Die fußballerischen Stationen, sein Weg als Skilangläufer in Gersfeld, seine Zeit beim JFV Viktoria Fulda, in Ehrenberg oder jetzt beim Hünfelder SV, seine Reifung als Sportler - das ist die eine Seite des Sven Kemmerzell. Das ist schön, davon kann man indessen hier zu Lande nicht leben. Die zweite Seite ist Svens Entwicklung zum Arzt - verbunden mit der Teilnahme an der Ärzte-WM in Costa Rica und einer eigenen Praxis in der Rhön, zwischen Fulda und Hünfeld. Oder anderswo. In jedem Falle als Landarzt. Kommen Sie mit auf diese spannende Reise.
Über die Veranlagung des 25-Jährigen, über den Tellerrand hinaus zu blicken, hatten wir im ersten Teil berichtet. Zu seiner Persönlichkeit gehört es auch, dass er sich entschloss, Medizin zu studieren. In Würzburg. „In meinem Examensjahr musste ich dort viele Praktika absolvieren“, blickt er zurück. Während dieser Zeit suchte er auch eine Möglichkeit, weiter Fußball zu spielen. Im von Würzburg zehn Kilometer entfernten Rimpar fand er einen Verein. Der spielte in der Landesliga. Und es passte.
„Es war total prägend, einen Platz in einer Mannschaft zu erkämpfen, in der man gänzlich unbekannt ist“, sagt Sven. Als sei es ein Stückchen Lebensaufgabe. Und seine Bestimmung. Fast typisch für ihn. Andere benötigen ein Zeugnis. Sven Kemmerzell erarbeitet es sich. Wenn man sich für ihn als Gesamtpaket entscheidet, sind auch die Zutaten drin. Alle 34 Spiele machte er mit, fünf Tore erzielte er. „Das Jahr hat mich persönlich weitergebracht“, urteilt er. Durch seine Zeit in Rimpar habe er auch den Kontakt zur Uni-Mannschaft in Würzburg herstellen können. Mit einem ersten Schlüssel-Erlebnis als Folge: Sven Kemmerzell nahm mit dem Team der Uni Würzburg an der Deutschen Hochschule-Meisterschaft in München teil. Das erfreuliche Ergebnis: 1. Platz. Eine weitere erfolgreiche Etappe schloss sich an: Die Teilnahme an der Europameisterschaft im ungarischen Debrecen war zur Realität geworden.
Und die bleibt Sven im Gedächtnis. Nicht nur, weil Platz zwei heraussprang - die EM hatte es ihm angetan. „Es war so ein Olympia-Feeling “, springt sein Herz in Sekundenschnelle an. Viele Sportarten waren im Angebot, reges Leben herrschte auf dem Campus. Sven sah sich viele Sportarten an, ob nun 3x3-Basketball oder auch Futsal. Kurze Wege waren es, „total cool“ empfand er das. Sven Kemmerzell nahm dieses Erlebnis in sein Herz auf, als Begleiterscheinung und Folge wurde er kontaktiert von der Ärzte-Nationalmannschaft der Fußballer. Und in absehbarer Zeit bietet sich dem Jungen aus der Rhön eine lohnende Aussicht: im Dezember diesen Jahres findet die WM in Costa Rica statt. Über diverse Lehrgänge muss man sich natürlich qualifizieren.
Sven Kemmerzell durchläuft derzeit die Ausbildung zum Arzt am Fuldaer Klinikum, er ist im Praktischen Jahr. „Im Mai hab‘ ich mein drittes Staatsexamen - und muss die Approbation erlangen, um fertiger Arzt zu werden. Und die Approbation ist die Voraussetzung, dass ich in Costa Rica mitmachen kann.“ Man spürt, dass ihn dieses Erlebnis berührt, lockt und antreibt. „Die Ärzte-WM ist ein Ziel, auf das man hinarbeiten kann. Ein Erlebnis, das es, nicht zuletzt wegen seiner Einmaligkeit, lohnt mitzunehmen.“ Seine Folgerung ist ebenso nüchtern wie aus dem oberen Regal. „Ohne Fußball würde ich nicht dorthin kommen.“
Bis er wieder auf dem anderen Boden landet. Auf dem rauen des Arbeitslebens. „Mein langfristiges Ziel ist es“, sagt er bestimmt und mit der Kraft der Überzeugung, „Landarzt oder Hausarzt zu werden. Dafür will ich den Facharzt für Allgemeinmedizin machen.“ Das ist anspruchsvoll. Fünf Jahre dauert es und ist in unterschiedliche Abschnitte unterteilt. Mindestens ein Jahr dieser umfassenden Ausbildungszeit werde er in Fulda absolvieren, sagt er.
Sven Kemmerzell betont, dass er gerne in Osthessen wohnt. Dass er sich hier heimisch fühlt. „Ich bin gerne in Fulda, Hünfeld oder auf dem Land“. Ehe er sich zu dieser Aussage hinreißen lässt: „Mein Traum wäre eine eigene Arztpraxis in der Rhön.“ Das ist gut zu wissen in Zeiten, in denen die auf dem Land immens seltener werden. Für die Leute auf dem Land ist das eine gute Botschaft. Nicht nur der Hünfelder SV weiß, was er an Sven Kemmerzell hat. +++ rl










