Weselsky teilt aus: „GDL muss wieder lauter werden!“

Gdl

Eineinhalb Jahre nach seinem Abschied aus dem Rampenlicht meldet sich der frühere GDL-Chef Claus Weselsky mit deutlicher Kritik zurück – und spart dabei weder mit Seitenhieben auf seine eigene Gewerkschaft noch auf die Politik. Der langjährige Lokführer-Gewerkschafter findet: Die GDL ist nach seinem Abgang zu leise geworden.

„Die GDL findet nun weniger statt, es wird keine einzelne Person mehr vermarktet, sondern das Team“, sagte Weselsky dem Magazin „Stern“. Für ihn ist klar: So funktioniert Aufmerksamkeit nicht. „Ich glaube, anders wäre es besser.“

Dabei erkennt der frühere Gewerkschaftsboss durchaus an, dass sein Nachfolger Mario Reiß bei den jüngsten Tarifverhandlungen erfolgreich war. Die letzte Verhandlungsrunde zwischen der Bahn und der GDL endete Ende Februar mit einer Einigung – und das ohne Streiks. Für Weselsky ein „tolles Ergebnis“. Trotzdem stört ihn etwas ganz anderes: die öffentliche Wahrnehmung.

„Früher stand da überall Weselsky“, sagt der frühere Gewerkschaftschef offen. „Es muss nicht überall Reiß stehen, aber die GDL muss stärker in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden.“ Gerade beim Thema Selbstvermarktung sieht er seine frühere Organisation auf einem falschen Kurs: „In Sachen Selbstvermarktung ist die GDL gerade nicht da, wo ich es mir wünsche.“

Doch Weselsky belässt es nicht bei Kritik an der eigenen Gewerkschaft. Auch in der aktuellen politischen Debatte um Arbeitszeiten mischt er sich ein – und wird deutlich. Der ehemalige GDL-Chef führte die Gewerkschaft von 2008 bis 2024 und galt in dieser Zeit als streitbarer Verhandlungsführer. Kurz vor seinem Ruhestand setzte er noch ein großes Ziel durch: die schrittweise Einführung der 35-Stunden-Woche für Lokführer.

Umso mehr ärgert ihn die aktuelle Diskussion über längere Arbeitszeiten. „Jetzt schwafeln ja alle nur über noch mehr arbeiten“, sagt Weselsky. Besonders scharf reagiert er auf Aussagen von Bundeskanzler Merz. Dieser habe sinngemäß erklärt, „ja alle Menschen in Teilzeit faul“. Für Weselsky ist das inakzeptabel: „Ich finde die Aussage von Herrn Merz unterirdisch, völlig neben der Kappe.“

Brisant dabei: Wie der Bundeskanzler ist auch Weselsky Mitglied der CDU. Doch das hält ihn nicht davon ab, öffentlich gegen die Position des Regierungschefs zu schießen.

Trotz Ruhestand ist der frühere Gewerkschaftsführer übrigens noch längst nicht im Lehnstuhl angekommen. Obwohl er jahrelang für kürzere Arbeitszeiten gekämpft hat, arbeitet er selbst weiterhin – sogar regelmäßig. Drei Tage pro Woche ist er noch aktiv: Weselsky ist Vorstandsmitglied einer von GDL-Mitgliedern gegründeten Genossenschaft und außerdem stellvertretender Bundesvorsitzender beim Deutschen Beamtenbund.

Der Grund ist für ihn klar: „So habe ich das Gefühl, noch gebraucht zu werden.“

Und wenn er gerade nicht arbeitet? Dann kümmert sich der frühere Gewerkschaftschef um Körper und Familie. Einmal pro Woche geht er zum Yogaunterricht bei einer Lehrerin. Außerdem verbringt er viel Zeit mit seinen Enkeln. „Außerdem darf ich die Enkel bespaßen. Und ihnen was beibringen, damit sie auch lebenstauglich sind“, sagt Weselsky.

Dabei fällt sein Blick auf die junge Generation allerdings kritisch aus. Sein Urteil ist deutlich – und typisch Weselsky: „Ich stelle fest, dass die jüngere Generation eher eine Generation von Weicheiern ist.“ +++

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