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Dipl.-Kfm., M.A. Michael Konow, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Fulda. Foto: fdi-mediendienst

Wirtschaft in Osthessen kommt nicht aus dem Stimmungstief

Die osthessische Wirtschaft kommt auch zu Beginn des Jahres 2026 nicht aus dem Stimmungstief. Schwung? Fehlanzeige. Der Geschäftsklimaindex verharrt weiter klar im rezessiven Bereich – und das inzwischen schon im vierten Jahr. „Die konjunkturelle Nullnummer geht mittlerweile ins vierte Jahr, was sich nachhaltig negativ auf Beschäftigung und Investitionen und damit auch auf zukünftiges Wachstum auswirkt“, bringt es Michael Konow, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Fulda, mit Blick auf die erste Konjunkturumfrage 2026 auf den Punkt, schreibt fuldainfo.de.

Ein Blick auf die aktuelle Lage zeigt: Zufriedenheit sieht anders aus. 59,3 Prozent der Unternehmen bezeichnen ihre derzeitige Geschäftslage als befriedigend, ein minimaler Anstieg gegenüber Oktober mit 58,4 Prozent. Doch fast jedes vierte Unternehmen, exakt 23,6 Prozent, spricht von einer schlechten Lage. Nur 17,1 Prozent melden gute Geschäfte. Auch der Blick nach vorn macht wenig Hoffnung. 27,3 Prozent der Betriebe rechnen mit einer Verschlechterung, im Oktober waren es noch 28,0 Prozent. Zwar erwarten 64,4 Prozent eine gleichbleibende Lage, doch lediglich 8,3 Prozent setzen auf bessere Zeiten – ein deutlicher Rückgang gegenüber Oktober, als noch 19,2 Prozent optimistisch waren. Unterm Strich bleibt der Geschäftsklimaindex mit 87,0 Punkten nahezu unverändert und klar unter der wichtigen 100-Punkte-Marke. Für die IHK ein weiteres deutliches Zeichen für die festgefahrene Krise der regionalen Wirtschaft in Osthessen.

In der Industrie sieht es kaum besser aus. Zwar hat sich die aktuelle Lage gegenüber Oktober leicht verbessert, doch per Saldo bleibt sie negativ. 30,2 Prozent der Industriebetriebe melden schlechte Geschäfte, lediglich 16,3 Prozent sprechen von einer guten Situation. Der Blick nach vorne fällt noch düsterer aus: 31,7 Prozent erwarten eine ungünstigere Entwicklung, nur noch 4,9 Prozent hoffen auf Besserung. Der Geschäftsklimaindex der Industrie rutscht weiter ab und liegt jetzt bei 79,3 Punkten. Auch der Handel bleibt im roten Bereich: Mit 91,8 Punkten liegt der Geschäftsklimaindex weiterhin unter der Wachstumsschwelle.

Bei Investitionen treten viele Betriebe auf die Bremse. Zwar ist die Investitionsbereitschaft insgesamt etwas weniger negativ als in früheren Umfragen, doch noch immer haben 33,1 Prozent der Unternehmen ihre Investitionspläne zurückgefahren. 28,1 Prozent wollen dagegen mehr investieren. Wenn investiert wird, dann vor allem aus Notwendigkeit: Ersatzbedarf nennen 65,8 Prozent als Hauptmotiv, gefolgt von Rationalisierung mit 39,3 Prozent. Produktinnovationen spielen für 22,2 Prozent eine Rolle, Kapazitätsausweitungen für 13,7 Prozent und Umweltschutz für 11,1 Prozent.

Auch auf dem Arbeitsmarkt drohen dunkle Wolken. 22,9 Prozent der Unternehmen rechnen mit einem Abbau von Arbeitsplätzen, während nur 10,2 Prozent zusätzliche Stellen planen. In der Industrie ist das Bild noch deutlicher: 34,1 Prozent erwarten sinkende Beschäftigtenzahlen, lediglich 12,2 Prozent rechnen mit Zuwächsen. Beim Export überwiegt ebenfalls die Zurückhaltung. 23,5 Prozent der außenwirtschaftlich tätigen Unternehmen hoffen auf steigende Ausfuhren, 55,9 Prozent rechnen mit gleichbleibenden Exporten und 20,6 Prozent gehen von Rückgängen aus.

Als größte Risiken sehen die Unternehmen weiterhin die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. 66,1 Prozent nennen diese als Hauptproblem. Dahinter folgen eine schwächelnde Inlandsnachfrage mit 62,8 Prozent, steigende Arbeitskosten mit 58,7 Prozent, höhere Energie- und Rohstoffpreise mit 47,1 Prozent sowie der Fachkräftemangel mit 37,2 Prozent.

„Das Warten auf eine wirtschaftliche Erholung geht weiter“, sagt Konow. Zwar gebe es konjunkturelle Stimuli, doch diese würden durch gegenteilige Effekte überlagert. Dazu zählen steigende Arbeitskosten durch die Mindestlohnerhöhung und höhere Sozialabgaben, höhere CO2-Abgaben mit steigenden Energiepreisen in einem weiterhin stark von fossilen Energieträgern geprägten Bruttoendenergieverbrauch sowie geopolitische Unsicherheiten. Die Verunsicherung in der osthessischen Wirtschaft sei groß, besonders im exportorientierten verarbeitenden Gewerbe. In dieser Lage müsse der Freihandel gestärkt werden. Abkommen wie Mercosur dürften nicht durch parteipolitisches Taktieren ausgebremst werden, fordert der Hauptgeschäftsführer der IHK Fulda. +++ adm

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