Die Insolvenz der Druckerei Rindt GmbH & Co. KG bedeutet einen schweren Einschnitt für die osthessische Wirtschaft und lässt ein traditionsreiches Kapitel vorerst enden. Das Unternehmen mit Sitz in Fulda-Lehnerz hat beim Amtsgericht Fulda Insolvenz angemeldet, angeordnet wurde eine vorläufige Insolvenzverwaltung. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte das Gericht den Fuldaer Rechtsanwalt Dirk Ritzenhoff, das Verfahren wird unter dem Aktenzeichen 92 IN 13/26 geführt. Wie es für den Betrieb, die Beschäftigten und die Kunden nun weitergeht, ist derzeit völlig offen. Offizielle Stellungnahmen zur Fortführung des Unternehmens oder zu möglichen Sanierungsplänen gibt es bislang nicht – die Zukunft der Druckerei steht damit in den Sternen.
Dabei blickt die Druckerei Rindt auf eine mehr als 90-jährige Unternehmensgeschichte zurück und galt über Jahrzehnte als fester Bestandteil der regionalen Druckindustrie. Der Betrieb war auf Bogen-Offset- und Digitaldruck spezialisiert und bot Geschäftskunden ein breites Spektrum an Druckdienstleistungen an. Bis zum Herbst 2022 gehörte Rindt zur Fuldaer Mediengruppe Parzeller, bevor das Unternehmen im Zuge eines Verkaufs an die damalige Geschäftsführung überging. Mit diesem Schritt sollte die Druckerei eigenständiger aufgestellt und wettbewerbsfähiger am Markt positioniert werden. Dass es dennoch zur Insolvenz gekommen ist, zeigt eindrücklich, wie groß die wirtschaftlichen Herausforderungen für die Branche weiterhin sind.
Der Fall Rindt steht dabei nicht isoliert da. Seit Jahren befindet sich die Druck- und Medienbranche in einem tiefgreifenden Wandel. Die fortschreitende Digitalisierung hat das Mediennutzungs- und Kommunikationsverhalten grundlegend verändert. Klassische Printprodukte verlieren zunehmend an Bedeutung, während digitale Angebote immer stärker nachgefragt werden. Für viele Druckereien bedeutet das sinkende Auftragsvolumina, während gleichzeitig höhere Anforderungen an Flexibilität, Geschwindigkeit und Individualisierung gestellt werden.
Zusätzlich geraten die Betriebe durch massiv gestiegene Kosten unter Druck. Papierpreise, Energie- und Transportkosten sowie Ausgaben für Vorprodukte und Chemikalien sind in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen. In einem hart umkämpften Markt lassen sich diese Mehrkosten jedoch nur begrenzt an die Kunden weitergeben, was die ohnehin knappen Margen weiter schmälert. Gleichzeitig verschärfen Online-Druckplattformen und großindustrielle Anbieter den Wettbewerb, da sie dank hoher Stückzahlen und automatisierter Prozesse deutlich günstiger produzieren können.
Branchenexperten sprechen seit Langem von einem fortschreitenden Konsolidierungsprozess. Vor allem kleine und mittelständische Druckereien geraten dabei zunehmend unter Druck, wenn notwendige Investitionen in neue Technologien, Digitalisierung oder energieeffiziente Produktionsverfahren nicht mehr aus eigener Kraft zu bewältigen sind. Insolvenzen, Sanierungsverfahren und Betriebsaufgaben nehmen bundesweit zu und machen deutlich, wie tiefgreifend der strukturelle Wandel inzwischen ist.
Vor diesem Hintergrund wird auch die Insolvenz der Druckerei Rindt als weiteres Symptom eines grundsätzlichen Problems gewertet. Ob es im Rahmen des Insolvenzverfahrens gelingt, den Betrieb zu stabilisieren oder einen Investor zu finden, bleibt abzuwarten. Für die Region Fulda geht es damit nicht nur um die Zukunft eines einzelnen Unternehmens, sondern um den möglichen Verlust eines weiteren Stücks industrieller Tradition in einer Branche, die sich neu erfinden muss, um langfristig bestehen zu können. +++










