Wenn Verantwortung sichtbar wird – Denkmalschutz als gelebtes Versprechen

Fd ro ds10

Denkmalschutz als gelebtes Versprechen

Es sind oft die stillen Gesten, die eine große Wirkung entfalten. Als Hessens Kunst- und Kulturminister Timon Gremmels (SPD) am Haus „Zum Roten Ochsen“ in der Fuldaer Innenstadt zur Bohrmaschine griff, ging es um weit mehr als das Anbringen einer Plakette. Es ging um Anerkennung, um Verlässlichkeit – und um ein deutliches Zeichen für den Wert von Geschichte in einer Zeit permanenter Veränderung. Gremmels löste damit ein Versprechen ein, das er bei der Verleihung des Hessischen Denkmalschutzpreises im vergangenen Jahr spontan gegeben hatte: die Auszeichnung persönlich beim Preisträger anzubringen. Gemeinsam mit Martin J. Blach, Geschäftsführer von LOTTO Hessen, machte er diese Zusage nun wahr.

Geehrt wurden Alexandra und Michael Mans, die mit dem dritten Platz des Hessischen Denkmalschutzpreises in der Kategorie „Privates Bauen“ ausgezeichnet worden waren. Der Besuch des Ministers war Ausdruck einer besonderen Wertschätzung für ein Engagement, das weit über das Übliche hinausgeht. Denn Denkmalschutz ist kein Selbstläufer. Er erfordert Mut, Ausdauer, finanzielle Kraft – und vor allem die Bereitschaft, Verantwortung für das kulturelle Erbe zu übernehmen.

Diese Verantwortung stand auch im Mittelpunkt der Worte von Michael Mans, der den Moment der Plakettenanbringung als etwas ganz Besonderes beschrieb. Der Dank der Familie galt nicht nur dem Minister und Martin J. Blach für die anerkennenden Worte und die wertschätzende Laudatio bei der Preisverleihung, sondern ebenso den heimischen Unternehmen, den vielen Handwerkerinnen und Handwerkern aus der Region sowie den Verantwortlichen des Denkmalschutzes. Ohne fachkundige Beratung, professionelle Unterstützung und regionale Zusammenarbeit wäre das Projekt nicht möglich gewesen – eine Aussage, die verdeutlicht, dass Denkmalschutz immer Gemeinschaftsarbeit ist.

Auch Staatsminister Gremmels stellte genau diesen Aspekt heraus. Die Sanierung des Hauses „Zum Roten Ochsen“ sei das Ergebnis des besonderen Einsatzes der Eigentümerfamilie Mans und der engen Zusammenarbeit mit Denkmalbehörden, der Stadt Fulda sowie Fachleuten aus Architektur, Planung, Restaurierung und Handwerk. Das Projekt habe Vorbildfunktion, weil es zeige, wie denkmalgeschützte Gebäude bewahrt und gleichzeitig zeitgemäß genutzt werden könnten. Denkmalschutz, so Gremmels, stifte Identität, fördere nachhaltige Bauentwicklung und trage zu lebendigen Innenstädten bei. Das Gebäude selbst sei ein herausragendes Zeugnis der Fuldaer Stadtgeschichte – und ein Beleg dafür, dass sich Engagement lohnt.

Martin J. Blach, Sprecher der Geschäftsführung von LOTTO Hessen, knüpfte daran an und betonte, dass die Familie Mans mit Mut, Leidenschaft und viel Liebe zum Detail einen Ort geschaffen habe, an dem sich Geschichte und Moderne auf besondere Weise begegnen. Dieses vorbildliche Engagement für das kulturelle Erbe unterstütze LOTTO Hessen seit inzwischen 40 Jahren über den Hessischen Denkmalschutzpreis, finanziert aus den Erträgen der Rubbellose. Die angebrachte Plakette solle nicht nur ehren, sondern inspirieren – heute und in Zukunft.

Dass Denkmalschutz immer auch Stadtgeschichte erzählt, machte Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld deutlich. Fulda sei mit einem Stadtbild gesegnet, das seine Historie sichtbar mache. Umso glücklicher könne sich die Stadt schätzen, dass es Bürgerinnen und Bürger gebe, die mit Leidenschaft daran arbeiteten, diese Geschichte erlebbar zu halten. Sein besonderer Dank galt der Familie Mans, die sich mit Herzblut für den Erhalt des Gebäudes engagiert habe. Die Entscheidung, an diesem Standort – an einer einst wichtigen Handelsroute wie der Via Regia – zu investieren, sei während der Corona-Zeit gefallen, einer Phase, die für Hoffnung, Mut und Zuversicht gestanden habe. Die Anwesenheit des Kulturministers wertete Wingenfeld als besondere Form der Anerkennung für ein Engagement, das letztlich der gesamten Stadtgesellschaft zugutekomme.

Der Hessische Denkmalschutzpreis selbst steht seit 1986 für genau diese Haltung. Ins Leben gerufen vom Landesamt für Denkmalpflege in Hessen und der LOTTO Hessen GmbH, wird er jährlich an Privatpersonen, Initiativen oder Körperschaften vergeben, die sich in besonderer Weise um die Denkmalpflege verdient gemacht haben.

Das Haus „Zum Roten Ochsen“, 1906 an einer stadtbildprägenden Blickachse der Fuldaer Innenstadt als Wohn- und Geschäftshaus errichtet, erzählt diese Geschichte eindrucksvoll. Bei der Instandsetzung von 2023 bis 2024 legten die Eigentümer großen Wert auf die Wiederherstellung des historischen Erscheinungsbildes. Spätere Eingriffe, wie die Unterteilung der Erdgeschosszone in zwei Etagen oder zugemauerte Fensteröffnungen, wurden zurückgebaut, die Steinputzflächen wieder freigelegt. Heute beherbergt das Erdgeschoss eine Gastronomie – und knüpft damit an die Nutzung des Vorgängerbaus an, ohne die Geschichte des Hauses zu verleugnen.

Begleitet wurde die Anbringung der Plakette von zahlreichen Gästen aus Stadtparlament, Kommunal- und Landespolitik, Denkmalschutz, Kulturamt, Architektur, Handwerk, Kunst, Kultur und Medien sowie von Freunden und Nachbarn der Eigentümer. Es war ein Moment, der deutlich machte: Denkmalschutz ist kein Blick zurück aus Nostalgie, sondern eine Investition in Identität, Verantwortung und Zukunft. +++ fdim

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert