Die Wälder in NordOsthessen stehen weiterhin unter erheblichem Druck. Stürme, Borkenkäfer, Hitze und anhaltende Trockenheit setzen den Beständen zu und verändern das Landschaftsbild spürbar. Im Vorfeld des Internationalen Tags des Waldes am 21. März haben Regierungspräsident Mark Weinmeister und die Obere Forstbehörde beim Regierungspräsidium Kassel auf die angespannte Lage aufmerksam gemacht – und zugleich die Bedeutung eines gesunden Waldes für die Region hervorgehoben.
In diesem Jahr rückt die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, die den Aktionstag jährlich ausruft, insbesondere die wirtschaftliche Bedeutung der Wälder in den Fokus. Doch die Funktion der Wälder reicht weit darüber hinaus. „Der Wald ist ein unverzichtbarer Lebensraum für Pflanzen, Tiere – und auch für uns Menschen. Viele suchen in Wäldern Erholung und Ruhe. Wälder sind aber auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in unserer Region. Nicht zu vergessen die Leistung der Bäume und Pflanzen für den Klimaschutz“, betont Weinmeister.
Die Region NordOsthessen gehört zu den waldreichsten Gebieten Deutschlands. Große zusammenhängende Waldflächen prägen das Bild – vom Reinhardswald über den Naturpark Knüll bis hin zum Kellerwald-Edersee und nach Waldhessen. Gerade dieser Reichtum wird jedoch zunehmend zur Herausforderung. „Diesen Standortfaktor müssen wir erhalten, was uns angesichts des fortschreitenden Klimawandels umso mehr Bereitschaft abverlangt“, so der Regierungspräsident weiter.
Die Mitarbeitenden der Oberen Forstbehörde arbeiten nach seinen Worten kontinuierlich mit HessenForst, den Landkreisen, Waldbesitzenden und weiteren Beteiligten zusammen, um die Wälder nachhaltig zu bewirtschaften und zukunftsfähig zu machen. Dabei rückt auch ein besonderer Baum stärker in den Fokus: die Zitterpappel, Baum des Jahres 2026.
Seit 1989 wird dieser Titel von der Dr. Silvius Wodarz-Stiftung vergeben. Die Zitterpappel, auch Espe genannt, gilt als wichtige Pionierpflanze in Zeiten des Klimawandels. Ihr Name leitet sich vom charakteristischen Zittern ihrer Blätter ab, das durch ihre flexiblen Blattstiele entsteht. Mit einer Wuchshöhe von 15 bis 25 Metern und ihrem auffälligen gelben Herbstlaub ist sie nicht nur prägend für das Landschaftsbild, sondern auch ökologisch bedeutsam.
Vor allem ihre Fähigkeit, geschädigte oder zerstörte Waldflächen schnell zu besiedeln, macht sie zu einem Hoffnungsträger. Sie trägt zur Stabilisierung von Ökosystemen bei und fördert die Artenvielfalt. Auch wirtschaftlich findet sie Verwendung: Ihr vergleichsweise leichtes Holz wird unter anderem für die Herstellung von Zündhölzern und Papier genutzt, aber auch für spezielle Produkte wie Prothesen oder Tischtennisschläger.
Mit einem Waldanteil von rund 43 Prozent ist der Regierungsbezirk Kassel stark bewaldet. Große Gebiete wie der Reinhardswald, der Kaufunger Wald oder der Knüll prägen die Region. Laubwälder dominieren mit etwa 63 Prozent die Fläche. Hinzu kommen zahlreiche Schutzkategorien: 40 nach Forstrecht ausgewiesene Schutzgebiete, darunter 13 Bannwälder, 15 Schutzwälder, zwei Schutz- und Erholungswälder sowie zehn ausgewiesene Erholungswälder.
Die Herausforderungen bleiben dennoch groß. Umso mehr setzen die Verantwortlichen auf Zusammenarbeit und Anpassungsfähigkeit – damit die Wälder in NordOsthessen auch künftig ihre vielfältigen Funktionen erfüllen können: als Wirtschaftsraum, als Klimaschützer und als Ort der Erholung. +++





