Die deutsche Wirtschaft meldet vorsichtige Erholung – doch bei vielen Selbstständigen kommt davon weiterhin wenig an. Wie fuldainfo.de unter Berufung auf den neuen Selbstständigen-Report 2026 von WISO MeinBüro und dem VGSD berichtet, bleibt die Lage angespannt: Unsicherheit, steigende Belastungen und wachsender Frust bestimmen den Alltag.
Die Entwicklung ist messbar. Nur noch knapp 46 Prozent der Befragten bewerten ihre wirtschaftliche Lage als gut bis hervorragend. Der Trend zeigt seit Jahren nach unten: 55 Prozent im Jahr 2024, 60 Prozent noch 2018. In 15 von 16 Bundesländern hat sich die Situation aus Sicht der Selbstständigen verschlechtert. Lediglich Brandenburg verzeichnet eine leichte Verbesserung, bleibt jedoch ebenfalls deutlich unter früheren Werten. Thüringen rangiert am unteren Ende der Skala.
Auch politisch verschieben sich die Gewichte. Zwar fühlt sich rund ein Drittel der Befragten den Grünen nahe, doch unabhängig von Parteipräferenzen dominiert ein anderes Gefühl: fehlende Anerkennung. Rund 90 Prozent der Selbstständigen geben an, sich von der Politik kaum oder gar nicht respektiert zu fühlen – ein Wert, der den wachsenden Vertrauensverlust unterstreicht.
Ökonomisch bleiben Unterschiede bestehen. Frauen planen im Schnitt geringere Umsätze als Männer, arbeiten jedoch auch weniger Stunden. Gleichzeitig zeigt sich ein Wandel bei den Honoraren: Immer mehr selbstständige Frauen setzen höhere Stundensätze durch. Dennoch bleiben regionale Unterschiede deutlich sichtbar – etwa in Sachsen-Anhalt, wo die niedrigsten Honorare bundesweit verzeichnet werden.
Das Geschäftsklima selbst wird mehrheitlich negativ bewertet. Rund 62 Prozent empfinden es als schlecht oder sehr schlecht, nur etwa ein Drittel als mittelmäßig. Entsprechend klar fallen die Forderungen aus: mehr Respekt, fairere Sozialversicherungsbeiträge und eine Gleichbehandlung mit Angestellten. Besonders bei der Krankenversicherung sehen sich viele benachteiligt, da Beiträge auf den gesamten Gewinn erhoben werden – inklusive Einnahmen, die bei Angestellten nicht berücksichtigt werden.
Vor diesem Hintergrund wächst bei vielen die Bereitschaft, Alternativen zu prüfen. 38 Prozent haben bereits darüber nachgedacht, Deutschland zu verlassen, knapp sechs Prozent planen konkrete Schritte. Bürokratie, Steuerlast und hohe Lebenshaltungskosten zählen zu den Hauptgründen. Hinzu kommen rechtliche Unsicherheiten, etwa durch mögliche Statusfeststellungsverfahren, die klären sollen, ob tatsächlich Selbstständigkeit vorliegt. Für viele bleibt dieses Verfahren ein permanentes Risiko.
Dabei ist das Bewusstsein für die tatsächlichen Kriterien oft gering. Viele gehen davon aus, dass mehrere Auftraggeber automatisch vor Scheinselbstständigkeit schützen – ein Trugschluss. Klare Positivkriterien existieren nicht, was die Verunsicherung weiter verstärkt. Bereits ein Viertel der Befragten hat Aufträge verloren, weil Auftraggeber Risiken vermeiden wollten.
Die Konsequenzen sind spürbar: Einige denken über den Ausstieg nach, andere über einen Neustart im Ausland. Gleichzeitig zeigt sich eine bemerkenswerte Stabilität. 65 Prozent fühlen sich durch mögliche Prüfverfahren nicht unmittelbar bedroht, mehr als 83 Prozent würden den Schritt in die Selbstständigkeit erneut wagen.
Ein Blick auf das Alter offenbart einen weiteren Trend: Mehr als die Hälfte plant, über das Renteneintrittsalter hinaus zu arbeiten – teils aus finanzieller Notwendigkeit, teils aus Überzeugung. Zwar betreiben viele aktiv Altersvorsorge, doch die bestehenden Regelungen werden häufig als unzureichend empfunden. Kritik gibt es insbesondere an der sogenannten Aktivrente, von der Selbstständige bislang ausgeschlossen sind. Rund 81 Prozent bewerten diese Ungleichbehandlung als ungerecht.
Trotz aller Herausforderungen bleibt die Motivation hoch. Selbstbestimmung und flexible Arbeitszeiten sind weiterhin die zentralen Antriebe – stärker als je zuvor. Gleichzeitig wachsen die Sorgen: unplanbare Aufträge und dauerhaft hohe Abgaben belasten zunehmend.
Der Blick nach vorn bleibt verhalten. Die Mehrheit sieht ihre Zukunft weiterhin in Deutschland, rechnet jedoch häufig mit stagnierenden oder schlechteren finanziellen Perspektiven. Nur ein Teil erwartet Verbesserungen, während andere das Ende ihrer Selbstständigkeit einkalkulieren.
So entsteht ein Bild voller Spannungen: ausgeprägter Unternehmergeist auf der einen Seite, tiefe Ernüchterung auf der anderen. Die Selbstständigen bleiben – aber sie verharren in einer Art Wartestellung. Sie hoffen auf verlässlichere Rahmenbedingungen, auf mehr Anerkennung und darauf, dass ihr Beitrag zur Wirtschaft endlich stärker wahrgenommen wird. +++ red.










