Cimen: Die Moral ist brutal - SGB rettet tief in der Nachspielzeit beim 2:2 in Ulm einen Punkt

Sgb0

Es war ein Spiel, das viele Facetten bot. Eines, das die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz den Torchancen nach eigentlich hätte gewinnen müssen. SGB-Trainer Daniyel Cimen ist dafür bekannt, die Dinge einzuordnen und sie sachlich, nüchtern, aber auch positiv auf den Punkt zu bringen. So sagte er nach dem 2:2 (1:0) seines Teams beim SSV Ulm am dritten Spieltag der Fußball-Regionalliga Südwest: „Die Moral unserer Mannschaft ist brutal. Die Schlussphase war völlig wild. Wenn du in der 91. Minute den Nackenschlag zum 1:2 kriegst, dann eine solche Reaktion zeigst und noch den Ausgleich schaffst …“. Eine Charakterstärke, die das Team aus Fulda ausmacht. Was so mancher als „Wahnsinn“ bezeichnet, ist ein Wesenszug der SGB, der seinesgleichen sucht.

Und das passierte in den letzten Minuten im Ulmer Donaustadion. Nach dem Elfer, der zum 2:1 des bislang noch sieglosen Drittliga-Absteigers und Regionalliga-Rückkehrers Ulm, einst von Ralf Rangnick trainiert, führte - zeigte die SGB eine fantastische Reaktion. Die mündete im 2:2: Freistoß Schmitt, Kopfball Habermehl an den Pfosten, der Gast kam erneut an den Ball, Iljazi spielte auf Frey, dessen Flanke an den langen Pfosten erreichte Ivankovic - und die spannende Frage: war sein Kopfball schon hinter der Linie? Oder drückte ihn Tobi Göbel ein? Eigentlich egal. Ähnlich sah es der Trainer, der sich, wie so Viele seitens der SGB, über den Last-Second-Ausgleich freute.

Die SGB startete verheißungsvoll. Nach fünf Minuten eroberte Moritz Reinhard den Ball, spielte Nicolas Wähling im rechten Halbraum vertikal an - und dessen Eingabe lenkte Ulms Innenverteidiger Seegert ins eigene Tor. „Es war eine sehr gute erste Halbzeit von uns“, urteilte Fuldas Trainer, „wir haben versucht, hoch zu attackieren“. Ulm habe zwar viel Ballbesitz gehabt, den aber im eigenen letzten Drittel, also im Abwehrbereich. Der Gastgeber strahlte kaum offensive Gefahr aus, und Cimen schob nach: „Wir haben alles gut wegverteidigt“. Erneut stand die SGB defensiv sehr stabil.

Mehr noch: Der Gast besaß in Hälfte eins zwei Möglichkeiten, aus denen mehr hätte resultieren müssen. Eine Freistoß-Variante brachte Schmitt gut in Abschluss-Position, und auch Dittmanns Drehschuss hätte sitzen können. Kein Wunder, dass Ulm mit Beginn des zweiten Abschnitts flexibler spielte, vor allem mit Überzahl über die Flügel. Ulm besaß keine „zwingenden Chancen“ - Cimen ärgerte diese Phase dennoch: „Wir hatten zu diesem Zeitpunkt keine Entlastung mehr nach vorne. Und haben auch die Zweiten Bälle nicht mehr so gewonnen.“ Begleiterscheinung dessen war das 1:1, das beim SGB-Trainer ebenfalls nicht so gut ankam in seiner Entstehung. „Die hätten wir verhindern können. Wir sind zu früh rausgerückt.“ Deshalb kam der doppelte Ulmer Torschütze Steffen Meuer im zentralen Bereich und der „roten Zone“ in verheißungsvolle Schussposition.

Cimen betonte lieber das - und völlig zurecht - was ihm Spaß machte. „Wir haben eine brutal gute Reaktion gezeigt.“ Denn die SGB hatte wieder zwei überaus gute Möglichkeiten, die sie hätte nutzen müssen. In Person Kevin Hillmanns zum Beispiel, dessen Schuss aus acht Metern noch die Latte küsste. „Nach diesen Chancen musst du in Führung gehen“, folgerte nicht nur der Coach. Doch plötzlich „war das Stadion da“. Die Fans der „Spatzen“ sorgten für tolle Stimmung und unterstützten ihre Mannschaft auf dem Weg zum ersten Saisonsieg. Beide Teams waren mit dem Spielstand nicht zufrieden und wollten den Sieg. Und die „völlig wilde Schlussphase“ brach an.

Cimens Fazit fiel durchaus differenziert aus. Er wusste, dass in der moralischen Antwort seines Teams „sehr viel Positives, Kraft und Energie“ steckte. Er erklärte aber auch: „Wir müssen uns auch belohnen für den Aufwand, kaum wir betrieben haben. Denn das Chancenplus lag eindeutig auf unserer Seite. Wir hätten daraus mehr Kapital schlagen müssen. Wir alle hatten das Gefühl: Da war mehr drin.“ Er sinnierte, dass jeder dieses Ergebnis vor dem Spiel unterschrieben hätte. Und kam wieder mal zu dem Schluss, dass die SGB gegen jeden Gegner der Regionalliga bestehen könne. Auch am Freitagabend in der Johannisau gegen den FSV Frankfurt. Die Spannung steigt vor dem zweiten Heimspiel. Denn auch diese Aufgabe wird einige Facetten bieten. +++ rl

SSV Ulm: Novakovic - Hülsenbach, Lockl, Oliver Wähling (90. Gölz), Chessa (86. Takahara), Kempf (72. Eroglu), Birkic (36. Azevedo), Meuer, Kopf, Taffertshofer (46. Mrden), Seegert

SG Barockstadt: Horz - Kraft (86. Iljazi), Habermehl, Frey, Hillmann (80. Gün) - Sarpei - Ivankovic, Schmitt, Dittmann, Nicolas Wähling (65. Göbel) - Reinhard (86. Hahn)

Schiedsrichter: Tobias Ewerhardy

Tore: 1:0 Marcel Seegert (6., Eigentor), 1:1 Steffen Meuer (64.), 2:1 Steffen Meuer (90., Foulelfmeter), 2:2 Roko Ivankovic (90.+4) +++ rl

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Ohr5euro

Werbung quali2

Banner 1 336 m