Fuldas Schulen setzen auf Prävention, Spracherwerb und bessere Berufsorientierung

Mit dem Beginn des Schuljahres 2026/27 stehen an den Schulen im Landkreis und in der Stadt Fulda neben dem Rechtsanspruch auf einen Ganztagsbetreuungsplatz an Grundschulen vor allem die datengestützte Schul- und Unterrichtsentwicklung, die Verbesserung der Grundkompetenzen, Prävention, Gesundheit, Spracherwerb und Berufsorientierung im Mittelpunkt. Das Staatliche Schulamt für den Landkreis Fulda hat am Montag über die Entwicklungen und Schwerpunkte des neuen Schuljahres informiert und dabei deutlich gemacht, dass die Anforderungen an Schulen längst über die reine Vermittlung von Unterrichtsstoff hinausgehen. Darüber berichtet fuldainfo.de.

„Wir verbinden Innovation und Dynamik mit einem realistischen Blick und der Verantwortung für die bestmögliche Bildung unserer Kinder“, sagte Marion VanCuylenburg, Amtsleiterin des Staatlichen Schulamtes für den Landkreis Fulda, und zitierte damit einleitend den Hessischen Minister für Kultus, Bildung und Chancen, Armin Schwarz. Der Anspruch, Bildungsprozesse stärker an konkreten Erkenntnissen auszurichten, soll im neuen Schuljahr eine noch größere Bedeutung erhalten. Die datengestützte Schul- und Unterrichtsentwicklung verfolgt dabei das Ziel, auf allen Ebenen des Bildungssystems stärker evidenzbasierte Entscheidungen zu treffen, Bildungsprozesse zu optimieren und Schülerinnen und Schüler individueller zu fördern. Damit verbunden ist auch die Erwartung, die Schulentwicklung wirkungsvoller zu gestalten und die Grundkompetenzen der Kinder und Jugendlichen zu verbessern. Erstmals liegt dabei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Fach Mathematik.

Das Staatliche Schulamt führt die datengestützten Schul- und Unterrichtsentwicklungsgespräche an den Schulen im Schulamtsbezirk regelhaft durch. Auf diese Weise soll die Datenlage der einzelnen Schulen genauer analysiert werden. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse können anschließend konkrete Ziele für die jeweilige Schule festgelegt werden. Eine besondere Rolle spielen dabei die Startchancen-Schulen. Im Schulamtsbezirk gibt es insgesamt zehn dieser Schulen, jeweils fünf in der Stadt und fünf im Landkreis Fulda.

Auch der Umgang mit digitalen Medien bleibt ein prägendes Thema. Die im Schulamtsbezirk etablierten Smartphone-Schutzzonen sollen einen klaren Rahmen für die Nutzung digitaler Endgeräte schaffen. Smartphones und andere digitale Geräte dürfen zwar mitgeführt werden, sollen im Unterricht jedoch nur dann zum Einsatz kommen, wenn dies der Medienbildung oder dem Medienkompetenztraining dient. Weitere Informationen für Eltern stellt die Beratungsstelle Jugend und Medien des Kultusministeriums und des Digitalministeriums zur Verfügung.

Das bereits zu Beginn des vergangenen Jahres verstärkt in den Mittelpunkt gerückte Präventionsprogramm „DIGITAL NATIVE“ wird im neuen Schuljahr zudem ausgeweitet. Ziel des Programms ist es, Heranwachsenden einen verantwortungsbewussten Umgang mit sozialen Medien zu vermitteln und zugleich auf mögliche strafrechtliche Konsequenzen aufmerksam zu machen. Gemeinsam mit dem Landesamt für Verfassungsschutz und dem Polizeipräsidium Osthessen soll das Angebot unter anderem um Maßnahmen der Extremismusprävention erweitert werden. Damit wird der Umgang mit sozialen Netzwerken nicht allein unter medienpädagogischen Gesichtspunkten betrachtet, sondern zunehmend auch mit Fragen der Sicherheit und der gesellschaftlichen Entwicklung verbunden.

Ein weiterer Schwerpunkt, der nach und nach stärker in den Vordergrund gerückt ist, betrifft die „Gesunde Schule“. Dabei geht es ausdrücklich nicht nur um die Gesundheit der Schülerinnen und Schüler, sondern um die gesamte Schulgemeinde. Auch die psychische und physische Gesundheit der Lehrkräfte soll stärker berücksichtigt werden. Unterstützt wird dieser Ansatz unter anderem durch das Kompetenzzentrum „Gesunde Schule“ des Hessischen Ministeriums für Kultus, Bildung und Chancen. Ziel ist es, eine gesunde Schulentwicklung voranzutreiben und diese möglichst datenbasiert zu gestalten.

Eine besondere Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang den Schutzkonzepten zu. Deren Erarbeitung ist inzwischen im Schulgesetz verankert und soll mit einem hohen Maß an Verbindlichkeit und unter Beteiligung aller Beschäftigten der Schulgemeinde erfolgen. Das Staatliche Schulamt für den Landkreis Fulda hat gemeinsam mit den Jugendämtern der Stadt und des Landkreises einen Leitfaden für den Umgang mit Kindeswohlgefährdung entwickelt. Den Schulen wurden dazu Ablaufpläne, Ansprechpartner und Kontaktdaten zur Verfügung gestellt. Ergänzt wird dies durch konkrete Handlungstipps, die den Schulen im Umgang mit entsprechenden Situationen Orientierung geben sollen.

VanCuylenburg hob bei der Vorstellung der Entwicklungen erneut die gute Zusammenarbeit mit den beiden Schulträgern im Schulamtsbezirk hervor. Diese Zusammenarbeit betrifft zahlreiche Bereiche, die für den Schulalltag von Bedeutung sind, von der Infrastruktur bis hin zu Fragen des Schutzes und der Unterstützung von Kindern und Jugendlichen.

Auch bei der personellen Ausstattung hat sich zum Beginn des neuen Schuljahres eine Veränderung ergeben. Das Staatliche Schulamt für den Landkreis Fulda verzeichnet bei der Stellenzuweisung im Vergleich zum Beginn des vergangenen Schuljahres ein Plus von 14 Stellen. Aktuell sind im Schulamtsbezirk 1.969 Lehrkräfte beschäftigt. Schulamtsübergreifend wurden 27 Lehrkräfte versetzt, elf weitere Lehrkräfte wechselten schulamtsintern an andere Schulen. Insgesamt wurden 35 Lehrkräfte neu eingestellt.

An den öffentlichen Grundschulen wurden zum Schuljahresbeginn insgesamt 2.249 Schülerinnen und Schüler neu aufgenommen. 163 von ihnen besuchen eine Vorklasse, weitere elf Kinder eine Eingangsstufe. Auffällig ist zugleich die Entwicklung bei den verpflichtenden Deutschkursen. Die Zahl der Kinder, die an diesen Kursen teilnehmen, ist im Vergleich zum vergangenen Schuljahr deutlich von 54 auf 428 gesunken.

Die Größenunterschiede zwischen den einzelnen Grundschulen fallen dabei erheblich aus. Von den 54 Grundschulen in Stadt und Landkreis Fulda weist die Grundschule Hessisches Kegelspiel mit neun Erstklässlern die geringste Zahl an Schulanfängern auf. Die Cuno-Raabe-Schule, die sich derzeit im Umbau befindet, hat mit 101 Erstklässlern die höchste Zahl. Dahinter folgen die Don-Bosco-Schule mit 90 Erstklässlern und die Florenbergschule mit 77 eingeschulten Schülerinnen und Schülern.

Insgesamt umfasst der Schulamtsbezirk 102 Schulen. Davon befinden sich 63 in Trägerschaft des Landkreises und 23 in städtischer Trägerschaft. Hinzu kommen 16 Privatschulen in Stadt und Landkreis Fulda.

Neben den schulischen Grundkompetenzen bleibt der Spracherwerb ein wichtiges Thema. Harald Persch, stellvertretender Amtsleiter, gab einen Überblick über die Entwicklung der Sprachförderung und verwies darauf, dass die Zuwanderung aus nicht deutschen Herkunftsländern zurückgegangen sei. Im Fuldaer Schulamtsbezirk geht es zugleich darum, junge Menschen nach ihrem Schulabschluss möglichst unmittelbar für eine Berufsausbildung zu gewinnen. Damit soll auch die Sprachförderung während der Berufsausbildung weiter vorangetrieben werden.

Ein Beispiel für die Verbindung von Sprachförderung und praktischer Erfahrung ist der Deutschsommer. Acht Grundschulen nehmen an einem Theaterprojekt teil, das sich an Schülerinnen und Schüler der dritten und vierten Jahrgangsstufe richtet. Das freiwillige Ferienprojekt soll die Deutschkenntnisse der Kinder verbessern. Am Ende steht die Aufführung eines Theaterstücks. In den vergangenen Jahren wurde unter anderem Astrid Lindgrens „Ronja Räubertochter“ adaptiert. Sprache wird dabei nicht allein über Unterricht vermittelt, sondern über gemeinsames Arbeiten, Proben und schließlich die Aufführung auf der Bühne.

Die größte Gruppe unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Deutsch-Fördermaßnahmen stellen weiterhin Kinder und Jugendliche aus der Ukraine. Es folgen Heranwachsende türkischer, syrischer und afghanischer Herkunft. Parallel dazu spielt die Berufsorientierung in allen Schulformen eine wichtige Rolle. Auf diese werde in Stadt und Landkreis besonderer Wert gelegt, erklärte Persch. „Die Kammern, Innungen und Betriebe haben ein hohes Interesse daran, Berufsorientierung gelingen zu lassen“, sagte er.

Eine wichtige Gelegenheit dazu bietet die Berufsbildungsmesse, die vom 10. bis 12. September wieder in Fulda stattfindet. Die Messe ist ein Projekt der Azubi Region Fulda und wird von weiteren Partnern unterstützt. Sie richtet sich an Schülerinnen und Schüler, die unmittelbar vor ihrem Schulabschluss stehen, ebenso wie an Jugendliche, die bei der Berufswahl noch keine klare Entscheidung getroffen haben. Heimische Ausbildungsbetriebe werben dort branchenübergreifend um Nachwuchskräfte und versuchen, jungen Menschen konkrete Einblicke in unterschiedliche Berufsfelder und Ausbildungsmöglichkeiten zu geben.

Neben Fragen der beruflichen Zukunft beschäftigt die Schulen auch die politische und gesellschaftliche Bildung. Christian Pießnack, schulfachlicher Aufsichtsbeamter, Abwesenheitsvertretung und zuständig für die Gymnasien und Gesamtschulen, hob die Bedeutung der Werte- und Demokratiebildung hervor. Sie sei auch als gesamtgesellschaftliche Aufgabe an den Schulen im Schulamtsbezirk von essenzieller Bedeutung.

Als besonders bewährt habe sich dabei die vom Hessischen Kultusministerium ins Leben gerufene „WERTvoll-Plattform“. Mit ihrer Hilfe wurde an den Schulen eine Bedarfsanalyse vorgenommen. Dabei wurde untersucht, in welchen der vier Handlungsfelder Unterricht, Schulkultur, Kooperation und Qualifizierung die Werte- und Demokratiebildung bereits umgesetzt wird und wo weiterer Bedarf besteht.

Die Auswertung habe gezeigt, dass das Konzept bereits im Grundschulalter Wirkung entfalte. Auch im Bereich der Schulkultur nehme das Thema zunehmend Raum ein. Nach Einschätzung von Pießnack zeigt sich die wachsende Bedeutung demokratischer Werte auch in den Leitbildern der Schulen. Dort spielten demokratische Grundwerte inzwischen eine deutlich stärkere Rolle.

So beginnt das Schuljahr 2026/27 im Schulamtsbezirk Fulda mit einer Vielzahl miteinander verbundener Aufgaben. Es geht um die Frage, wie Kinder und Jugendliche ihre Grundkompetenzen verbessern können, wie Schulen mit digitalen Medien umgehen, wie Lehrkräfte und Schüler gesund durch den Schulalltag kommen und wie junge Menschen sprachlich und beruflich ihren Weg finden. Gleichzeitig soll Schule ein Ort bleiben, an dem demokratische Werte nicht nur vermittelt, sondern auch im täglichen Miteinander erfahrbar werden. Die Zahlen zum neuen Schuljahr geben dabei ebenso Hinweise auf die Veränderungen im Schulamtsbezirk wie die zahlreichen Projekte, mit denen die Schulen auf diese Entwicklungen reagieren. +++ red.

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