Am besten trafen es Daniyel Cimens Worte, die den 1:0-Heimsieg der SG Barockstadt gegen Kickers Offenbach begleiteten. Der SGB-Trainer sagte treffend, „es war ein Spiel, in dem man das Gefühl hatte, dass das eine Tor entscheidet“. Ebenso wirklichkeitsnah sprach er von „so einer Phase, in der vieles für uns passt“. An diesen Aussagen sollte man sich orientieren. Auch an der für SGB-Verhältnisse tollen Kulisse von 2.774 Zuschauern. Der Gewinn der drei Punkte wärmte natürlich Fuldas Fußball-Seele - und das völlig zurecht.
An der SGB gibt es derzeit kaum ein Vorbeikommen. Das Team ist gefestigt, präsentiert ein stimmiges Verhalten gegen den Ball, eine stabile Vierer-Abwehrkette, die meist recht tief steht und defensive Räume gut zumacht. Und in Hans Sarpei den vielleicht besten Sechser der Liga hat. Dem Team aus Fulda gelang, möchte man Cimens Gefühl aufgreifen, das spiel-entscheidende Tor. Und das machte Spaß. Leon Pomnitz - stark formverbessert, enorm fleißig und präsent, aber noch immer zu sehr in falschen Räumen -, nahm Moritz Dittmann mit, legte ihm fix und einfach in den Raum. „Ditti“ behauptete den Ball, zog in die Box, brachte seinen Körper rein und deckte ihn tornah ab, bediente präzise Tobi Göbel am langen Pfosten - und Göbel vollendete. Offenbachs Coach Mark Zimmermann entgegnete zurecht, sein Spieler Cesen habe sich in dieser Szene „die innere Linie klauen“ lassen. Recht hatte er, und das OFC-Abwehrverhalten hatte etwas mit „dilettantisch“ zu tun.
Wieder einmal hatte sich Moritz Dittmanns Wert gezeigt für die Mannschaft. Zwei Szenen sprechen überdies dafür. Nach einer Ball-Eroberung und anschließendem Tempo-Dribbling lief er auf die gegnerische Abwehr zu, traf aber die falsche Entscheidung (60.), und in Minute 79 lief er Jayson Breitenbach, der ihn nicht rechtzeitig an der Seitenauslinie stellen konnte, weg, eilte Richtung Strafraum, wurde jetzt von Breitenbach, aber regelwidrig gestoppt - mit einer Portion Glück hätte es „Elfer“ gegeben.
Die SGB hatte sich auffallend gesteigert nach der Pause. Sie besetzte offensive Räume besser, nahm ihr offensives Herz im Derby in die Hand, spielte mutiger mit Ball - aber noch nicht gut. Das Ergebnis dessen war das Siegtor. „Wir wollten früher anlaufen, und auch mal einen Chip-Ball hinter die Abwehr spielen“, erklärte Cimen, „Mut zum Risiko wird manchmal belohnt“. Was zuvor mit Ball war? „In der ersten Halbzeit haben wir zu viel lange Bälle gespielt“. Man kann auch sagen: Die Abstände nach vorn waren viel zu groß, um einen Gegner unter Druck zu setzen. Was dem Coach noch wichtig war, das schob er nach. „Wie die Mannschaft ihre Führung bis zum Ende verteidigt hat, mit Intensität und Leidenschaft, davor ziehe ich den Hut. Wir wollen auf diesem Weg bleiben.“ Gut und taktisch sinnbringend auch: „Hille“, der wieder von Beginn an mitwirkte, machte die linke defensive Seite weitgehend zu. Ein positives Momentum im Gegensatz zum Pokalspiel.
Und der OFC? Das Team vom Bieberer Berg hätte das 70 Minuten lang offene Spiel auch gewinnen können. Eigentlich müssen. Man sollte Fußballspiele ja nie auf einzelne Szenen reduzieren - aber sowohl Keanu Staude (26.) als auch Ron Berlinski (55.) hätten ihre Chancen freistehend einfach nutzen und reinmachen müssen. Sie scheiterten aber in beiden Fällen an SGB-Keeper Zapico, der sein Team in diesen Momenten im Spiel hielt. Auch eine dritte Situation war äußerst sehenswert: Jona Borsum, dessen offensive Impulse dem Team zunehmend fehlten, hatte den Mut zu einem strammen Diagonalball, der den eingewechselten Kilian Skolik einsetzte, der die Kugel fast wie im Traum mitnahm, per Rückpass aus dem rechten Halbraum nach innen brachte - „Zapi“ einem erfolgreichen OFC-Abschluss aber wieder im Weg stand.
Doch erstens waren die Chancen eben nicht drin - und zweitens war Offenbachs Coach Mark Zimmermann mit dem Auftritt seines Teams so gar nicht zufrieden. Und das war - abgesehen von der Tatsache, wie sie das spiel-entscheidende Tor verteidigte -, absolut verständlich. Ihm schmeckte „die Art und Weise, wie wir gespielt haben“, überhaupt nicht. „Dass wir innerhalb einer Woche eine 180-Grad-Drehung in unserem Spiel hatten“. Zimmermann erlebte das fünfte Spiel unter seiner Leitung - und die letzten Auftritte des OFC machten durchaus Mut: nicht nur der letzte „erlösende“ 2:0-Sieg gegen Sandhausen. Zimmermann, der aus dem nahen Bad Salzungen stammt, gefielen Basics und Herangehensweise seiner Mannschaft nicht.
„Intensität, Leidenschaft, Gier und Hunger nach mehr“ - diese fehlenden Zutaten klagte er zuvorderst ein. „Anscheinend ist das ein Thema, das zu häufig vorkommt“, seufzte er leicht, „wir haben an die Leistung aus dem Pokalspiel gegen die SG Barockstadt gar nicht anknüpfen können. Heute hab ich den Spirit nur auf Fuldaer Seite gesehen“. Fast mit ein wenig Symbolkraft - aber völlig richtig - auch dies: „Wenn du schon nicht in Führung gehst, verteidige ich das Tor mit Leidenschaft.“ Siehe 0:1. Man müsse jetzt halt schauen beim OFC, „das in den letzten sieben Spielen“ noch hinzukriegen. Gemeint ist natürlich der Klassenerhalt.
Um den braucht sich die SG Barockstadt fast gar nicht mehr zu sorgen - der Sieg gegen Offenbach war aber eher das Produkt harter Arbeit, mit Hilfe eines Katalysators namens Moritz Dittmann. Und eines, ja eines, lag Zimmermann noch am Herzen. Der OFC müsse es schaffen, Emotionen zu erzeugen und ins Spiel zu bringen. „Selbst auf dem Bieberer Berg müssen welche entstehen. Selbst zu Hause muss es von dir kommen.“ Warten wir ab, was in den nächsten Spielen für beide Teams passt: die SGB schon am Freitag im erneuten Heimspiel gegen Alzenau (19 Uhr, Johannisau) - der OFC tags darauf auf dem Bieberer Berg gegen die TSG Balingen Fußball.
SG Barockstadt: Zapico - Kraft (88. Iljazi), Habermehl, Frey, Hillmann - Sarpei - Dittmann, Ivankovic, Pomnitz, Köhler (59. Klein) - Göbel (88. Reinhard)
Kickers Offenbach: Brinkies - Breitenbach (82. Crljenec), Arh Cesen, Knothe, Dejanovic (46. Barry), Borsum, Goselnik (57. Skolik), Karada, Staude, Marcos, Berlinski (57. Mustafa, 90. Mensah)
Schiedsrichter: Marvin Maier
Zuschauer: 2.774
Das Tor: 1:0 Tobias Göbel (72.) +++ rl











