Osthessen braucht unbequeme Stimmen

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In Osthessen ein neues mediales Projekt auf den Weg zu bringen, ist kein leichtes Unterfangen. Wer hier antritt, betritt kein neutrales Feld, sondern ein Raum, der seit Jahren von festen Strukturen, eingespielten Abhängigkeiten und wenigen, mächtigen Akteuren geprägt ist. Mit „Osthessenreport“ haben es dennoch 15 Menschen gewagt, genau diesen Schritt zu gehen. Alle haben sich bewusst dafür entschieden, zumindest bis Ende 2026 nicht öffentlich in Erscheinung zu treten; Und das nicht aus Geheimniskrämerei heraus, sondern aus Erfahrung! Denn: In Osthessen ist es prinzipiell nicht erwünscht, dass ein weiteres journalistisches Angebot existiert, das sich den großen Machern – oft auch im Hintergrund – in Fulda und der Region entzieht. Wer sich nicht einordnen oder kontrollieren lässt, gilt schnell als Störfaktor. Diese Mechanismen sind nicht neu. Seit vielen Jahren gibt es hier Konflikte, etwa rund um fdi, und daran hat sich bis heute wenig geändert. Solche Erfahrungen wirken nach. Sie prägen ein Klima, in dem neue mediale Projekte nicht begrüßt, sondern gebremst werden.

Und genau in diesem Umfeld setzt Osthessenreport an. Es geht um nichts anderes als um Journalismus. Um Nachrichten, nicht um Inszenierungen – ohne Schnörkel, ohne Hochglanz, ohne das Bemühen, alles gefällig darzustellen. Auch geht es nicht darum, schöne oder bewusst auch unbequeme Bilder zu produzieren, nur um Aufmerksamkeit zu erzeugen oder Erwartungen zu bedienen. Es geht nicht um Fassaden, hinter denen sich die eigentlichen Probleme verbergen. Und es geht ganz sicher nicht darum, sich mit Politikern oder vermeintlich wichtigen Persönlichkeiten zu schmücken und Nähe zu demonstrieren, wo eigentlich Distanz angebracht wäre. Keine symbolischen Gesten, keine Machtinszenierungen, kein Kopieren dessen, was andere bereits vor vielen Jahren auf den Weg gebracht haben und es bis heute tun. Osthessenreport will nicht Teil eines Systems sein, das sich selbst bestätigt und immer wieder reproduziert.

Dieses Projekt will gewiss keinen Mandatsträgern gefallen. Gefälligkeit ist keine journalistische Kategorie und sollte auch nie zu einer werden. Politische Anerkennung oder stilles Wohlwollen aus den Rathäusern und Parlamenten sind nicht das Ziel. Maßstab ist der Leser. Der Leser, der längst bemerkt hat, dass in Osthessen vieles aus dem Ruder läuft, und der spürt, dass Probleme beschönigt, Konflikte umgangen und kritische Fragen oft gar nicht erst gestellt werden (dürfen!). Dort, wo es offensichtlich falsch läuft, soll der Finger in die Wunde gelegt werden. Und diese Region hat Wunden – strukturelle, politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche.

Gleichzeitig versteht Osthessenreport Journalismus nicht als reine Nabelschau. Der Leser soll täglich relevante Nachrichten aus aller Welt erhalten, um Entwicklungen einordnen zu können. Regionale Tiefe schließt den Blick über den eigenen Horizont nicht aus. Im Gegenteil: Wer verstehen will, was vor Ort geschieht, muss wissen, was global passiert, welche Zusammenhänge wirken und welche Einflüsse gerne ausgeblendet werden.

Der Blick auf andere journalistische Projekte zeigt, dass es auch anders geht. Unabhängig von Anzeigenkunden – auch wenn es in Osthessen viele Unternehmen gibt, die sich nicht mehr unter Druck setzen lassen wollen –, unabhängig von politischer Nähe, getragen von einer Gemeinschaft aus Lesern. Leser, die nicht nur konsumieren, sondern mitdenken und mittragen. Dieser Journalismus erklärt, statt zu verkürzen. Er liefert Hintergründe statt bloßer Schlagzeilen und nimmt sich Zeit für Themen, die sonst untergehen. Das ist keine Theorie und keine Utopie, sondern der Beweis, dass kritischer, leserfinanzierter Journalismus selbst gegen Widerstände funktioniert.

Osthessenreport versteht sich nicht als Kopie solcher Projekte, sondern als regionale Antwort auf diese Idee. Verwurzelt in Osthessen, mit dem Anspruch, genauer hinzusehen, tiefer zu recherchieren und unbequemer zu sein als das, was man hier gewohnt ist. Um die Wunden dieser Region wirklich zu kennen, braucht es jedoch die Mithilfe der Leser. Menschen, die ihre Geschichten teilen. Die erzählen, was sonst niemand hören will oder hören soll. Die sich nicht damit abfinden, dass Missstände ausgesessen oder totgeschwiegen werden.

Osthessenreport ist nicht wie andere – und schweigt anschließend. Wenn recherchiert wurde, und erst, wenn Dinge belegbar sind, erst dann werden sie veröffentlicht. Alles, was nachweisbar ist, kommt ans Licht. Nicht aus Lust an der Provokation, sondern aus Verantwortung gegenüber einer Region, die mehr verdient als angepasste Berichterstattung. Osthessen braucht unbequeme Stimmen. Osthessenreport will eine davon sein. Redakteure, die sich selbst für das Größte halten, sind in der Regel keine Journalisten. +++ redaktion ohr

3 Kommentare

  • Reiner Meinhardt
    Antworten

    Müssen in Osthessen wirklich nur diejenigen mitmachen, die wissen, was hier abläuft? Ohne diese Informationen – zumal es hier anonym zugeht – wird es ausgesprochen mühsam. Die CDU ist keine SPD. In ihren Reihen wird geschwiegen, selbst dann, wenn Unzufriedenheit herrscht. Parteisoldaten bis zum bitteren Ende.

    Eines allerdings ist sicher: Ein Oberbürgermeister, der bestimmte Medien in den Himmel hebt, wie es in Fulda geschieht, geht überhaupt nicht. Ein OB ist zur Neutralität verpflichtet. Daran gibt es keinen Interpretationsspielraum.

    Dass sich nun Menschen zusammengetan haben, die aus der Mitte der Gesellschaft in Osthessen kommen, finde ich persönlich richtig und wichtig. Auch ich werde mich anschließen. Dieses Projekt muss und soll man unterstützen.

  • Die vierte Gewalt in Deutschland war viele Jahre lang die Presse, da es viele unabhängige Journalisten gab. Und es gab unabhängige Blätter wie den Spiegel und andere wie die TAZ. Doch bekanntlich hat sich das Blatt gewendet: der Spiegel gehört heute zu Bertelsmann und die TAZ gibt es auch nur noch online. Und sogar ein lokales Blatt wie die FZ gehört nicht mehr den Herausgebern. Große reiche Investoren wie Ippen, Mohn und Springer bestimmen immer mehr, was wir lesen und was wir denken sollen. Das gilt ebenso für die FZ wie den Spiegel und andere Blätter. Presse ist gut aber Kontrolle ist besser.

    Ihr Projekt hier ist ein Hoffnungsschimmer, dass es Menschen hierzulande gibt, die genug haben von der Hofberichterstattung. Und die sich nun entschieden haben, mit diesem Blatt die unabhängige vierte Gewalt wieder auferstehen zu lassen. Ich hoffe und bete, dass Ihnen im neuen Jahr 2026 das auch gelingt.

    Daher wünsche ich dem ganzen Team von Osthessenreport den Mut und die Kraft, die Dinge zu verändern, die geändert werden müssen!

  • Da ist etwas Wahres dran. Bestimmte Parteien – und die ihnen nahestehenden Medien – tun sich offenkundig schwer mit unbequemen Stimmen. Was nicht ins eigene Narrativ passt, wird nicht selten bekämpft, statt sachlich eingeordnet oder diskutiert. Unabhängigkeit und kritische Distanz gelten dabei weniger als demokratische Stärke, sondern werden als Störfaktor wahrgenommen.

    Wer sich diesem Druck nicht beugt, muss mit Gegenwind rechnen. Unbequeme Positionen haben ihren Preis, sei es durch Ausgrenzung, Angriffe oder den Versuch, Glaubwürdigkeit zu beschädigen. Angepasstes Verhalten hingegen wird belohnt – mit Aufmerksamkeit, Wohlwollen und Unterstützung. Beides sind bewusste Entscheidungen. Wer unbequem ist, zahlt einen Preis. Wer angepasst ist, zahlt einen anderen.

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