Zweiter Platz im Pokal – Ein unvergesslicher Tag im Leben des TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell

Ttc m1

Nackte Zahlen seien vorgeschoben. Kein Weg scheint in dieser Saison in Deutschlands Tischtennis an ihr vorbeizuführen: der Abteilung Tischtennis des 1. FC Saarbrücken. Schon im Halbfinale räumte das Team um den ehemaligen Maberzeller Patrick Franziska Titelverteidiger Ochsenhausen aus dem Weg – ehe es im Endspiel des Final-Four-Tages in der großartigen Ratiopharm Arena in Neu-Ulm den TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell mit 3:1 besiegte. Doch der nahm von diesem 4. Januar 2026 eine Menge mit. Eine ganze Menge. Vortreffliche Dinge. Zum sage und schreibe schmückt der „Vize-Titel“ den Briefkopf – schon zum fünften Mal. Nach den Goldenen Jahren von 2013 bis 2016, als das Team aus Fulda viermal in Folge Borussia Düsseldorf unterlag. Doch es war auch der Tag, an dem es die Herzen seiner Fans öffnete und erwärmte. Nicht einmal. Nicht zweimal. Nicht dreimal. Wiederholt. Oft. Doch lesen Sie die kleine Geschichte selbst. Eine Geschichte, die sich an Eindrücken orientiert. An Erfahrungswerten. Und Erkenntnissen.

TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell ohne seine Fans? Das geht nicht. Schon die winterliche Anreise in der späten Nacht und am frühen Morgen ist nicht ohne, die mehrstündige Anreise mit dem Bus, der um sechs Uhr an der Hubtex Arena abfährt, auch nicht. Das Ganze sei „von Anfang bis Ende eine Top-Geschichte“ gewesen, höre ich von einem Mitglied des Fanclubs „RhönSprudel Power“ später. Pausen eingerechnet, dauert es fast vier Stunden, bis Ulm erreicht ist. Die Fans geben ihr letztes Hemd für ihren TTC. Sie tun alles. Und sind zuversichtlich. Natürlich. Liegt es daran, dass die Anreise im „Happ Luxusliner“ erfolgt? Wahrscheinlich. Auch der TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell hat alles getan. Fast siegestrunken schwenken die Fans ihre Schals. Ein beeindruckendes Bild. Auch andere Utensilien verfehlen ihre Wirkung nicht. Man fühlt sich wohl und geborgen. Gut aufgehoben bei der Anreise. Bestens aufgehoben. „Ich folge dir bis ans Ende der Welt“, hört man von Fans im Sport ja so gern. Fans leben die Nähe zu ihrem Verein. Hier hat man nicht nur den Eindruck davon. Es ist auch so.

In der Halle angekommen, trauen die Fans ihren Augen nicht. Die Spieler sind vertraut mit den Bedingungen – ja gut. Die meisten jedenfalls. Doch die Fans betreten überwiegend Neuland. Imposant. Ratiopharm Arena – ein überwältigendes Gefühl. Riesige Ausmaße. Dimensionen, die der normale Anhänger erstmal sacken lassen muss. Und hier soll echte Stimmung herrschen? Und ob. Die wird quasi mitgeliefert an diesem Tag. Fontänen der Emotionen, die uns Herz treffen. Ein Intro, bei dem man schon vor den Spielen Gänsehaut bekommt. Was wird das erst während der Matches? Was macht das da mit mir, mag sich so mancher fragen. Man darf eintauchen in diese Begeisterung. An ihr teilnehmen. Sie aufsaugen. Augenblicke des Sports dürfen gelebt werden. 5.200 Zuschauer dürfen sich diesen Gefühlen und Stimmungsbildern hingeben. „Wer sich für Tischtennis interessiert, muss das einfach miterlebt haben“ – auch das hört man. „So was muss man live gesehen haben. So ein Event.“ Niemand widerspricht. Niemand. Und man spürt: So ein Bundesliga-Spiel, das ist die eine Geschichte. Aber das hier? Das ist die andere Seite. Auch das trifft den Nagel auf den Kopf. Zu hundert Prozent. Oder mehr.

Man wird mitgenommen. Und angezündet. Das Herz wird angezündet. Die Fans aus Fulda kommen gar nicht mehr heraus aus dieser Welt der Emotionen. Man darf einsteigen ins Boot der Gefühle. Und es scheint nicht zu enden. Man spürt gar nicht, dass die Zeit vergeht. So tief ist man drin. Dennoch ist man kribbelig: Hoffentlich ist es bald elf Uhr, da beginnt das Halbfinale des TTC gegen Bad Homburg. Und da bricht es sich Bahn, das Eröffnungseinzel. Dima betritt die Bühne – Ovtacharov gegen Jo Yokotani. Und Dima, der im visuellen Garten des Stadtschlosses längst ein kleines Denkmal stehen hat, beweist das, was ihn auszeichnet: Er ist da, wenn er muss. Man muss nicht nach Personen suchen, die auf ihn setzen. Dima ist da, wenn es wichtig ist. Er gewinnt glatt in Dreien. Klar und eindeutig. Schon im Ersten holt er sich fünf Satzbälle. Im Zweiten macht er Big Points in der Crunchtime. 8:8 steht es da. 11:8 am Ende. Ehe Dima im Dritten 8:4 vorn liegt – und 9:6. Das Ende: 11:7. Und 1:0 für Fulda.

Jetzt aber beginnt sie, die Fahrt der Gefühle. Ruwen Filus schlägt für den TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell auf. Filus, auf den in den letzten Wochen so immens Verlass war – und der sich im später als „Mann des Tages“ herausschälen soll. Sein erster Gegner: der Ungar Csaba Andras. Filus ist voll fokussiert. Er liegt 6:4 vorn und erspielt sich beim 10:9 einen Satzball. Andras aber kontert. 1:010. Zweiter Satzball für den Fuldaer. Wieder egalisiert der Kontrahent. Und ein dritter. Der sitzt. Und trifft seinen Kontrahenten ins Herz. Mit 13:11 geht der Erste an Filus. Längst haben die Fuldaer Fans das getan, was sie immer tun: Sie haben ihren Block zu einer Festung gemacht. Der Zweite verläuft ähnlich wie der Erste – aber nicht gegen Ende. Von 6:4 und 8:5 führt der fokussierte Filus schon, der Ungar aber schleicht sich heran. Filus indessen zeigt, dass er den Satz haben will, beim 10:7 hat er drei Satzbälle. Mit 11:7 schnappt er sich auch den Zweiten.

6:6 steht es im Dritten. Es ist Crunchtime, die Zeit der Entscheidung. Der Ungar zieht bis auf 9:6 davon. Und jetzt beginnen sie – die Momente, in denen sich Ruwen Filus in die Herzen der Fans begibt. Und sich dort einnistet. Wieder einmal. Beim 10:7 hat der Ungar drei Satzbälle. Doch noch ist nichts entschieden. Jeder hält sich fest jetzt. Jeder wird davon in Beschlag genommen, was jetzt passiert. Jeder starrt gebannt aufs Geschehen. Müsste Ruwen Filus jetzt Follower generieren in Sozialen Netzwerken, er würde im Handumdrehen einige gewinnen. Was heißt einige? Er macht fünf Punkte in Folge – und holt sich auch den Dritten. 2:0 für Fulda. Es läuft.

Dann aber zunächst nicht mehr. Jonathan Groth, wegen einer Verletzung im Inneren der Hand stark gehandicapt, unterliegt Ivor Ban in Vieren. Groth gewinnt den Ersten, anschließend klappt‘s nicht mehr. Bis Ruwen Filus nochmals gefordert ist: im Spitzeneinzel gegen Yokotani. Und dieses Duell soll zu einem Krimi werden. Alle Fuldaer Fans reiben sich in den ersten beiden Durchgängen die Augen. Nein, dass Filus sie für sich entscheidet – vielmehr beeindruckt sein Auftreten. 11:5 und 11:6 enden die Sätze. Beim ersten hat Filus sage und schreibe fünf Satzbälle, beim zweiten vier. Doch was folgt, ist bitter. 9:9 im Dritten, 11:9 für Yokotani. Macht ja nichts. Mit 7:11 ist auch der Vierte futsch. Blick zum Nebentisch: Da hat Saarbrücken bereits mit 3:1 gegen Ochsenhausen gewonnen. Unterdessen liegt Filus mit 4:7 gegen Yokotani zurück im Fünften, und es scheint, als sollte der Bad Homburger gewinnen. Denn Filus muss zu oft hinterher laufen. Zu oft und zu viel. 6:8 und 7:9. Als Yokotani 10:7 führt, hat der Japaner drei Matchbälle. Ruwen Filus unterliegt mit 7:11. 2:2 im ausgelagerten Hessenderby. Das Doppel entscheidet.

Fulda-Maberzell schickt seine in den letzten Wochen so erfolgreiche Formation – mit Ausnahme des Spiels in Grenzau – Fanbo Meng und Dima Ovtcharov ins Rennen. Und man hat das Gefühl, dass der Fanclub explodiert. Diese Zuspitzung wollten die Anhänger nicht unbedingt. Ab dem 5:3 im Ersten ziehen die Fuldaer weg, beim 10:7 haben sie drei Satzbälle. Der Erste gehört ihnen, die Durchgänge zwei und drei aber gehen verloren, Über den Zweiten reden wir nicht, im Dritten punkten sie am Ende nicht, als es 9:9 steht. Der Vierte aber wird so etwas wie der Schlüssel zum Sieg. Fanbo und Dima wissen, dass sie nach verlorenem Dritten gewinnen müssen – und entsprechend treten sie auf. Hitchcock wäre erblasst, hätte er das Drehbuch schreiben müssen. Der Fanclub gönnt es sich, auszurasten. Hier die letzten Stationen, ab 6:6 und 7:7 am besten abwechselnd. 8:7 für Fulda-Maberzell. 8:8. 9:8 für Bad Homburg. 9:9. 10:9 für Bad Homburg. Und Matchball. Den wehren die Fuldaer ab. Mit dem 11:10 holen sie sich Satzball. Doch 11:11. Zweiter Satzball. Und der sitzt – 13:11. Es sind Momente, von denen so mancher morgens im Bus geträumt hat. Der Fünfte wird vergleichsweise zum „Kinderspiel“, 5:1, 6:1, 8:1, 9:3 – keine Animation zum Lottospielen, sondern Zwischenstände. 11:3. Es ist 14.28 Uhr. Der TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell hat mit 3:2 gewonnen gegen Bad Homburg und das Finale des Final Four erreicht. Fans liegen sich in den Armen.

Halbfinale: TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell – TTC OE Clarity Tel. Systems Bad Homburg 3:2

Dima Ovtcharov – Jo Yokotani 3:0 (11:5, 11:8, 11:7)
Ruwen Filus – Csaba Andras 3:0 (13:11, 11:7, 12:10)
Jonathan Groth – Ivor Ban (11:8, 9:11, 8:11, 6:11)
Ruwen Filus – Jo Yokotani 2:3 (11:5, 11:6, 9:11, 7:11, 7:11)
Fanbo Meng/Dima Ovtcharov – Ivor Ban/Csaba Andras 3:2 (11:8, 11:4, 9:11, 11:13, 11:3)

Manche stellten sich nach dem Halbfinal-Match die Frage, ob Fuldas Fans schon einmal derart in Adrenalin gebadet hatten. Man musste sie ihnen auch ja nicht stellen – man sah es. Nun trat ihr Team gegen Saarbrücken als krasser Außenseiter an. Aber vielleicht würde ja eine Überraschung gelingen – und das Team aus Fulda die allerletzten Kräfte zusammenkratzen können. Im Eröffnungseinzel sah es gut aus für Dima Ovtcharov, der wieder an 2 antrat – und auf Olympiasieger Fan Zhendong traf. Mehr Spitzen-Tischtennis geht nicht.

So sehr Fuldas Fans mitfieberten, hofften, bangten und zitterten: Dima unterliegt in Dreien. Die aber verlaufen allesamt knapp, und Dima ist voll auf Augenhöhe. Im engen Ersten gleicht er zum 8:8 und 9:9 aus – ehe Fan Satzball hat und gleich den ersten nutzt. Im Zweiten geht‘s ähnlich. Ganz ähnlich. Man spürt, dass Dima ein wenig das Glück fehlt. Dieses Mal aber führt der Fuldaer 8:5, später nochmal 9:8. Fan aber dreht das Ding, gleicht aus und holt sich seinerseits Satzball. Auch dieser Durchgang endet 11:9 für ihn. Lediglich im entscheidenden Dritten muss Dima etwas abreißen lassen. Beim 10:6 hat Fan vier Matchbälle. Dima verkürzt bis auf 8:10. Fan aber verwandelt den dritten. 11:8 und 1:0 für Saarbrücken.

Was dann aber Ruwen Filus im zweiten Einzel und im Duell gegen seinen ehemaligen Mannschaftskollegen Patrick Franziska macht, zählt zu den tragenden Momenten dieser Sportart. Filus startet als Außenseiter, hält aber voll mit und bietet Franziska die Stirn. Der Vergleich wird schier zum Abnutzungskampf. Schon im Ersten spitz sich das Ganze zu. Dramatik wird neu erfunden. Filus erweist sich als hartnäckig, Franziska wird ihn nicht los. Auch beim Stande von 8:10 nicht. Da wehrt der Fuldaer zwei Satzbälle ab, holt nach dem 8:10 vier Punkte in Folge – und er siegt mit 12:10. Die Fans rasten aus. Sie scheinen abzuheben, bleiben aber doch.

Im Zweiten macht es Franziska gegen Ende besser, Filus muss mit 8:11 quittieren. Den Dritten gestaltet der Fuldaer ebenfalls ausgeglichen – beim Stand von 9:9 aber schnappt sich Franziska die Big Points. Alle, aber auch alle fragen sich jetzt: Kann Ruwen Filus jetzt noch einmal zurückschlagen? Kann er noch Energien freimachen? Er schafft es. Von 3:3 setzt er sich ab im Vierten auf 6:3. Und weiter auf 8:4. Franziska verkürzt. Filus aber kontert: 9:6 und 10:6. Vier Satzbälle. Mit dem 11:7 gleicht er zum 2:2 nach Sätzen aus. Und noch einmal spitzt sich das Match zu. Unglaublich. 9:9 steht es im Fünften. Beim 10:9 hat Franziska Matchball. Filus egalisiert. Und holt sich beim 11:10 selbst Matchball. Franziska gleicht aus. Filus aber schnappt sich den zweiten. Und der sitzt. 13:11 gewinnt Filus den Fünften – nach 1:2-Satzrückstand gleicht er zum 1:1 für Fulda-Maberzell im Finale aus. Und die Fans rücken ihre Herzen zurecht.

Nun aber schwimmen dem Team aus Osthessen die Felle davon. Die personelle Situation macht sich bemerkbar. Fanbo Meng hat gegen den starken Darko Jorgic in Dreien das Nachsehen – wobei es im Zweiten 9:9 steht. Ehe dies im Spitzeneinzel auch Ruwen Filus trifft. Ausgepumpt versucht er alles, muss sich aber Fan Zhendong beugen. Na ja, Fanbo Mengs Wunsch nach der Schlagzeile, „in unserer Fuldaer Zeitung“ lesen zu können, der Teamgeist hätte Fulda krönen und zum Pokalsieg führen können, erfüllte sich nicht so ganz. Auch das „langjährige Projekt des 1. Vorsitzenden Stefan Frauenholz“ noch nicht. Wichtiger als das Ergebnis schienen indessen all jene Momente, die den Fans das Herz öffneten. Und auch die Geste, dass die Mannschaft nach der Final-Niederlage auf die Fans zukam und sich bedankte. Von denen standen manche um halb Vier nachts auf, um beim Final Four mitzufiebern – gegen Mitternacht waren sie wieder zu Hause. Der 4. Januar 2026 schälte sich in jedem Falle als unvergesslicher Tag im Leben des TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell heraus.

1.-FC Saarbrücken Tischtennis – TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell 3:1

Fan Zhendong – Dima Ovtcharov 3:0 (11:9, 11:9, 11:8)
Patrick Franziska – Ruwen Filus 2:3 (10:12, 11:8, 11:9, 7:11, 11:13)
Darko Jorgic – Fanbo Meng 3:0 (11:6, 11:9, 11:8)
Fan Zhendong – Ruwen Filus 3:0 (11:8, 11:3, 11:8) +++ rl

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