Regierungspräsident Mark Weinmeister auf Reise durch den RP-Bezirk

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Vor der JVA Hünfeld: (v.l.) Michael Moor (stellvertretender Leiter der JVA Hünfeld), Regierungspräsident Mark Weinmeister, Klaus-Dieter Vogt (Leiter der JVA Hünfeld).

Es ist eine Reise durch ein System, das im Alltag oft im Hintergrund bleibt – und doch den Staat im Kern zusammenhält. Regierungspräsident Mark Weinmeister ist zu seiner einwöchigen Frühjahrsreise „RP vor Ort“ aufgebrochen und richtet den Blick in diesem Jahr gezielt auf die Justiz in Nord- und Osthessen.

Bis zum 1. April führt ihn die Route durch den gesamten Regierungsbezirk Kassel, eine Region mit rund 1,2 Millionen Menschen, geprägt von wirtschaftlicher Stärke und struktureller Vielfalt. Sechs Landkreise sowie die Oberzentren Kassel und Fulda gehören dazu – ein Raum, in dem das Regierungspräsidium sich selbst als Mittler und Dienstleister versteht. Doch diesmal geht es weniger um Verwaltung im engeren Sinne als um jene Institutionen, die Recht sprechen und Strafen vollziehen.

Im Mittelpunkt der Reise steht eine „Justizwoche“. Weinmeister besucht Amts- und Landgerichte ebenso wie die Finanz- und Arbeitsgerichtsbarkeit. Hinzu kommen Stationen in Justizvollzugsanstalten – Orte, die selten Teil politischer Besuchsprogramme sind und doch zentrale Fragen des Rechtsstaats bündeln.

Der Regierungspräsident sucht dabei bewusst den Perspektivwechsel. Während die Zusammenarbeit mit der Verwaltungsgerichtsbarkeit zum Alltag gehört, richtet sich sein Interesse nun auf Bereiche, mit denen es bislang weniger Berührungspunkte gab. Es geht um Einblicke, aber auch um Austausch: über Innovationen, über Projekte – und über die Schwierigkeiten, mit denen die Justiz in der Region konfrontiert ist.

Denn die Themen ähneln sich, unabhängig von Zuständigkeiten. Digitalisierung, Bürokratieabbau, Personalgewinnung – Herausforderungen, die sich durch die gesamte öffentliche Verwaltung ziehen. Gerade im Justizbereich treffen sie auf Strukturen, die traditionell als besonders stabil gelten und sich doch zunehmend anpassen müssen.

Zum Auftakt führte die Reise in die Justizvollzugsanstalt Hünfeld. Die 2006 eröffnete Einrichtung zählt zu den jüngeren Gefängnisbauten in Hessen und verfügt über rund 500 Haftplätze. Hier werden Freiheitsstrafen von bis zu 60 Monaten an männlichen Erwachsenen vollzogen. Zugleich steht die JVA für ein Modell, das bundesweit Aufmerksamkeit erregt hat: Hessen übertrug als erstes Bundesland einen Teil der Betriebsleistungen an private Dienstleister.

Rund 40 Prozent der Aufgaben wurden ausgelagert – von der medizinischen Versorgung über den Küchen- und Reinigungsbetrieb bis hin zu sozialen und pädagogischen Diensten. Die hoheitlichen Eingriffe gegenüber Gefangenen bleiben hingegen ausschließlich in staatlicher Hand. Ein Modell zwischen Effizienz und staatlicher Verantwortung, dessen Fortführung 2021 bis mindestens 2027 beschlossen wurde.

Von dort aus ging es weiter zum Landgericht Fulda. Als Teil der ordentlichen Gerichtsbarkeit ist es zuständig für Zivil- und Strafverfahren. In Zivilsachen beginnt die erstinstanzliche Zuständigkeit bei Streitwerten über 10.000 Euro, zugleich fungiert das Gericht als Berufungsinstanz für Urteile der Amtsgerichte. In Strafsachen werden hier Verfahren verhandelt, bei denen Freiheitsstrafen von mehr als vier Jahren oder besondere Maßnahmen wie Sicherungsverwahrung im Raum stehen.

Es sind Stationen, die die Spannbreite staatlichen Handelns sichtbar machen – vom Urteil bis zur Haft. Für Weinmeister ist die Reise damit auch ein Versuch, Verbindungen herzustellen, wo sonst Zuständigkeiten trennen. Der Blick über den eigenen Bereich hinaus, so seine Erwartung, könne helfen, gemeinsame Lösungen zu entwickeln.

Am Ende ist es weniger eine klassische Dienstreise als eine Annäherung. An Institutionen, an Menschen, an Probleme, die sich nicht isoliert betrachten lassen. Und vielleicht auch an die Erkenntnis, dass der Staat gerade dort verstanden werden muss, wo er für viele unsichtbar bleibt. +++

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