Bonifatiusfest in Fulda: Wie Elvis Presley die Botschaft des Domplatzes weitertrug

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Das Bonifatiusfest in Fulda lebt von seiner Fähigkeit, Tradition nicht nur zu bewahren, sondern immer wieder neu in die Gegenwart zu übersetzen. Am Sonntag wurde diese Verbindung auf bemerkenswerte Weise sichtbar: Zwischen Domplatz, Diakonat und den Klängen von Elvis-inspirierten Gospels entstand ein Bild von Kirche, das weniger auf Distanz als auf Begegnung setzte.

Tausende Gläubige waren zum Bonifatiusfest in die Stadt gekommen, um an den „Apostel der Deutschen“ zu erinnern. Im Mittelpunkt stand zunächst die Predigt von Bischof Michael Gerber auf dem Domplatz. Seine Botschaft war ebenso schlicht wie grundlegend: „Mensch, du bist wertvoll, weil du bist!“ Doch die Worte blieben nicht auf die Liturgie beschränkt. Sie fanden nach dem Gottesdienst eine Fortsetzung an einem Ort, der symbolisch für das Anliegen des Tages stand – am Rand des Platzes.

Dort setzte die Band Divine Concern gemeinsam mit Diakon Dr. Meins Coetsier einen eigenen Akzent. Mit dem Projekt „Elvis im Altenheim“ präsentierten die Musiker eigene Stücke sowie von Elvis-Gospel inspirierte Lieder. Die Wirkung zeigte sich weniger auf einer Bühne als in den Gesprächen, die daraus entstanden. Menschen blieben stehen, kamen miteinander ins Gespräch und berichteten von ihrem Glauben, ihrem Alltag und ihren Sorgen. Die Musik wurde dabei zum Anlass für Begegnungen, die ohne große Schwellen möglich waren.

Dieser Ansatz entsprach dem Selbstverständnis des Diakonats im Bistum Fulda, das sich ebenfalls auf dem Domplatz präsentierte. Neben Coetsier informierten Dr. Stefan Ohnesorge und Diakon Franz Meyer über ihre Arbeit. Meyer verbindet dabei eine besondere biografische Parallele mit dem amerikanischen Musiker: Wie Elvis Presley fährt auch er eine Harley Davidson. Solche Details mögen auf den ersten Blick beiläufig erscheinen, verdeutlichen aber einen Zugang, der Nähe schaffen will, statt Unterschiede zu betonen.

Vorgestellt wurden unter anderem Projekte wie „Weisheit im Alter“, das generationenübergreifende Format „Elvis im Altenheim“ sowie die monatlichen musikalischen Segensandachten in der Severikirche. Gemeinsam ist diesen Initiativen der Versuch, Kirche dort erfahrbar zu machen, wo Menschen ihren Alltag verbringen. Nicht allein im Kirchenraum, sondern auf Straßen und Plätzen, in persönlichen Gesprächen und oft auch im Vorübergehen soll die Botschaft des Glaubens Gestalt gewinnen.

Gerade darin liegt die Verbindung zwischen Bonifatius, dem Diakonat und Elvis Presley, die zunächst überraschend wirken mag. Der Missionar Bonifatius steht für den Mut, neue Wege zu gehen, um Menschen zu erreichen. Das Diakonat versteht sich als Dienst an den Menschen, insbesondere an jenen, die leicht übersehen werden. Und auch die Gospelmusik, die Elvis Presley prägte, war stets Ausdruck einer Spiritualität, die Menschen unmittelbar ansprechen wollte. Gottesliebe und Nächstenliebe bilden den gemeinsamen Nenner dieser unterschiedlichen Traditionen.

So wurde am Rand des Domplatzes sichtbar, dass kirchliche Präsenz nicht allein von großen Zeremonien lebt. Sie entsteht dort, wo Menschen einander zuhören, wo Kontakte geknüpft und Erfahrungen geteilt werden. Viele Besucher nahmen deshalb mehr mit nach Hause als die Erinnerung an einen Festtag. Sie erhielten Einblicke in konkrete Projekte, neue Kontaktmöglichkeiten und die Erfahrung, dass Kirche besonders dann lebendig wirkt, wenn sie den Weg zu den Menschen sucht. Der Nachhall dieses Bonifatiusfestes könnte deshalb länger reichen als die Feierlichkeiten selbst – nicht wegen seiner Größe, sondern wegen der Begegnungen, die es ermöglicht hat. ++ red.

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