Regenmassen und tauender Schnee lassen Hessens Flüsse anschwellen: In zahlreichen Gewässern steigen die Pegelstände deutlich, vielerorts wurden Hochwassermeldestufen überschritten – und die Scheitelwellen verlagern sich zunehmend in die Mittel- und Unterläufe der großen Flüsse. Seit Mittwoch wurde an insgesamt 30 Pegeln die Meldestufe 1 überschritten, an vier Pegeln sogar Meldestufe 2 erreicht. Aktuell liegt hessenweit an 18 Pegeln die Meldestufe 1 über der Grenze, während an zwei Messstellen – Gießen-Klärwerk an der Lahn sowie Etzelmühle an der Salzböde – Meldestufe 2 gilt. Das Hochwassergeschehen bleibt damit dynamisch und verlagert sich weiter flussabwärts.
In Nord- und Osthessen stehen derzeit sieben Pegel auf Meldestufe 1. Besonders betroffen sind die Fulda sowie Teile des Edergebietes. Während die Wasserstände am Pegel Unter-Schwarz an der Fulda bereits wieder sinken, steigen sie im Mittel- und Unterlauf des Flusses weiterhin an. Eine Überschreitung der Meldestufe 2 am Pegel Bad Hersfeld 1 an der Fulda wird nach aktuellem Stand jedoch nicht erwartet. Auch an der Eder werden weiterhin steigende Pegelstände verzeichnet, insbesondere am Pegel Schmittlotheim. Hier wird der Scheitelwasserstand für den Nachmittag im Bereich der Meldestufe 1 prognostiziert. An den hessischen Abschnitten von Werra und Weser steigen die Wasserstände ebenfalls an, derzeit wird dort jedoch nicht mit einer Überschreitung von Hochwassermeldestufen gerechnet.
Auch in Mittelhessen bleibt die Lage angespannt: Am Morgen befanden sich sieben Pegel in Meldestufe 1, während die Pegel Etzelmühle an der Salzböde sowie Gießen-Klärwerk an der Lahn Meldestufe 2 erreichten. Bereits am gestrigen Abend war zudem am Pegel Bartenhausen an der Wohra kurzzeitig Meldestufe 2 registriert worden. In kleineren Gewässern gehen die Wasserstände meist schon wieder zurück, doch die Hochwasserwelle der Lahn zeigt sich weiterhin deutlich: Ihr Scheitel liegt derzeit etwa im Bereich der Ohmmündung. Nach aktuellen Vorhersagen wird am Pegel Leun an der Lahn heute Mittag die Meldestufe 2 nur knapp verfehlt. Flussabwärts sollen im Laufe des Tages am Pegel Diez sowie am Pegel Kalkofen jeweils noch Meldestufe 1 erreicht werden. Insgesamt rechnen Experten damit, dass sich die Hochwassersituation in Mittelhessen im Verlauf des Wochenendes allmählich entspannt.
In Südhessen sind aktuell drei Pegel in Meldestufe 1, besonders betroffen ist das Einzugsgebiet der Kinzig. In den kommenden Stunden kann der Wasserstand in den Gewässern weiterhin zeitweise ansteigen, da der Scheitel der Hochwasserwelle den Unterlauf der Kinzig noch nicht erreicht hat. Nach derzeitigen Modellprognosen wird die Meldestufe 2 zwar nicht überschritten, weitere Überschreitungen der Meldestufe 1 können jedoch nicht ausgeschlossen werden.
Auch größere Flüsse zeigen Bewegung: Kurz vor Mitternacht wurde am Pegel Rockenau am Neckar die Meldestufe 1 überschritten, die Wasserstände steigen dort weiter. Der Scheitel wird nach aktuellen Prognosen für den heutigen Abend im Bereich der Meldestufe 2 erwartet. Am Rhein und am Main nehmen die Pegel ebenfalls weiter zu, derzeit rechnen Fachleute dort jedoch nicht mit Überschreitungen von Hochwassermeldestufen.
Ein Ende der wechselhaften Wetterlage ist vorerst nicht in Sicht. Unter anhaltendem Tiefdruckeinfluss bleibt das Wetter in Hessen unbeständig. Der Deutsche Wetterdienst erwartet für heute eine stark bewölkte bis bedeckte Wetterlage mit zeitweiligem Regen. In der Nacht zum Samstag kann es örtlich zu leichtem Schneefall oder Schneegriesel kommen, während in Südhessen überwiegend Regen fällt. Am Samstag setzt im Süden Hessens im Tiefland zunächst Regen ein, der rasch in Schnee übergeht und später an Intensität verliert. Im Norden werden geringer Schneegriesel oder örtlich gefrierender Sprühregen vorhergesagt.
Während sich die Lage an kleineren Gewässern sowie in den Oberläufen der größeren Flüsse meist bereits entspannt und die Wasserstände dort zurückgehen, erwarten Fachleute insbesondere in den Mittel- und Unterläufen weiterhin steigende Pegelstände. Vereinzelt sind weitere Überschreitungen von Hochwassermeldestufen möglich.
Aktuelle Messwerte, Hochwasservorhersagen sowie Hochwassermitteilungen des HLNUG werden fortlaufend aktualisiert und sind unter hochwasser.hessen.de abrufbar. Soweit verfügbar, sind dort auch Messwerte und Prognosen der Nachbarbundesländer verlinkt. +++ red.











