Regierungsmitglieder trafen Großspender – Forderungen nach Verbot von Unternehmensspenden werden lauter

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CDU-Regierungsmitglieder haben sich im Jahr 2025 mindestens 17-mal mit Milliardären oder Vertretern von Unternehmen getroffen, die im selben Jahr Großspenden an die Partei leisteten. Das geht aus Angaben der Bundesregierung hervor, über die der SPIEGEL berichtet. Bekannt wurden diese Kontakte erst durch parlamentarische Nachfragen. Aus Sicht der Transparenzplattform abgeordnetenwatch unterstreicht der Vorgang erneut die Notwendigkeit, Großspenden an Parteien grundsätzlich zu verbieten.

„Großspenden an Parteien sind eine Gefahr für die Demokratie“, sagt Sarah Schönewolf, Sprecher von abgeordnetenwatch. Obwohl jede Stimme formal gleich viel zähle, erhielten einzelne Konzerne und Superreiche über Parteispenden faktisch mehr politischen Einfluss als andere. Gerade in Zeiten politischer Krisen und wachsenden Populismus könne sich eine Demokratie eine solche Vertrauenskrise nicht leisten, so Schönewolf.

Dass persönliche Treffen zwischen Politik und zahlungskräftigen Akteuren ein Einfallstor für Lobbyismus sein können, hatte bereits eine frühere Recherche gezeigt. Schon 2023 deckten abgeordnetenwatch und der SPIEGEL auf, dass unter anderem eine Parteispende der Deutschen Vermögensberatung AG in Höhe von 100.000 Euro per persönlicher Scheckübergabe an den damaligen CDU-Vorsitzenden und heutigen Bundeskanzler Friedrich Merz übergeben worden war. Auch dieser Fall verdeutlichte nach Einschätzung der Transparenzorganisation die privilegierten Zugangsmöglichkeiten von Großspendern zu politischen Entscheidungsträgern.

Vor diesem Hintergrund fordert abgeordnetenwatch, Unternehmensspenden an Parteien zu verbieten, um politischen Zugang von finanzieller Macht zu entkoppeln und das Vertrauen in demokratische Entscheidungsprozesse nachhaltig zu stärken. Dieser Forderung haben sich nach Angaben der Organisation bereits mehr als 77.000 Menschen angeschlossen, die die Petition „Unternehmensspenden an Parteien verbieten, Privatspenden deckeln!“ unterzeichnet haben.

Wie groß die Bedeutung von Großspenden im politischen Betrieb ist, zeigen auch die aktuellen Zahlen. Im Jahr 2025 erhielten die Parteien insgesamt Großspenden in Höhe von 22.187.708 Euro. Den größten Anteil verzeichnete die CDU mit 6.322.521 Euro, gefolgt von der AfD mit 5.158.556 Euro und der FDP mit 3.203.474 Euro. Die SPD erhielt 2.250.000 Euro, das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) 2.135.756 Euro, die CSU 1.244.000 Euro und die Grünen 1.130.000 Euro. Weitere Beträge entfielen auf die Linke mit 300.000 Euro, Volt mit 175.000 Euro, das Team Todenhöfer mit 116.401 Euro, die Freien Wähler mit 112.000 Euro sowie die DKP mit 40.000 Euro.

Die Angaben stammen von abgeordnetenwatch und beziehen sich auf im Jahr 2025 eingegangene Großspenden. Sie können von Übersichten der Bundestagsverwaltung abweichen, da dort auch Spenden berücksichtigt werden, deren Zahlungseingang in früheren Jahren lag, die aber erst 2025 angezeigt oder veröffentlicht wurden (Stand: 9. Januar 2026). +++ adm

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