Es ist ein Schauspiel, das sich immer öfter beobachten lässt. In der Region gibt es ein Medium, dessen Chefs fest davon überzeugt zu sein scheinen, dass Bedeutung vor allem eines braucht: Nähe zu den „wichtigen Leuten“. Wer sich mit Politikern und Wirtschaftsbossen umgibt, wer Schulter an Schulter mit Entscheidern steht und diese Bilder dann in den sozialen Medien breit ausspielt, der hält sich offenbar selbst für wichtig. Wichtig, einflussreich, relevant. Doch ist das wirklich so?
Die Strategie ist simpel und wirkt auf den ersten Blick schillernd: Fotos mit Anzugträgern, freundliches Lächeln neben bekannten Gesichtern, dazu Posts auf Facebook, Instagram oder LinkedIn. Botschaft klar: Seht her, wir gehören dazu. Wir sind mittendrin im Machtzentrum von Politik und Wirtschaft. Doch während diese Selbstdarstellung online groß rauskommt, stellt sich eine entscheidende Frage: Wie kommt das eigentlich bei den Menschen an, für die dieses Medium angeblich gemacht ist?
Denn jenseits der eigenen Blase, fernab der sozialen Netzwerke und der immer gleichen Gesichter, regt sich Zweifel. Macht einen die Nähe zu Mächtigen automatisch relevant? Wird Journalismus besser, glaubwürdiger oder wichtiger, nur weil man sich mit Politikern und Wirtschaftsbossen zeigt? Oder entsteht genau hier das Gegenteil – der Eindruck von Anbiederung, von Distanzverlust, von einem Journalismus, der lieber hinterherläuft, statt kritisch vorauszugehen?
Viele Menschen reagieren auf diese Art der Selbstinszenierung nicht mit Bewunderung, sondern mit Skepsis. Bei manchen ist es nicht mehr als ein müdes Lächeln. Ein Lächeln darüber, wie verzweifelt wichtig man wirken möchte. Ein Lächeln darüber, wie sehr man glaubt, Bedeutung lasse sich durch Nähe erkaufen. Und vielleicht auch ein Lächeln darüber, dass echte Relevanz nicht aus Fotos mit Mächtigen entsteht, sondern aus Inhalten, Haltung und Glaubwürdigkeit.
So bleibt am Ende die Frage offen, die in Osthessen immer öfter gestellt wird: Macht die Inszenierung mit Politik und Wirtschaft wirklich wichtig – oder entlarvt sie nur ein Selbstbild, das mit der Wahrnehmung der meisten Menschen wenig zu tun hat? +++ km










7 Kommentare
Herr Meinhardt trifft ins Schwarze! Vielen Dank dafür! Osthessen News kann nicht für sich in Anspruch nehmen, den Menschen mit Qualitätsjournalismus Erkenntnisgewinn zu verschaffen. Dafür aber Dank der langen Bildstrecken etwas fürs Auge! Z. B. alle die toll gewandeten Besucher des Balls der Barockstadt! Alljährlich ein Augenschmaus. Spaß beiseite: Mit Ernst zu nehmendem Journalismus hat das natürlich rein gar nichts zu tun. Vor allem auch nicht, wenn man entschieden hat, sich zum Büttel einer barockschwarzen Partei und deren Repräsententen zu machen. Und sich dabei auch noch selbst mit in den Vordergrund fotografieren zu lassen. Das fing damals mit Osthessen News mit Martin und vor alle mit Gabriele alles unter dem Gesichtspunkt Medienvielfalt vielversprechend an. Bis dann die Erkenntnis gereift ist, dass sich mit Gefälligkeitsjournalismus und der Platzierung von immer mehr Werbung gut Kohle verdienen lässt.
Wenn prominente CDU-Politikerinnen und Politiker das 25 Jahre alte, heute jedenfalls eindeutig CDU-lastige osthessische Bildmagazin den Stempel „Qualitätsjournalismus“ aufdrücken, fragt man sich, was die Damen und Herren sonst eigentlich noch so lesen. Jedenfalls muss man diesbezüglich sehr an sich halten, um nicht an einem Lachanfall zu ersticken.
Für mich ist das nichts anderes als das Resultat dortselbst clever eingeschleimter Klick-Macher, die den politischen Damen und Herren kritikfreie Berichterstattung versprechen und dafür Entgegenkommen auf anderer Ebene erwartet. Und, um sich damit selbst prominent, besser gesagt, wichtig zu machen.
Ehrlich gesagt, man kann die permanenten, in Wort und Bild zur Schau gestellten Umarmungsstraetgien nicht mehr ertragen. Ich erwarte von POLITIK und MEDIEN gegenseitig größtmögliche Distanz.
Am besten: Grundsätzlich per „SIE“ !!!
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Gerade in dieser Region ist Anonymität für manche sogar ein Schutzschild. Wer Missstände aufdecken, unbequeme Fragen stellen oder gewisse Dinge ans Licht bringen will, denkt zweimal darüber nach, ob der eigene Name darunterstehen sollte. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus Vorsicht. Denn Nähe, Abhängigkeiten und kurze Wege sorgen schnell dafür, dass Kritik persönlich genommen wird. Rechtlich erlaubt, praktisch manchmal notwendig – auch das ist Teil der Realität.
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Norbert Hettler
Alle Jammern hier darüber. Aber keiner macht es besser. Hier wird nur mit dem Finger auf ein Medium gezeigt, aber selbst ist man nicht besser und man sieht auch nichts kritisch oder äußert sich dazu. Es wird wie bei allen Medien einfach still geschwiegen und liebe auf den anderen gezeigt. Aber zum Thema Weihnachtsmarkt, wird nur ein Medium genannt, das andere Medien das auch machen wird hier nicht erwähnt. All die Beiträge werden hier nicht gekennzeichnet, ob es ein Kommentar ist oder ein Bericht. Schau ich mir die Seite von fuldainfo an, da stehen auch viele Berichte von Werbepartner, die nicht gekennzeichnet sind. Wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen. Lieber mal an die eigene Nase packen statt zu jammern.
Ja, andere machen es ebenfalls – darin gebe ich Ihnen recht. Umso mehr stellt sich jedoch die Frage, weshalb Sie selbst ausschließlich FDI nennen. Das wirkt zumindest erklärungsbedürftig. Besteht hier möglicherweise eine besondere Nähe oder Zugehörigkeit zur genannten Redaktion?
Der Beitrag bringt ein ernstzunehmendes Problem präzise auf den Punkt. Wenn Chefredakteure wirtschaftlichen und politischen Interessen hinterherlaufen, leidet die journalistische Unabhängigkeit spürbar. Diese Entwicklung ist besorgniserregend, weil sie den Kern journalistischer Arbeit aushöhlt. Besonders in Osthessen ist zu beobachten, dass Berichterstattung zunehmend von Nähe statt kritischer Distanz geprägt ist. In Teilen hat das mit unabhängigem Journalismus nur noch wenig zu tun.