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Warum Essen gehen immer teurer wird

Wer heute ein Restaurant betritt, schaut meist zweimal auf die Speisekarte. Nicht, weil das Angebot exotischer geworden wäre, sondern weil die Preise spürbar angezogen haben. Ein Hauptgericht, das vor wenigen Jahren noch erschwinglich war, reißt heute ein deutlich größeres Loch ins Portemonnaie. Viele Gäste fragen sich: Nutzen Wirte die allgemeine Teuerung aus – oder ist die Preisexplosion in der Gastronomie tatsächlich unausweichlich? Ein nüchterner Blick auf die Fakten zeigt: Die Gründe liegen tiefer und sind komplexer, als es der schnelle Vorwurf nahelegt.

Tatsache ist: Die Preise in der deutschen Gastronomie sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Seit Anfang 2022 haben sich die Kosten für Restaurant- und Cafébesuche um mehr als ein Viertel erhöht. Auch in den Jahren 2024 und 2025 setzte sich dieser Trend fort, wenn auch mit etwas geringerer Dynamik. Im Jahresvergleich lagen die Preissteigerungen zuletzt weiterhin bei vier bis fünf Prozent. Essen gehen ist damit spürbar teurer geworden als viele andere Alltagsausgaben. Seit 2020 haben sich die Preise für Hauptgerichte sogar um mehr als 30 Prozent erhöht, Fast-Food-Angebote verteuerten sich nahezu im gleichen Umfang. Diese Entwicklung ist kein kurzfristiger Ausreißer, sondern Ausdruck eines strukturellen Problems.

Ein zentraler Treiber dieser Entwicklung sind die massiv gestiegenen Kosten auf Lieferanten- und Produzentenebene. Lebensmittel sind für Gastronomen deutlich teurer geworden. Besonders stark betroffen sind Grundstoffe wie Zucker, Backwaren und Fleisch. Hinzu kommen drastisch gestiegene Energiepreise. Strom und Gas sind für Restaurants keine Nebenkosten, sondern ein entscheidender Produktionsfaktor – für Küche, Kühlung, Beleuchtung und Heizung. Was im Einkauf mehr kostet, lässt sich auf Dauer nicht vollständig abfedern. Diese Preissteigerungen landen zwangsläufig auf der Speisekarte, wenn Betriebe wirtschaftlich überleben wollen.

Noch schwerer wiegt der Kostenblock Personal. Die Gastronomie ist personalintensiv wie kaum eine andere Branche. Seit 2022 sind die Personalkosten im Gastgewerbe um rund ein Drittel gestiegen. Treiber sind dabei nicht nur die Anhebungen des Mindestlohns, sondern auch der zunehmende Arbeitskräftemangel. Viele Betriebe müssen übertarifliche Löhne zahlen, um überhaupt Personal zu finden oder zu halten. Gleichzeitig steigen Sozialabgaben und Nebenkosten. Für viele Restaurants ist das Personal längst der größte Kostenfaktor – und derjenige, der am wenigsten Spielraum lässt.

Zusätzlichen Druck erzeugen steuerliche und regulatorische Rahmenbedingungen. Die Rückkehr des regulären Mehrwertsteuersatzes von 19 Prozent auf Speisen in der Gastronomie hat die Kalkulation vieler Betriebe spürbar belastet. Zwar ist eine erneute Senkung der Mehrwertsteuer auf sieben Prozent angekündigt, doch selbst diese Entlastung wird kaum zu sinkenden Preisen führen. Denn sie trifft auf ein Kostenniveau, das insgesamt deutlich höher liegt als vor der Pandemie. Viele Gastronomen sehen sich gezwungen, die Entlastung lediglich zur Stabilisierung ihrer wirtschaftlichen Lage zu nutzen, statt sie vollständig an die Gäste weiterzugeben.

All dies geschieht vor dem Hintergrund einer allgemeinen Inflation und eines veränderten wirtschaftlichen Umfelds. Energie, Dienstleistungen und Lebensmittel sind in nahezu allen Bereichen teurer geworden. Die Gastronomie steht dabei besonders unter Druck, weil sie diese Kostensteigerungen nur begrenzt durch Effizienzgewinne auffangen kann. Gleichzeitig hat sich das Konsumverhalten verändert. Gäste sind preissensibler, gehen seltener essen oder greifen zu günstigeren Angeboten. Für die Betriebe entsteht ein Dilemma: Sie müssen Preise erhöhen, riskieren damit aber, Kundschaft zu verlieren.

Die Folgen sind bereits spürbar. Viele Menschen reduzieren Restaurantbesuche oder weichen auf Imbisse und Systemgastronomie aus. Für zahlreiche Betriebe bedeutet der anhaltende Kostendruck wirtschaftliche Unsicherheit, oft verbunden mit Verlustjahren. Die Vorstellung, dass steigende Preise automatisch zu steigenden Gewinnen führen, greift zu kurz. In vielen Fällen geht es längst nicht mehr um Wachstum, sondern um das schiere Überleben.

Die Preissteigerungen in der Gastronomie sind damit kein Zeichen von Gier, sondern Ausdruck einer Branche, die zwischen explodierenden Kosten, Personalmangel und politischem Rahmenbedingungen aufgerieben wird. Wer heute über hohe Restaurantpreise klagt, blickt oft nur auf das Ergebnis – nicht auf die Rechnung dahinter. Die unbequeme Wahrheit lautet: Essen gehen ist teurer geworden, weil fast alles, was dazugehört, teurer geworden ist. Und solange sich daran nichts ändert, wird auch die Speisekarte kaum wieder günstiger werden. +++ adm

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