalt Hessens hinein ausgebreitet hat.
Dass an etwa einem Fünftel der Messstellen neue Monatsniedrigstwerte erreicht wurden, verleiht den aktuellen Zahlen besondere Bedeutung. Zusammen mit dem niedrigen oder sehr niedrigen Grundwasserniveau an rund der Hälfte der Messstellen zeichnet sich damit ein Bild aus, das über eine vorübergehende sommerliche Schwankung hinausgeht. In vielen Regionen Hessens liegen die Werte unter denen des vergangenen Jahres.
Für die kommenden Monate wird deshalb entscheidend sein, wie sich die Niederschlagsentwicklung verändert. Erst eine längere feuchte Phase kann die natürlichen Wasserspeicher wieder auffüllen. Bis dahin bleibt das Grundwasser in Hessen ein empfindlicher Gradmesser für die Folgen der anhaltenden Trockenheit. Das Wasser, das an der Oberfläche fehlt, macht sich zunehmend auch dort bemerkbar, wo es normalerweise verborgen bleibt. +++












