Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, hat den Vorstoß des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) für einen veränderten Umgang mit der AfD deutlich zurückgewiesen. Ein Einreißen der Brandmauer gegenüber der AfD helfe niemandem außer der Partei selbst, sagte Fratzscher dem Handelsblatt. Ein solcher Schritt verschaffe der AfD aus Sicht mancher Menschen zusätzliche Legitimität.
Kretschmer hatte angesichts der politischen Mehrheitsverhältnisse in Ostdeutschland für Gespräche mit allen Parteien geworben. Wer weiterhin über Brandmauern rede, habe die Zeichen der Zeit nicht erkannt, sagte der stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende dem Handelsblatt. Man müsse mit jedem reden, der reden wolle.
Fratzscher hält dem entgegen, dass zahlreiche wissenschaftliche Studien darauf hindeuteten, die Politik der AfD sei wirtschaftlich und sozial für Deutschland „höchst destruktiv“ und würde „großen Schaden“ anrichten. Vor diesem Hintergrund sei schwer zu erkennen, welchen Nutzen Gespräche demokratischer Parteien mit der AfD haben sollten, sagte der Ökonom.
Zugleich warb der DIW-Präsident für einen offenen Umgang mit den Folgen einer möglichen AfD-Politik. Eine funktionierende Demokratie erfordere Ehrlichkeit gegenüber den Bürgern. „Wir erleben ein zunehmend starkes AfD-Paradox“, erklärte Fratzscher. Wähler der AfD sowie Regionen mit einem hohen AfD-Anteil würden unter einer AfD-Politik deutlich stärker leiden als andere. +++













