Der Vormittag beginnt auf einer Streuobstwiese. Zwischen Bäumen und Wiesen geht es zunächst um ein Frühstück, später um Photovoltaik, Wasserverbrauch und die Frage, wie Klimaschutz in Einrichtungen der Jugendhilfe konkret aussehen kann. Für Eva Welskop-Deffaa ist der Besuch im Jugendhilfeverbund St. Elisabeth in Fulda-Maberzell eine Station auf ihrer Sommerreise durch Einrichtungen der Caritas. Zugleich ist es ihre letzte Sommerreise als Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes. Im Februar wird sie ihr Amt an Sr. Dr. Katharina Ganz übergeben.
Welskop-Deffaa wurde am Dienstag vom Fuldaer Diözesan-Caritasdirektor Dr. Markus Juch und Caritas-Finanzvorstand Ansgar Erb begrüßt. Auch der Aufsichtsratsvorsitzende Prälat Christof Steinert nahm an dem Austausch teil. Im Jugendhilfeverbund ging es um die aktuelle Situation in der Kinder- und Jugendhilfe, aber ebenso um Nachhaltigkeit und die Frage, wie Einrichtungen der Wohlfahrt ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten können.
Für Juch ist St. Elisabeth dabei ein besonderer Ort. „Wir freuen uns, Eva Welskop-Deffaa auf ihrer letzten Sommerreise als Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes in Fulda begrüßen zu dürfen“, sagte der Diözesan-Caritasdirektor. Der Jugendhilfeverbund sei ein „Leuchtturm in Sachen nachhaltiges Handeln in Wohlfahrtsverbänden“. Deshalb wolle man der Präsidentin zeigen, was ein Trägerverband für den Klimaschutz leisten könne.
Welskop-Deffaa richtete den Blick zugleich auf die Kinder und Jugendlichen, die in solchen Einrichtungen leben. Für sie ist Klimaschutz nicht allein eine Frage technischer Lösungen oder betrieblicher Abläufe. „Kinder müssen vor Umwelt- und Klimarisiken geschützt werden. Das ist ein integraler Bestandteil ihrer Kinderrechte“, sagte die Caritas-Präsidentin. St. Elisabeth sei ein hervorragendes Beispiel dafür, wie Klimaschutz in Einrichtungen der Wohlfahrt umgesetzt werden könne und wie dabei auch die Jüngsten einbezogen werden könnten.
Der Rundgang durch die Einrichtung gab Einblicke in die praktische Arbeit. Einrichtungsleiter Christof Schneider erläuterte, wie Nachhaltigkeit bei St. Elisabeth umgesetzt wird. Dazu gehört unter anderem der Einsatz von Photovoltaik. Es sind konkrete Maßnahmen, die im Alltag der Einrichtung sichtbar werden und zeigen sollen, dass Nachhaltigkeit nicht auf Absichtserklärungen beschränkt bleiben muss.
Besonders anschaulich wurde dies bei einem Projekt, das die Kinder und Jugendlichen aus den Wohngruppen gemeinsam mit dem Altenpflegeheim St. Josef in Fulda umgesetzt haben. Im Juni tauschten zahlreiche Kinder und Jugendliche dort 150 konventionelle Wasser-Perlatoren gegen wassersparende Varianten aus. Aus einem vergleichsweise kleinen Eingriff in die Haustechnik wurde damit zugleich ein Projekt, das verschiedene Generationen miteinander verbindet.
Auch beim Besuch der Caritas-Präsidentin wurde gemeinsam gearbeitet. Welskop-Deffaa beteiligte sich am Austausch der Perlatoren und erlebte damit unmittelbar, wie das Thema Nachhaltigkeit in der Einrichtung vermittelt und praktisch umgesetzt wird. Das Projekt steht zugleich für die aktuelle Caritas-Jahreskampagne „Zusammen geht was. Caritas verbindet Generationen“. In Fulda blieb dieser Satz nicht abstrakt, sondern bekam eine ganz konkrete Form.
Nach dem Besuch im Jugendhilfeverbund führte der Weg durch die Fuldaauen zurück in die Innenstadt. Begleitet wurde die Gruppe von Nicole Gerstung und Oliver Krah, den Seelsorglichen Begleitungen des Diözesancaritasverbandes. Sie gaben entlang des Weges geistliche Impulse rund um den Heiligen Bonifatius. Zwischen dem Jugendhilfeverbund und der Innenstadt entstand damit ein Übergang von den aktuellen sozialen und ökologischen Fragen hin zur religiösen Geschichte Fuldas.
Für Welskop-Deffaa ist der Aufenthalt in Fulda Teil einer mehrtägigen Reise, die unterschiedliche Bereiche der Caritas zusammenführt. Bereits am Vortag hatte sie die Caritas-Jugendhilfe in Marburg sowie regionale Beratungsstellen und den Kinderkleiderladen in Marburg besucht. Begonnen hatte die Sommerreise am Sonntag in Marburg mit einem Tagesprogramm und einer Podiumsdiskussion im KA.RE. Unter dem Titel „Zur Zukunft des Sozialen. (Finanzielle) Verantwortung im Miteinander der Generationen“ ging es um die Frage, wie soziale Verantwortung zwischen den Generationen künftig gestaltet werden kann und welche finanziellen Voraussetzungen dafür notwendig sind.
Am Dienstagabend stand eine weitere öffentliche Gesprächsrunde auf dem Programm. Gemeinsam mit der Deutschen Palliativstiftung wurde unter dem Titel „Gute Clowns in der Palliativversorgung. Humor und Sterben, passt das überhaupt?!“ über Humor in der Palliativversorgung und den Umgang mit Sterben und Tod gesprochen.
Am Mittwoch führt die Sommerreise nach einem Besuch im PflegeÜbungsZentrum in Mellrichstadt weiter zum Weg der Hoffnung bei Point Alpha. Dort will Welskop-Deffaa gemeinsam mit Studentinnen und Studenten der Hochschule Fulda, die sich bei youngcaritas engagieren, und Caritas-Referentin Kristina Trupp auf dem Grünen Band wandern. Im Mittelpunkt des Austauschs steht die Frage „Was hält uns zusammen?“. Am Donnerstag ist abschließend ein Aufenthalt in Eisenach vorgesehen.
Der Besuch in Fulda hatte für den Diözesancaritasverband auch eine persönliche Seite. Dr. Juch nutzte die Gelegenheit, Welskop-Deffaa für die Zusammenarbeit während ihrer Amtszeit zu danken. Ihre Präsidentschaft endet im Februar, wenn Sr. Dr. Katharina Ganz das Amt übernimmt. „Wir danken Eva Welskop-Deffaa für das positive Miteinander in den vergangenen Jahren“, sagte Juch. Zugleich verband er seinen Dank mit den besten Wünschen für den weiteren Weg der scheidenden Präsidentin. Man hoffe, dass man sich „im neuen Kontext“ wieder begegnen werde.
Was von dem Vormittag in Fulda bleibt, sind nicht allein Zahlen zu Wasserverbrauch oder technische Details zur Energiegewinnung. Es ist vor allem das Bild einer Einrichtung, in der soziale Arbeit, Nachhaltigkeit und die Begegnung verschiedener Generationen zusammenkommen. Kinder und Jugendliche, die in den Wohngruppen von St. Elisabeth leben, werden dabei nicht lediglich als Empfänger sozialer Unterstützung gesehen. Sie werden selbst zu Handelnden, wenn sie gemeinsam mit älteren Menschen im Altenpflegeheim Wasser sparen helfen. Die 150 ausgetauschten Perlatoren sind ein kleines Projekt. Doch gerade in dieser überschaubaren praktischen Arbeit wird sichtbar, was die Caritas mit dem Gedanken des generationenübergreifenden Handelns verbindet.
Für Welskop-Deffaa ist der Besuch zugleich ein Abschied auf Zeit. Ihre letzte Sommerreise als Caritas-Präsidentin führt sie noch einmal durch verschiedene Einrichtungen und zu Menschen, die an unterschiedlichen Orten mit sozialen Fragen arbeiten. In Fulda gehörten dazu die Kinder und Jugendlichen von St. Elisabeth, die Verantwortlichen der Caritas und die Menschen, denen Nachhaltigkeit nicht nur als politisches Schlagwort begegnet, sondern als Aufgabe im Alltag. Im Februar beginnt für den Deutschen Caritasverband mit der Amtsübergabe an Sr. Dr. Katharina Ganz ein neues Kapitel. Der Vormittag in Fulda war damit auch ein Moment des Rückblicks – und ein Blick darauf, welche Themen die soziale Arbeit über den Wechsel an der Verbandsspitze hinaus beschäftigen werden. +++ red.














