Es ist eine leise Revolution, die sich nachts vollzieht – dort, wo bislang starre Technik jahrzehntelang unbeirrt Licht spendete, soll bald ein System arbeiten, das denkt, reagiert und spart. Zehn Bürgermeister aus der Region haben gemeinsam mit der RhönEnergie Fulda Leitlinien entwickelt, die die Straßenbeleuchtung grundlegend verändern sollen. Es geht um weniger Stromverbrauch, sinkende Kosten und einen Nachthimmel, der wieder dunkler werden darf.
Den Anfang macht die Gemeinde Großenlüder. Dort hat die Gemeindevertretung am Donnerstagabend mit deutlicher Mehrheit den Weg freigemacht für neue Verträge – und damit für einen Umbau, der weit über den Austausch von Lampen hinausgeht. Bürgermeister Florian Fritzsch sieht darin keinen Einzelbeschluss, sondern die Fortsetzung eines bereits eingeschlagenen Kurses. Schon 2023 hatte die Kommune entschieden, ihre Straßenbeleuchtung neu zu denken: sicherer, wirtschaftlicher, umweltverträglicher. Nun folgt die Umsetzung.
Dass dieser Schritt notwendig ist, zeigt ein Blick auf den Ist-Zustand. In vielen Orten der Region – Großenlüder ist keine Ausnahme – stammt die Technik aus einer Zeit, in der Flexibilität kein Thema war. Straßenlaternen brennen, oder sie brennen nicht. Dazwischen gibt es bislang nichts. Individuelle Steuerung? Fehlanzeige. Dimmung? Technisch nicht vorgesehen.
Genau hier setzt die Modernisierung an. Künftig sollen neue Schaltschränke die Grundlage für eine variable Steuerung bilden. Sie erlauben es, Licht bedarfsgerecht zu regulieren – je nach Uhrzeit, Verkehrsaufkommen oder sogar konkreter Situation vor Ort. Ein Projekt mit Dimensionen: Sollten alle 34 Kommunen, die von der RhönEnergie Fulda betreut werden, mitziehen, würden insgesamt 1.360 dieser Schaltschränke installiert. Die Kosten werden geteilt: Die Hälfte übernimmt der Energieversorger, den Rest tragen die Kommunen anteilig. Großenlüder allein benötigt 39 dieser Steuerzentralen.
Dabei erfüllen die neuen Anlagen nicht nur technische, sondern auch rechtliche Anforderungen. Künftig muss der Stromverbrauch exakt gemessen werden. Bisher wurde er lediglich berechnet – eine Methode, die in Zeiten variabler Beleuchtung an ihre Grenzen stößt.
Parallel dazu steht der Austausch der Leuchtmittel an. In Großenlüder sollen sämtliche 1.170 Straßenlaternen auf LED-Technik umgestellt werden. Noch dominieren dort konventionelle Leuchten – rund 93 Prozent. Das Einsparpotenzial ist erheblich. Nach Angaben von Ralf-Stefan Stöppler, Geschäftsführer der RhönEnergie Effizienz + Service GmbH, lassen sich mit moderner LED-Technik zwischen 50 und 70 Prozent Strom einsparen. Für die Gemeinde bedeutet das konkret: rund 20.000 Euro weniger Betriebskosten pro Jahr – zusätzlich zu den Energieeinsparungen.
Doch die Technik kann mehr als nur effizient sein. Der neue Vertrag eröffnet den Kommunen die Möglichkeit, schrittweise in Richtung „smart street lighting“ zu gehen. Variable Schaltzeiten, individuelle Dimmprofile für einzelne Straßenzüge oder ganze Ortsteile, Sensoren, die auf Umgebungslicht reagieren – und perspektivisch sogar Bewegungsmelder, die Licht nur dann aktivieren, wenn es tatsächlich gebraucht wird. Ein System, das sich dem Alltag anpasst, statt ihn starr zu beleuchten.
Dabei bleibt die Entscheidungshoheit bewusst vor Ort. Keine Kommune wird verpflichtet, alle Möglichkeiten auszuschöpfen. Jede kann Tempo und Umfang der Umrüstung selbst bestimmen. Großenlüder allerdings hat sich klar positioniert: vollständige Umstellung auf LED, neue Schaltschränke und der Einstieg in die intelligente Steuerung – alles in einem Schritt.
Neben wirtschaftlichen Argumenten spielt auch der ökologische Aspekt eine zentrale Rolle. LED-Leuchten senken den CO₂-Ausstoß deutlich. Gleichzeitig wird bei der Planung Rücksicht auf den Schutz der Nacht genommen – ein Thema, das gerade in der Rhön besondere Bedeutung hat. Die Leuchten sollen künftig strikt nach unten ausgerichtet werden, um Lichtverschmutzung zu vermeiden. Zudem kommen Leuchtmittel mit reduziertem Blaulichtanteil zum Einsatz, um Insekten zu schützen und den natürlichen Rhythmus von Mensch und Tier möglichst wenig zu stören.
Der neue Dienstleistungsvertrag ist das Ergebnis monatelanger Abstimmungen zwischen Bürgermeistern und Vertretern der RhönEnergie Fulda. Für Fritzsch steht fest, dass sich der Aufwand gelohnt hat. Das Vertragswerk, so sein Fazit, stelle die Interessen der Kommunen in den Mittelpunkt und schaffe zugleich eine belastbare Grundlage für die Zusammenarbeit der kommenden zwanzig Jahre.
Im Hintergrund läuft bereits die nächste Phase. Denn die Modernisierung ist kein Einzelprojekt, sondern Teil einer größeren Entwicklung: Mehr als 32.500 Straßenlaternen betreibt die RhönEnergie Fulda in sechs Landkreisen. Wenn alle beteiligten Kommunen den eingeschlagenen Weg mitgehen, wird sich das nächtliche Bild der Region grundlegend verändern – leiser, gezielter, sparsamer. Und vielleicht auch ein Stück dunkler. +++











