In erster Linie ging es um die Reaktion auf die Frage in diesen Nachmittagsstunden in der Hubtex Arena, ob dem TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell im vierten Saisonspiel der Tischtennis-Bundesliga der erste Sieg der Spielzeit gelingen würde. Diese Antwort fiel mit dem 3:0 gegen den TTC Zugbrücke Grenzau eindeutig aus. Es waren aber auch Stunden der Gefühle. Und solche des Sports. Des Spitzensports. Kommen Sie mit und lesen Sie die Geschichte eines Erfolges, der deutlich ausfiel – und auch so war. Aber auch eine Episode der Menschen, die in den Trikots stecken. Die überdies bisweilen Momente des Spitzensports bereithalten. Und diese liefern.
Gespannte Erwartung also. Die wird aufgebrochen, als Fanclub-Vorsitzender Frank Wirthmann ein Banner hervorkramt in seiner Begeisterung: Wir fahren nach Neu-Ulm, heißt es da. Die Botschaft: Der TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell hat, wie schon im zurückliegenden Januar, das Final Four im DTTB-Pokal erreicht. Bis Alex, der Trommler aus dem Fanclub, das Signal gibt für die Aufgabe gegen Grenzau. Ist er gar etwas vor der Zeit? Egal. Sekunden später betritt Alexander Günther, Mitglied des Vorstandes des Gastgebers, die Bühne. Er übernimmt dieses Mal den Job der Anmoderation. Es passt in der Hubtex Arena.
Kurz darauf schlägt Dimitrij Ovtcharov auf. Im Eröffnungseinzel gegen Martin Allegro. Das entscheidet er glatt mit 3:0-Sätzen für sich. Die Frage muss erlaubt sein, und trügt die Wahrnehmung: Im Publikum scheint es tatsächlich einige zu geben, die den Erfolg in seinem Verlauf so nicht erwartet haben – oder? Dima aber straft alle Lügen. Er ist, wie eigentlich immer, sehr fokussiert. Offensiv und aggressiv. Wie ein Kannibale, der nur auf eins aus ist: darauf, die Punkte zu machen. Er giert danach. Dima, ehemalige Nummer eins der Welt, zeigt und liefert wieder einmal den Beweis dafür, was einen Spitzensportler ausmacht. Er sammelt die Punkte auf wie ein Besessener – vor allem auch dann, wenn es wichtig ist. Es ist keine Liebeserklärung an den Menschen, aber an den Sportler. Er gibt den Zuschauern das Signal: Lehnt euch zurück, ich hole schon meine Punkte. Ich schenke sie euch. Sie fallen in euren Schoß. Was Fulda da erlebt, ist große Klasse. Top-Kino. Dima ist ein Geschenk für Fulda. Ein Sport-Geschenk.
5:0 führt er im Ersten, als Allegro seinen ersten Punkt macht. Dann 8:1, und beim 10:2 hat er sage und schreibe acht Satzbälle. Sechs Minuten dauert der Durchgang. Allegro spielt gar nicht mal schlecht mit seinen Top-Spin-Schlägen. Aber Dima ist so gut. Im Zweiten wird es enger. Am Ende. Nach einem Weltklasse-Ballwechsel liegt Dima mit 8:2 vorn. Immer wieder ist er verdammt schnell in den Situationen. Allegro aber gibt sich nicht so leicht geschlagen. Er kommt bis auf 6:8 heran. Da macht sich der Fanclub bemerkbar. Er denkt, Dima brauche Unterstützung. Na klar, die tut immer gut. Dima aber regelt das. Es ist halt Dima. Er stellt auf 9:6. Beim 10:7 hat er drei Satzbälle. 11:8 ist der Endstand des Zweiten. Im Dritten geht Allegro mit 3:1 in Führung. Und mit 4:3. Und dann kommt – natürlich Dima. Nein 8:6 verschafft er sich mit einer trockenen Rückhand, als Konter geschlagen, etwas Luft. 10:7 steht es. – Dima hat drei Matchbälle. Den ersten nutzt er. 25 Minuten dauert die Auseinandersetzung mit Allegro.
Im zweiten Einzel duellieren sich Jonathan und der Pole Maciej Kubik, der kürzlich Ochsenhausens Top-Spieler Shunsuke Togami geschlagen hatte. Und der Däne Groth liefert eine wichtige Erkenntnis. Nicht zuletzt mit dem Erfolgserlebnis im Pokal wirkt er deutlich stabiler, präsentiert sich mit besserer Körpersprache – und vor allem: Er macht die wichtigen Punkte. Groth ringt Kubik in Dreien nieder – auch wenn alle Sätze eng sind.
Die Zuschauer reiben sich die Augen. Nach Dimas glatter Geschichte kommt jetzt Spannung auf. Im Ersten geht Kubik nach vier Punkten in Folge mit 6:3 in Front. Doch Groth ist hartnäckig dieses Mal. Mehr noch als eine Klette. Er gleicht zum 7:7 aus. Stellt selbst auf 9:7. Nach einem tollen Ballwechsel bleibt der Pole dran – und mit einer sehenswerten Rückhand gleicht er aus. Was hier nur los ist, denkt man. Groth holt sich beim 10:9 einen Satzball. Und den nutzt er.
Der Zweite verläuft ähnlich. Kubik führt 6:4. Der Däne aber lässt sich nicht abschütteln. 6:6. Und beim 8:7 sichert er sich einen kleinen Vorsprung. Kubik gleicht aus. Doch was nur ist mit Jona Groth los? Zwei Satzbälle hat er beim 10:8. Auch hier sitzt gleich der erste. Der Däne beweist allmählich, aber immer mehr, seinen Wert für den TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell. Mit gewachsenem Selbstvertrauen spielt Groth den Dritten „von oben runter“ – Kubik indessen macht zu viele einfache Fehler. 3:1. 4:2. 5:3. 6:3. 7:4. Keine Zahlen aus dem alten Telefonbuch, aber der Beweis, dass Groth jetzt dominiert. Auch wenn Kubik bis auf 7:8 herankommt. Dann aber wieder die wichtigen Punkte. Nein 10:8 hat Groth zwei Matchbälle. Er macht‘s aber spannend – und Kubik lässt sich nicht hängen. Er egalisiert mit dem 10:10. Overtime. Toll ist das Spiel nicht – aber darum geht es auch nicht; es ist spannend. Aufmunternde Gesänge und Worte der Anfeuerung aus dem Fanclub begleiten Groth. Das nützt. Beim 11:10 hat der Däne seinen dritten Matchball. Auch hier verwandelt er gleich den ersten. Jona Groth schlägt Maciej Kubik glatt. Nicht eben erwartet.
Bis Fanbo Meng in das Licht der Scheinwerfer rückt. Nicht nur äußerlich kommt er wie verwandelt daher. Er schnappt sich den Ersten und Zweiten recht deutlich – und man spürt Ähnliches wie bei seinem Vorgänger Jona Groth. Bessere Körpersprache. Besseres Selbstverständnis. Angriffsmodus. Volle Kraft voraus. Auch Fanbo haben die bestätigenden Erlebnisse im Pokal – mit zwei Einzelsiegen – gutgetan. Den Beweis liefert er durch seinen Auftritt in den Sätzen eins und zwei. Im Ersten setzt er sich mit fünf Punkten in Folge auf 8:3 ab. 10:6 bedeuten vier Satzbälle. Auch Fanbo nutzt den ersten. Im Zweiten liegt der Fuldaer mit 6:3 vorn, und nachdem der zunächst inkonstante, fahrige und mit zu vielen Eigenfehlern auftretende Walker auf 7:8 verkürzt hat, schlägt Fanbo zurück. 8:6. 9:7. Der Stand von 10:8 beschert ihm zwei Satzbälle. Wieder sitzt der erste.
Doch Fanbo Meng wäre nicht Fanbo Meng, wenn er in seinem Wohnzimmer Hubtex Arena keine Fünfsatz-Krimis mochte. Mit 8:2 liegt er im Dritten schon vorn, drei Punkte fehlen ihm noch zum glatten Sieg, manche der Zuschauer denken schon an die Heimfahrt – doch es kommt anders. In dem Maße, wie Fanbo von der Rolle ist, steigert sich Walker und wird konstanter. Er macht sage und schreibe sieben Punkte ensuite – und geht mit 9:8 in Führung. Publikum und Fanclub versuchen, Fanbo aufzufangen mit warmer Anfeuerung – Walker aber hat beim 10:8 zwei Satzbälle. Auch er nutzt den ersten.
In Durchgang vier kämpft der Fuldaer. Er versucht, sich gegen die Abwärtstendenz zu wehren. Doch von 5:5 an holt Walker wieder fünf Punkte. 10:5 und fünf Satzbälle. Der Endstand? 11:5 für den Grenzauer. Ehe Fanbo Meng im Fünften – in Neudeutsch auch „Decider“ genannt -, Feuer fängt. Wieder einmal läuft der Fuldaer heiß. Und zündet das Publikum an. Die Zeit des Erwachens ist gekommen. Fanbo spielt den Fünften von oben herunter. Und er lässt keinen Zweifel daran, dass er das Match für sich entscheiden will. Spektakuläre Ballwechsel nehmen die Zuschauer in der Hubtex Arena mit. Walker bringt alles zurück. Fanbo aber macht Punkt um Punkt. Als er sich bis auf 6:1 absetzt, hält es auch seinen Vater und Trainer Qing Yu nicht mehr. Er schnellt hoch von seinem Platz – und reckt die Faust. 7:2 steht es Sekunden später für den Fuldaer. Walker verkürzt noch einmal. Doch Fanbo zieht auf und davon. 8:4 – und 10:4 bescheren sechs Matchbälle. 11:4 ist nicht nur der 3:2-Sieg Fanbos. Es bedeutet auch den glatten 3:0-Sieg seines Teams. Und um 17.36 Uhr ist der Käse nach gut zwei Stunden gegessen.
Weiter geht es für den TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell am Montag, 21. September beim erstarkten Dortmund. Durchaus ein Spiel mit Schlüssel-Charakter. Auch wenn sich das Team aus Fulda bis auf Rang sechs vorgeschoben hat – aber dieselbe Punktbilanz aufweist wie Schlusslicht Bad Homburg.
Die Spiele im Einzelnen
TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell – TTC Zugbrücke Grenzau 3:0
Dimitrij Ovtcharov – Martin Allegro 3:0 (11:3, 11:8, 11:7)
Jonathan Groth – Maciej Kubik 3:0 (11:9, 11:8, 12:10)
Fanbo Meng – Samuel Walker 3:2 (11:6, 11:8, 8:11, 5:11, 11:4) +++ rl












