Auf Hessens Fernstraßen bleibt im Vergleich der Jahre 2024 und 2025 weitgehend alles beim Alten. Das Staugeschehen hat sich kaum verändert. Ganz anders sieht es dagegen im bundesweiten Vergleich aus: Die aktuelle ADAC-Staubilanz zeigt deutschlandweit einen deutlichen Anstieg. Die Zahl der Staustunden kletterte von 448.000 im Jahr 2024 auf 478.000 im Jahr 2025 – ein Plus von rund sieben Prozent.
In Hessen selbst blieb die Lage dagegen vergleichsweise stabil. Autofahrerinnen und Autofahrer standen im vergangenen Jahr insgesamt 33.592 Stunden im Stau, nach 33.137 Stunden im Jahr 2024. Das entspricht einem leichten Anstieg um ein Prozent. Trotz dieses Zuwachses liegt das Staugeschehen weiterhin deutlich unter dem Vor-Corona-Niveau von 2019, als noch 39.323 Staustunden registriert wurden. Auch die Gesamtlänge der Staus nahm leicht zu: Hessenweit summierten sich die Staus auf 78.186 Kilometer, nach 77.130 Kilometern im Jahr zuvor. Wie schon in den vergangenen Jahren bleiben die Autobahnen A3, A5 und A66 die am stärksten belasteten Strecken im Land. Die größten Staus entstehen vor allem im morgendlichen Berufsverkehr zwischen 6 und 9 Uhr sowie am Nachmittag zwischen 14 und 18 Uhr. Besonders viele Staus wurden im Jahresdurchschnitt mittwochs und donnerstags gezählt, während montags und an den Wochenenden deutlich weniger Verkehr herrschte.
Deutlich spürbar wirkte sich im vergangenen Jahr der Lückenschluss der A49 am Ohmtal-Dreieck aus. Die Freigabe der Strecke brachte spürbare Entlastungen für das hessische Autobahnnetz. Vor allem die östlich verlaufende A7 profitierte erheblich von der neuen Verbindung zwischen A5 und A49. Auf der A7 zwischen dem Hattenbacher Dreieck und dem Dreieck Kassel-Süd verbesserte sich die Lage massiv: In Richtung Norden gingen die Staustunden um 83 Prozent zurück, in Richtung Süden um 59 Prozent. Auch auf der A5 zwischen Grünberg und dem Hattenbacher Dreieck wurde eine Verringerung der Staustunden um 28 Prozent gemessen.
Mit dem Anschluss des Ohmtal-Dreiecks im März 2025 hat sich die A49 laut ADAC zu einer wichtigen Alternativroute für den Transitverkehr zwischen Frankfurt und Kassel entwickelt. Die Entlastung wirke dabei weit über die Region hinaus, erklärte Wolfgang Herda, Verkehrsexperte des ADAC Hessen-Thüringen. Frühere Stau-Hot-Spots wie das Hattenbacher Dreieck und das Kirchheimer Dreieck würden inzwischen spürbar entlastet.
Allerdings hat sich die Verkehrslage unmittelbar rund um das Ohmtal-Dreieck selbst verschärft. Dort entsteht ein neues Nadelöhr im hessischen Autobahnnetz, da die Verkehrsströme der A5, A7 und A49 von Ost nach West zusammenlaufen. Besonders auf der A5 in Fahrtrichtung Frankfurt haben sich die Stauwerte zwischen der Anschlussstelle Alsfeld-West und der Anschlussstelle Grünberg verdoppelt. Insgesamt überwiegen durch den Lückenschluss der A49 jedoch die positiven Effekte, und das Autobahnnetz profitiert unterm Strich von deutlichen Verbesserungen.
Zu den größten Stau-Hot-Spots in Hessen zählten im vergangenen Jahr weiterhin bekannte Strecken. Die meisten Staustunden entfielen auf die A643 zwischen der Anschlussstelle Wiesbaden-Dotzheim und der Anschlussstelle Schiersteiner Straße mit 1.507 Stunden. Es folgte die A3 zwischen Obertshausen und Hanau mit 1.225 Stunden sowie die A60 zwischen der Anschlussstelle Mainz-Finthen/Saarstraße und dem Dreieck Mainz mit 985 Stunden.
Besonders kritisch waren erneut die Feiertage. Der staureichste Tag des Jahres war Mittwoch, der 28. Mai 2025, direkt vor Christi Himmelfahrt. An diesem Tag standen Autofahrerinnen und Autofahrer in Hessen insgesamt 251 Stunden im Stau. Den längsten Einzelstau verzeichnete der ADAC am Ostermontag, dem 21. April, auf der A5. Zwischen dem Hattenbacher Dreieck und der Anschlussstelle Friedberg summierten sich die Staus auf bis zu 40 Kilometer. Wochenendausflügler trafen dort auf Osterurlauber. Auch nach Weihnachten war viel Verkehr unterwegs: Am Sonntag, dem 28. Dezember, staute sich der Verkehr auf der A5 zwischen der Anschlussstelle Alsfeld-Ost und dem Nordwestkreuz Frankfurt auf insgesamt bis zu 34 Kilometer. Anders als im Vorjahr blieben in den Wintermonaten witterungsbedingte Großstaus in Hessen jedoch weitgehend aus.
Im bundesweiten Vergleich liegt Hessen bei der Staudauer weiterhin im Mittelfeld. Rund neun Prozent der in Deutschland gemessenen Staukilometer entfallen auf das Bundesland. Setzt man die Staustunden ins Verhältnis zur Länge des Autobahnnetzes, ergibt sich die sogenannte Staukennzahl. Diese lag in Hessen 2025 – wie bereits im Vorjahr – bei 33 Staustunden je Autobahnkilometer und damit leicht unter dem bundesweiten Durchschnitt von 36. Deutlich höher fallen die Werte in den Stadtstaaten aus: Hamburg und Berlin führen die Statistik mit 236 beziehungsweise 212 Staustunden pro Kilometer an und verzeichneten im Vergleich zum Vorjahr nochmals einen deutlichen Anstieg.
Für das Jahr 2026 rechnet der ADAC mit einer leichten Zunahme des Verkehrsaufkommens auf Hessens Autobahnen, was sich auch in den Stauzahlen niederschlagen dürfte. Eine Rolle könnten mehrere größere Bauprojekte spielen. Diese seien jedoch notwendig, um das Autobahnnetz zu modernisieren und eine weitere Verschärfung der Stausituation durch mögliche Brückensperrungen zu verhindern. Die erforderlichen Mittel für Modernisierung und Ausbau müssten in den kommenden Jahren gezielt eingesetzt werden, betont Verkehrsexperte Wolfgang Herda. Besonders eine Vielzahl maroder Autobahnbrücken, die eine zentrale Rolle im bundesweiten Verkehrsnetz spielen, müsse dringend erneuert werden, um die Funktionsfähigkeit der Verkehrsinfrastruktur in Hessen langfristig zu sichern. +++ adm











