Fulda trauert um eine große Persönlichkeit der Stadtgeschichte. Dagmar Dregger, die Witwe des früheren Oberbürgermeisters Dr. Alfred Dregger (1920–2002), ist tot. Sie starb am Donnerstag, 18. Dezember, im Alter von 97 Jahren in ihrer Wahlheimat Fulda. Mit ihr verliert die Stadt eine engagierte Bürgerin, eine politisch wache Frau und eine einzigartige Zeitzeugin. Fuldas amtierender Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld würdigte die Verstorbene als „engagierte Bürgerin unserer Stadt und als einzigartige Zeitzeugin einer wichtigen Epoche der Fuldaer Stadtgeschichte“.
Dagmar Dregger wurde am 3. April 1928 als Tochter eines Bergwerksdirektors in Recklinghausen geboren und wuchs im Ruhrgebiet auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg studierte sie in Marburg Volkswirtschaftslehre. Dort lernte sie auch ihren späteren Ehemann kennen. 1952 heiratete das Paar, aus der Ehe gingen drei Söhne hervor. Dagmar Dregger folgte ihrem Mann zunächst nach Köln, wo Dr. Alfred Dregger als Referent beim Deutschen Städtetag tätig war.
1956 dann der entscheidende Wendepunkt: Die Fuldaer Stadtverordnetenversammlung wählte Dr. Alfred Dregger zum Nachfolger von Dr. Cuno Raabe als neuen Oberbürgermeister. Das Ehepaar zog nach Osthessen. Zunächst lebten die Dreggers in der Fuldaer Kanalstraße, später in der sogenannten Oberbürgermeister-Villa nahe der Jugendherberge in Neuenberg und schließlich am Fuß des Frauenbergs – ein Ort, der für Dagmar Dregger bis zuletzt Heimat blieb.
„Dagmar Dregger war eine starke Persönlichkeit, die stets an der Seite ihres Mannes stand“, betonte Oberbürgermeister Wingenfeld. Sie sei der stabile Anker im Leben von Dr. Alfred Dregger gewesen und habe es ihm ermöglicht, sich mit ganzer Kraft für die Entwicklung der Stadt Fulda einzusetzen – ebenso für das Wohl des Landes Hessen und später in verantwortungsvoller Position im Bundestag auch für die Bundesrepublik Deutschland. Viele wegweisende Entscheidungen aus der Oberbürgermeister-Ära Dregger, etwa die Ausweisung eines großzügigen Schulviertels oder seine Offenheit gegenüber zeitgenössischer Kunst und Architektur, prägen Fulda bis heute, so Wingenfeld.
Doch Dagmar Dregger stand nicht nur an der Seite eines Politikers – sie war selbst politisch aktiv. Von 1974 bis 1989 gehörte sie dem Fuldaer Kreistag an. Zunächst arbeitete sie im Haupt- und Finanzausschuss, anschließend war sie über drei Wahlperioden hinweg stellvertretende Kreistagsvorsitzende. Darüber hinaus engagierte sie sich viele Jahre ehrenamtlich im deutsch-amerikanischen Frauenclub.
Bis ins hohe Alter blieb Dagmar Dregger geistig wach, interessiert und voller Humor. Sie war eine gefragte Zeitzeugin und eine äußerst unterhaltsame Gesprächspartnerin. Oberbürgermeister Wingenfeld erinnerte sich besonders an ein Treffen im Jahr 2022 mit dem heutigen Bundeskanzler Friedrich Merz im Haus der Familie am Frauenberg. Dort ließ Dagmar Dregger mit viel Witz und Charme Anekdoten aus dem politischen Leben der 1970er- und 1980er-Jahre Revue passieren. Für ihre Gäste wurde dabei Zeitgeschichte der Bundesrepublik lebendig – auch die dunklen Jahre der Angst vor dem RAF-Terror, die die Familie Dregger selbst stark belasteten.
Auch wenn das hohe Alter von 97 Jahren für ein langes und erfülltes Leben stehe, gelte sein Mitgefühl den trauernden Angehörigen, insbesondere den Söhnen und Enkeln, betonte Oberbürgermeister Wingenfeld. Die Stadt Fulda werde Dagmar Dregger ein ehrendes Andenken bewahren.
Das Requiem für Dagmar Dregger findet nach Angaben der Familie am Dienstag, 23. Dezember 2025, um 11 Uhr im Fuldaer Dom statt. Die anschließende Beisetzung ist um 13.15 Uhr auf dem Friedhof am Frauenberg vorgesehen. +++ jo










