Sie gelten als provokant, polarisierend und für viele als Tabu: Gangbang-Partys. Doch sind sie tatsächlich der neueste Sex-Trend in Deutschland? Ein Blick auf aktuelle Zahlen aus der Erotik-Szene und Einschätzungen aus der Sexualforschung zeigt: Ganz so einfach ist es nicht.
Tatsächlich deuten Auswertungen aus der deutschsprachigen Erotik- und Event-Szene darauf hin, dass bestimmte Eventformate mit Gruppensex-Charakter zuletzt häufiger angeboten und besucht wurden. Besonders Veranstaltungen mit einem deutlichen Geschlechterungleichgewicht und mehreren männlichen Teilnehmern – oft als gangbang-ähnliche Partys bezeichnet – tauchen vermehrt in den Veranstaltungskalendern großer Online-Communities auf. Auch die Teilnehmerzahlen solcher Events sollen im Vergleich zum Vorjahr gestiegen sein. In einschlägigen Szenekreisen wird daher von einem wachsenden Interesse gesprochen.
Doch ein genauerer Blick relativiert den Hype. Andere Auswertungen derselben Community zeigen nämlich: Klassische Swinger-Partys sind bei vielen Besucherinnen, insbesondere bei Frauen, weiterhin deutlich beliebter als explizite Gangbang-Formate. Vor allem Solo-Besucherinnen entscheiden sich eher für Veranstaltungen mit ausgewogenem Teilnehmerfeld als für extreme Gruppenszenarien. Der vermeintliche Mega-Trend ist also keineswegs flächendeckend.
Was sagt die Wissenschaft dazu? Sexualforscherinnen und Sexualforscher betonen zunächst: Gruppensex ist kein neues Phänomen. Gangbang-ähnliche Konstellationen tauchen seit Jahrzehnten – wenn nicht Jahrhunderten – in verschiedenen Kulturen, Fantasien und sexuellen Subkulturen auf. Neu ist weniger die Praxis selbst als vielmehr die offenere Sichtbarkeit durch Online-Plattformen, spezialisierte Events und soziale Medien.
Studien und Umfragen zeichnen zudem ein überraschendes Bild: Gruppensex ist in der Bevölkerung verbreiteter, als viele glauben. In Befragungen mit mehreren tausend Teilnehmenden gab eine Mehrheit an, bereits Erfahrungen mit Gruppensex gemacht zu haben oder zumindest entsprechende Fantasien zu hegen. Entscheidend für positive Erlebnisse seien dabei laut Forschung vor allem klare Kommunikation, freiwilliges Einverständnis und gegenseitiger Respekt.
Aus sexualpsychologischer Sicht erklären Fachleute das Interesse an solchen Settings nicht mit einem plötzlichen Trend, sondern mit der Vielfalt menschlicher Sexualität. Manche Menschen suchen Abwechslung, andere möchten Fantasien ausleben, wieder andere empfinden Gruppensituationen als besonders stimulierend. Gleichzeitig betonen Forschende: Diese Vorlieben sind individuell sehr unterschiedlich – was für die einen reizvoll ist, lehnen andere strikt ab.
Ein weiterer Punkt, auf den Sexualforscher immer wieder hinweisen, ist die Bedeutung von Verantwortung. Unabhängig davon, ob es sich um Swinger-Abende oder Gangbang-Partys handelt, seien Konsens, klare Regeln und Safer Sex unverzichtbar. Ohne diese Grundlagen könne aus sexueller Freiheit schnell eine belastende Erfahrung werden.
Das Fazit fällt daher nüchtern aus: Ja, Gangbang-Partys werden aktuell stärker wahrgenommen und in bestimmten Milieus häufiger thematisiert. Nein, sie sind kein flächendeckender neuer Massen-Trend. Gruppensex gehört seit Langem zum Spektrum menschlicher Sexualität – und bleibt auch weiterhin eine Sache persönlicher Vorlieben, nicht der allgemeinen Mode. +++ da









