Ausstellung in Fulda zeigt die unterbrochenen Bildungswege ukrainischer Studierender

Foto: HS

An der Hochschule Fulda wird vom 18. September bis zum 17. Oktober die Ausstellung „Unissued Diplomas – Unterbrochene Bildungswege in der Ukraine“ gezeigt. Im Mittelpunkt stehen ukrainische Studierende, die durch den russischen Angriffskrieg ihr Leben verloren haben und ihren geplanten Hochschulabschluss nicht mehr erreichen konnten. Die Ausstellung ist in der Hochschul-, Landes- und Stadtbibliothek Fulda (HLSB) am Standort Campus zu sehen und wird am Dienstag, 22. September, um 13.30 Uhr offiziell eröffnet.

Der Hochschulalltag in der Ukraine ist seit Beginn des russischen Angriffskriegs von Bedingungen geprägt, die mit einem regulären Studium kaum vergleichbar sind. Stromausfälle, Luftalarme und die Ungewissheit über die eigene Zukunft gehören für viele Studierende zum Alltag. Gleichzeitig werden Hochschulen und andere Bildungseinrichtungen immer wieder durch russische Raketen- und Drohnenangriffe beschädigt oder zerstört. Bildung wird damit zu einem weiteren Bereich des zivilen Lebens, der unmittelbar unter den Folgen des Krieges leidet.

Davon sind auch Partneruniversitäten der Hochschule Fulda betroffen. Besonders deutlich zeigt sich dies am Beispiel der Sumy State University, die bei inzwischen wiederholten Raketen- und Drohnenangriffen stark beschädigt wurde. Die Hochschule Fulda unterstützte ihre Partneruniversität deshalb im vergangenen Jahr beim Wiederaufbau der IT-Infrastruktur und beteiligte sich zudem an einer Spendenaktion.

Die Ausstellung „Unissued Diplomas“ richtet den Blick auf die Menschen hinter diesen Nachrichten. Sie erinnert an ukrainische Studierende, die infolge des russischen Angriffskriegs ums Leben gekommen sind. Fotos und Plakate erzählen von jungen Menschen, die Hobbys hatten, Träume verfolgten und konkrete Vorstellungen von ihrer Zukunft entwickelten. Viele von ihnen wollten ihr Studium abschließen, einen Beruf ergreifen und ihr Diplom in den Händen halten. Der Krieg hat diese Lebenswege abrupt beendet.

Gerade darin liegt die besondere Wirkung der Ausstellung. Hinter den Zahlen der Kriegsopfer stehen keine abstrakten Namen, sondern junge Menschen mit individuellen Geschichten und Lebensplänen. Ihr Studium war Teil einer Zukunft, die für sie selbstverständlich schien und durch den Krieg unwiederbringlich zerstört wurde. Das fehlende Diplom wird so zum Symbol für ein Leben, das nicht mehr weitergeführt werden konnte.

Die Initiative „Unissued Diplomas“ wurde bereits 2023 von ukrainischen Studierenden gegründet. Sie setzt sich dafür ein, das Andenken an diejenigen zu bewahren, die ihren Hochschulabschluss infolge ihres frühen Todes nicht mehr erreichen konnten. Zugleich macht sie sichtbar, welche Folgen der Krieg für die junge Generation und die akademische Gemeinschaft in der Ukraine hat. Seit 2023 wurde die Ausstellung bereits in zahlreichen Ländern weltweit gezeigt, darunter Australien, Frankreich und Japan.

Für die Hochschule Fulda hat die Präsentation auch deshalb eine besondere Bedeutung, weil sie auf eine bestehende Zusammenarbeit mit ukrainischen Hochschulen trifft. Die Hochschule ist Mitglied der Europäischen Hochschulallianz E³UDRES². Zum Netzwerk gehören mit der Bohdan Khmelnytskyi National University of Cherkasy, dem Cherkasy State Business College und der Sumy State University auch ukrainische Hochschulen als assoziierte Partner.

Der regelmäßige Austausch mit den Partnerhochschulen vermittelt dabei einen unmittelbaren Eindruck davon, wie sehr der Krieg auch den Hochschulbetrieb prägt. „Der regelmäßige Austausch und die vielen Begegnungen mit den Kolleginnen und Kollegen unserer Partnerhochschulen in der Ukraine lässt uns nur ansatzweise erahnen, in welch schwieriger Situation sich die Menschen in der Ukraine durch den völkerrechtswidrigen Angriff Russlands befinden“, sagt Hochschulpräsident Prof. Dr. Karim Khakzar anlässlich der Ausstellungseröffnung.

Khakzar warnt zugleich davor, dass die dauerhafte Berichterstattung über den Krieg einen Gewöhnungseffekt auslösen könne. Die täglichen Nachrichten über Tote, Zerstörung und neue Angriffe bergen demnach die Gefahr, dass das Ausmaß des menschlichen Leids mit der Zeit weniger wahrgenommen wird. „Die tägliche Berichterstattung über die tödlichen Folgen des Kriegs birgt die Gefahr, dass das Leid der Menschen zur Gewohnheit wird und in Vergessenheit gerät“, betont der Hochschulpräsident. Die Ausstellung solle deshalb anhand konkreter Schicksale zeigen, was der Krieg für die Zivilbevölkerung bedeutet.

Damit verlässt die Ausstellung bewusst die Ebene allgemeiner Nachrichtenbilder. Sie stellt einzelne junge Menschen in den Mittelpunkt und macht sichtbar, was verloren geht, wenn ein Studium nicht beendet, ein Beruf nicht ergriffen und ein persönlicher Lebensplan nicht verwirklicht werden kann. Gerade an einer Hochschule, an der Bildung normalerweise für Aufbruch, persönliche Entwicklung und Zukunft steht, erhält diese Perspektive zusätzliches Gewicht.

Organisiert wird die Ausstellung an der Hochschule Fulda vom lokalen E³UDRES²-Team. Die offizielle Eröffnung findet am Dienstag, 22. September, um 13.30 Uhr in der Hochschul-, Landes- und Stadtbibliothek Fulda statt. Neben einem Grußwort von Hochschulpräsident Prof. Dr. Karim Khakzar wird dabei auch Einblick in die Zusammenarbeit der Hochschule Fulda mit ihren ukrainischen Partnerhochschulen gegeben.

Die Ausstellung ist anschließend bis zum 17. Oktober in der HLSB Fulda am Standort Campus zu sehen. Sie verbindet damit die Erinnerung an einzelne junge Menschen mit dem Blick auf eine akademische Gemeinschaft, deren Alltag durch den Krieg tiefgreifend verändert wurde. Das „unissued diploma“, das nicht ausgestellte Diplom, steht dabei für mehr als einen ausgebliebenen Studienabschluss: Es steht für eine Zukunft, die diesen Menschen genommen wurde – und für die Verantwortung, ihre Geschichten nicht im allgemeinen Nachrichtenstrom verschwinden zu lassen.

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