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Rückenwind mit Auftrag: Warum der neue Hessentrend für die GRÜNEN mehr ist als nur eine Zahl

14 Prozent. Eine Zahl, die auf den ersten Blick unspektakulär wirken mag, im politischen Kontext Hessens jedoch eine klare Botschaft sendet. Der neue Hessentrend prognostiziert den hessischen GRÜNEN genau diesen Wert – und liefert damit Rückenwind in einer Phase, in der politische Orientierung und Glaubwürdigkeit wichtiger sind denn je. Für Julia Frank und Anna Lührmann, die beiden Landesvorsitzenden der Partei, ist das Ergebnis kein Ruhekissen, sondern ein Arbeitsauftrag.

Denn im Vergleich der Flächenländer schneiden die hessischen GRÜNEN mit diesem Wert stark ab, besser ist aktuell nur Baden-Württemberg. Das ist Anerkennung für jahrelange kommunale Arbeit, für konkrete Lösungen vor Ort und für eine Politik, die sich nicht in Parolen erschöpft. Gleichzeitig ist es ein Ansporn mit Blick auf die Kommunalwahl: „Wir sind sicher: da geht noch mehr“, sagt Julia Frank – und macht damit klar, dass 14 Prozent kein Ziel, sondern ein Zwischenstand sind.

Der Blick auf die politische Konkurrenz schärft diese Einordnung zusätzlich. Der neue Hessentrend bringt einen spürbaren Dämpfer für die CDU – und zugleich einen Höchstwert für die AfD. Wäre am kommenden Sonntag Landtagswahl, käme an die CDU in Hessen weiterhin keine Partei auch nur annähernd heran. Mit derzeit 32 Prozent bliebe sie zwar stärkste Kraft, verlöre aber im Vergleich zum Hessentrend im Juni 2025 deutlich an Zuspruch. Minus vier Prozentpunkte markieren einen spürbaren Vertrauensverlust für die Partei von Ministerpräsident Boris Rhein.

Gleichzeitig verschieben sich die Kräfteverhältnisse im übrigen Parteienspektrum. Die SPD, lange Zeit kriselnder Koalitionspartner, legt auf 16 Prozent zu und gewinnt damit drei Prozentpunkte hinzu. Sie überholt die oppositionellen GRÜNEN, die stabil bei 14 Prozent bleiben. Diese Stabilität werten Julia Frank und Anna Lührmann als Stärke – gerade in einem Umfeld, das von Bewegung, Unsicherheit und wachsender politischer Fragmentierung geprägt ist. Zulegen kann auch die oppositionelle AfD, die inzwischen 20 Prozent erreicht.

Bemerkenswert ist dabei der thematische Hintergrund dieser Entwicklung. Laut Hessentrend sind Bildung und Schule inzwischen das größte politische Problem aus Sicht der Hessinnen und Hessen. Migration verliert dagegen merklich an Bedeutung. Dass die AfD dennoch zulegt, verweist weniger auf konkrete Sachthemen als auf eine tieferliegende politische Verunsicherung und eine wachsende Unzufriedenheit mit der Leistungsfähigkeit der Landespolitik insgesamt.

Diese Diagnose teilen auch andere Parteien, wenn auch mit unterschiedlicher Tonlage. Die FDP etwa zieht aus dem Hessentrend eine schonungslose Bilanz. Drei Prozent in der Sonntagsfrage und enttäuschende Zufriedenheitswerte seien ein klarer Auftrag, den notwendigen Erneuerungsprozess deutlich zu beschleunigen. Die Freien Demokraten wollen nun „mehrere Gänge hochschalten“, mutiger als Reformkraft auftreten und mit konkreten Vorschlägen für Land und Bund überzeugen. Auch sie richten den Blick auf die Kommunalwahl am 15. März und benennen Verkehrsinfrastruktur sowie Bildung als die zentralen kommunalpolitischen Probleme. In beiden Feldern reklamiert die FDP eigene Schwerpunkte: eine Mobilitätspolitik, die die Verkehrsträger nicht gegeneinander ausspielt, sondern Stadt und Land gleichermaßen mobiler macht, sowie eine Bildungspolitik mit modernen Kitas und Schulen, die jedem Kind von Anfang an gleiche Chancen eröffnen soll.

Für die GRÜNEN bestätigt diese parteiübergreifende Fokussierung auf Bildung und Infrastruktur ihren eigenen Kurs. Besonders deutlich formuliert das Anna Lührmann. „Bei der CDU beginnt der Lack zu bröckeln“, sagt sie – und meint damit mehr als eine Momentaufnahme in der Sonntagsfrage. Große Sprüche träfen auf eine ernüchternde Realität: Kitaplätze fehlen, Hessens Schulen fallen zurück, Busse und Bahnen werden immer unzuverlässiger, Wohnen wird immer teurer. Es sind Probleme, die den Alltag vieler Menschen direkt betreffen. Der Vorwurf der GRÜNEN: Die CDU-geführte Landesregierung hat auf all diese Fragen keine überzeugenden Antworten.

Genau an dieser Stelle setzen die GRÜNEN ihren politischen Anspruch. Gute Bildung, verlässliche Mobilität, bezahlbares Wohnen und wirksamer Klimaschutz sind für sie keine abstrakten Schlagworte, sondern kommunale Kernaufgaben. Julia Frank verweist darauf, dass die Bilanz von Schwarz-Rot gerade in diesen Bereichen besonders schlecht ausfalle, während die GRÜNEN in den vergangenen Jahren in den Kommunen starke Resultate abgeliefert hätten. Der Hessentrend wird so zur Bestätigung einer Politik, die dort ansetzt, wo Entscheidungen den Alltag unmittelbar prägen.

Gleichzeitig mischt sich in die positive Bewertung des eigenen Ergebnisses eine deutliche Warnung. Die Umfrageergebnisse der AfD erfüllen die Parteiführung mit großer Sorge. Anna Lührmann zieht einen internationalen Vergleich und verweist auf die USA, wo sich zeige, welche katastrophalen Auswirkungen die Politik von AfD-Vorbild Donald Trump habe. Die AfD wolle unter anderem das brutale Vorgehen der US-Einwanderungsbehörde ICE auf deutsche Straßen bringen. Davor, so Lührmann, müsse man die Hessinnen und Hessen schützen.

Am Ende ist die Botschaft der hessischen GRÜNEN klar und selbstbewusst. Die aktuellen Zahlen zeigen, dass die Partei vor Ort gebraucht wird – gerade in einer Situation, in der Bildung und Schule als drängendstes Problem benannt werden und Vertrauen in politische Lösungen keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Mit dem Rückenwind aus dem Hessentrend gehen Julia Frank und Anna Lührmann entschlossen in die Kommunalwahl und kämpfen um jede Stimme. Kommunal ist Grün. +++ redaktion ohr

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