Wasser

Studie warnt vor Folgen von Wasserknappheit für deutsche Wettbewerbsfähigkeit

Mangelndes Wassermanagement könnte die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands schwächen und erhebliche wirtschaftliche Kosten verursachen. Das geht aus einer Studie der Beratungsfirma Boston Consulting Group (BCG) in Kooperation mit dem Umweltverband Nabu hervor, über die der „Spiegel“ berichtet. Demnach könnten sich die Belastungen bis zum Jahr 2050 auf bis zu 625 Milliarden Euro summieren, was rund 25 Milliarden Euro pro Jahr entspricht.

In die Berechnung fließen unter anderem Versicherungsschäden durch Überflutungen sowie Ernteausfälle infolge von Dürren ein. Hinzu kommen indirekte Kosten, etwa durch steigende Wasserpreise, wenn sich Entnahme und Aufbereitung verteuern, oder durch Produktivitätsverluste in Unternehmen. Diese könnten beispielsweise entstehen, wenn bei Niedrigwasser die Frachtschifffahrt auf Flüssen eingestellt werden muss und Lieferketten unterbrochen werden. Insgesamt führe dies zu einem schleichenden Kapitalverlust, der langfristig die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands mindere, heißt es in der Analyse.

Nach Angaben der Autoren verliert Deutschland derzeit mehr Wasser, als seine natürlichen Systeme wieder auffüllen können. In den vergangenen zwei Jahrzehnten seien rund 60 Milliarden Kubikmeter Wasser verloren gegangen – mehr als das Volumen des Bodensees.

Als Ursachen nennen die Studienautoren unter anderem versiegelte Böden, intensive Landwirtschaft und Planungen, die auf maximale Flächennutzung ausgerichtet sind. Diese führten dazu, dass Regenwasser zu schnell abfließe, anstatt im Boden zu versickern. Der Klimawandel verstärke diese Entwicklung zusätzlich durch unregelmäßigere Niederschläge, häufige Hitzesommer und sinkende Grundwasserspiegel.

BCG und Nabu fordern, Wasser künftig als strategische Ressource zu behandeln, ähnlich wie Energie oder kritische Rohstoffe. Es dürfe nicht länger als unbegrenzte natürliche Ressource betrachtet werden. Fördermittel und Investitionen sollten gebündelt sowie staatliche und private Initiativen besser miteinander verzahnt werden. Zudem könnten Verbraucher über einen sogenannten „Wassercent“ an den Kosten beteiligt werden.

Die Studie plädiert außerdem für finanzielle Anreize, etwa für Landwirte. Durch entsprechende Maßnahmen ließen sich die Wasserspeicher jährlich um bis zu 7,5 Milliarden Kubikmeter vergrößern. Regenerative Landwirtschaft könne beispielsweise den Humusgehalt erhöhen und damit die Wasserspeicherfähigkeit der Böden verbessern. BCG-Agrarexperte Torsten Kurth fordert einen Paradigmenwechsel: „In Deutschland herrscht noch das Denken, wir hätten genug oder sogar zu viel Wasser. Wir leben aber inzwischen von der Substanz.“ Trotz eines deutlich gesunkenen Wasserverbrauchs sei die Wasserbilanz negativ. „Noch können wir die Kosten senken und unsere Wasserbilanz stabilisieren oder sogar verbessern.“ Anders als bei der CO₂-Bilanz zahle sich ein gutes Wassermanagement lokal begrenzt vergleichsweise schnell aus. +++ adm

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