Die CDU geht in Fulda in Klausur – und so einige Medien offenbar gleich mit. Was sich dort journalistisch abspielte, wirft Zweifel daran auf, ob noch von einer kritisch-distanzierenden Begleitung gesprochen werden kann. Gerade in Fulda entsteht der Eindruck, dass Berichterstattung vor allem auf die Lieferung gefälliger Bilder setzt – wobei „schön“ auch hier ein relativer Begriff bleibt. Statt Einordnung und Abwägung dominiert vielfach der Eindruck von Nähe. Ein Großteil dessen, was gesendet und gedruckt wird, wirkt glatt, konfliktscheu und gefällig. Der politische Termin erscheint weniger als Gegenstand journalistischer Prüfung denn als Anlass zur weitgehend unkommentierten Weitergabe vorgefertigter Bilder und Botschaften.
Dabei tritt ein Medium besonders deutlich hervor, das in der Region eine für die Partei herausgehobene Stellung einnimmt und entsprechend prägend wirkt. Ohne dessen Motivation abschließend bewerten zu wollen, stellt sich dennoch die Frage, warum der CDU hier eine derart wohlwollende Aufmerksamkeit zuteilwird. Außerhalb der Region Osthessen dürfte der politische Ertrag überschaubar sein. Ob es sich um strategische Zurückhaltung im Vorfeld der Wahl handelt, bleibt Interpretation – der Eindruck einer ungewöhnlich intensiven und zugleich wenig distanzierten Begleitung drängt sich jedoch auf. Inhalte und Inszenierungen werden überwiegend übernommen, ohne sie konsequent zu überprüfen oder einzuordnen. Journalismus gerät so in die Nähe einer begleitenden Serviceleistung politischer Kommunikation.
Hinzu kommt ein Aspekt, der in Fulda und Osthessen nicht ausgeblendet werden kann: Wer hier allzu deutlich Kritik übt oder sich offen gegen eine politisch dominante Partei positioniert, bewegt sich auf sehr unsicherem Terrain. Anzeigenmärkte sind begrenzt, Netzwerke eng, Abhängigkeiten real. Das mag keine Rechtfertigung sein, erklärt aber mit, warum Zurückhaltung häufig zur bevorzugten Haltung wird – und warum kritische Distanz nicht selten durch vorsichtige Anpassung ersetzt wird.
Wie kann es geschehen, dass sich Journalisten, bis hin zu selbsternannten Leitmedien, so eng an einen politischen Termin binden? Fragen wirken abgeschwächt, Widersprüche werden selten vertieft. Inszenierungen werden aufgegriffen und vervielfältigt, ohne sie sichtbar zu problematisieren. Gerade von einem Medium mit Leitfunktion wäre jedoch mehr zu erwarten gewesen. Selbst dort, wo einst der Anspruch bestand, kritische Instanz zu sein, scheinen die Maßstäbe spürbar abgesenkt. Was früher Haltung war, erscheint heute vielfach nur noch als formale Geste.
Fulda wird dadurch weniger zum Ort politischer Auseinandersetzung als zur Bühne eines medial begleiteten Auftritts. Kameras und Mikrofone sind präsent, der Ablauf folgt einer klaren Dramaturgie. Dass der Ministerpräsident die Region mit Superlativen beschreibt, überrascht unter diesen Umständen kaum – kritische Nachfragen hätten dieses Bild womöglich gestört. Wo Zustimmung erwartet wird, bleibt Skepsis randständig. Die Rollen scheinen verteilt, Abweichungen vom vorgegebenen Ablauf sind selten.
Selbstverständlich darf Journalismus Nähe zulassen. Er muss zuhören, beobachten, einordnen. Was hier jedoch zu beobachten ist, wirkt weniger wie Nähe als wie strukturell begünstigte Zurückhaltung gegenüber kritischer Distanz. Der Dialog tritt in den Hintergrund, Zustimmung dominiert. In einer medialen Landschaft, die in der Region vielfach als konsensorientiert beschrieben wird, verschwimmen die Grenzen zwischen politischer Selbstinszenierung und journalistischer Begleitung zunehmend. Unabhängige Berichterstattung erscheint dabei nicht abgeschafft, aber spürbar geschwächt.
Wo Journalismus eher bestätigt als hinterfragt, droht Politik zur Inszenierung zu werden – und Öffentlichkeit zur bloßen Zuschauerrolle. +++ redaktion ohr











5 Kommentare
Die CDU-Family tut sich mit diesem besagten Portal ganz offensichtlich keinen Gefallen. Dass man den Zusammenhang inzwischen lieber höflich übergeht, darf wohl als feine Übung in politischer Zurückhaltung gelten. Zufall? Durchaus denkbar. Überzeugend wirkt es eher nicht. Dafür ist das Ganze schlicht zu nah, zu eng, zu offensichtlich.
Und die Stadt Fulda? Sie pflegt ebenfalls eine bemerkenswerte Vertrautheit mit dem Portal und schneidet sich dabei so kontrolliert ins eigene Fleisch, dass man beinahe von Konsequenz sprechen könnte. Wie kurzsichtig politisches Handeln dabei sein kann, zeigt sich hier leider recht anschaulich.
Ich habe mir das Portal OHR näher angesehen und komme zu dem Schluss, dass ein solches Angebot in Osthessen – ergänzend zu FDI – bislang gefehlt hat. Es vermittelt den Eindruck, journalistische Grundprinzipien wie Einordnung, Kritikfähigkeit und Unabhängigkeit konsequent zu verfolgen. Bedauerlich ist jedoch, dass ein solcher Ansatz offenbar gerade in Fulda bei den maßgeblichen Entscheidungsträgern nur wenig Zustimmung findet. Umso wichtiger ist es, dass die Bevölkerung die Bedeutung einer freien und kritischen Presse erkennt und unterstützt. Reine Bilderstrecken oder oberflächliche Inhalte können fundierte journalistische Arbeit nicht ersetzen.
Hoffentlich bleibt dieses Portal so, wie es ist. Es wurde mir von einem Freund empfohlen – und ja, er hat nicht übertrieben. In einer Medienlandschaft, in der Haltung oft mit Lautstärke verwechselt wird und Nähe zur Macht als „Einordnung“ durchgeht, ist das längst keine Selbstverständlichkeit mehr.
Auch beim heutigen C..-Portal war einst von einem Zusammenschluss unabhängiger Journalisten die Rede. Schwarz auf weiß. Unabhängig, kritisch, frei von Parteiräson – der große Anspruch. Heute reicht ein kurzer Blick, um zu erkennen, was daraus geworden ist. Der Anspruch blieb als Etikett, der Inhalt folgte anderen Zwängen.
Hoffen wir, dass dieses Angebot dem Druck widersteht. Dass Distanz zur Macht weiterhin als journalistische Tugend gilt – und nicht als Makel. Hoffnung ist nötig, denn die Beispiele dafür, wie schnell aus Unabhängigkeit Anpassung wird, sind inzwischen zahlreich genug.
Die Berichterstattung im Allgemeinen und speziell rund um die abendliche Parteiveranstaltung auf der „Alm“ wirft eine grundlegende journalistische Frage auf: Was ist hier eigentlich berichtenswert?
Auffällig ist bereits, dass selbst der Hessische Rundfunk sich vergleichsweise zurückgehalten hat. Auch in Fulda fällt auf, wie vorsichtig berichtet und selbst kommentiert wird. Diese Zurückhaltung lässt vermuten, dass weniger journalistische Abwägungen als vielmehr die Angst vor möglichen Nachteilen eine Rolle spielt. Das schließt ausdrücklich auch die politische Opposition mit ein, die sich auffallend leise verhält.
Bei genauer Betrachtung handelte es sich weniger um ein politisches Ereignis als um eine Selbstinszenierung der Partei. Neue Inhalte, konkrete Beschlüsse oder kontroverse Debatten? Fehlanzeige. Stattdessen dominierten Jubelbilder, Kulissen und Feierlaune. Die gezeigte Bilderflut transportierte Atmosphäre, aber kaum politische Substanz.
Natürlich gehört es zum politischen Alltag, dass Parteien sich präsentieren und ihre Anhängerschaft mobilisieren. Doch journalistische Berichterstattung muss mehr leisten, als solche PR-Veranstaltungen visuell zu verlängern. Ohne neue Aussagen oder erkennbare politische Relevanz sinkt der Nachrichtenwert erheblich.
Ausführliche Bildstrecken oder wohlwollende Berichte laufen in solchen Fällen Gefahr, unfreiwillig Teil der Inszenierung zu werden, statt sie kritisch einzuordnen. Eine knappe Erwähnung mit klarer Bewertung wäre ausreichend gewesen – alles darüber hinaus bedarf einer bewussten journalistischen Distanz.
Berichten um des Berichtens willen hilft weder dem Publikum noch der politischen Meinungsbildung. Journalismus ist nicht dafür da, Parteifeiern abzubilden, sondern politische Bedeutung sichtbar zu machen.
Es ist bemerkenswert, wie selten in Fulda eine wirklich kritische Einordnung politischer Themen zu lesen ist. Die lokale Berichterstattung wirkt häufig auffallend zurückhaltend und vermeidet spürbare Distanz. Für eine lebendige öffentliche Debatte wären mehr Einordnung, mehr kritische Nachfragen und mehr Perspektiven dringend notwendig. Gerade auf regionaler Ebene ist unabhängiger Journalismus unverzichtbar – der Eindruck entsteht jedoch, dass Zurückhaltung eher belohnt wird als kritische Distanz. Danke für solche Artikel. Macht weiter so!